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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 25.11.2017 um 05.14 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1106#32995

In der aktuellen Publikation konnte die Hirnforscherin 79 Bewerber um eine Londoner Taxilizenz zweimal kernspintomographisch untersuchen: einmal vor dem Training und einmal nach der Prüfung, die nur 39 Bewerber bestanden. Nur bei ihnen, nicht aber bei den 40 durchgefallenen Kandidaten und auch nicht bei 31 Kontrollpersonen kam es zur Vergrößerung des hinteren Hippocampus. (Ärzteblatt 9.12.11)

Ich glaube sowieso nicht an diese Studien, aber dies ist nun wirklich ganz unwahrscheinlich: Sollten die durchgefallenen Kandidaten wirklich soviel weniger gelernt haben, daß es sich anatomisch im sehr kleinen Hippocampus nachweisen ließe? (Man könnte sich die zeitraubenden akademischen Prüfungen in Zukunft sparen: Ab in den Kernspintomographen!)


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 25.11.2017 um 04.04 Uhr verfaßt.

„(...) die Annahme bestimmter vorsprachlicher Ausstattungen des Kindes (...), die ihm bei der Erlernung des sprachlichen Regelsystems zugute kommen. Ohne diese Annahme wäre es nicht zu erklären, daß Kinder ein so komplexes System vergleichsweise rasch erlernen können." (Andreas Hamburger: Entwicklung der Sprache. Stuttgart 1995:125)

Aber es gibt keinen "Vergleich". Und natürlich kann ein leerer Kasten nichts lernen. Und überall die undurchdachte Voraussetzung, daß "Regeln" gelernt werden.

(Das Buch enthält einige gute Beobachtungen, aber auch viel psychoanalytische Phantasterei.)


Wolfram Metz zu »Umfragen II«
Dieser Kommentar wurde am 25.11.2017 um 01.04 Uhr verfaßt.

Richtig. Allerdings ging es mir nicht um diese konkrete Frage, sondern um die Wirkung solcher Schlagzeilen überhaupt. Man liest: »Ein Drittel der Deutschen denkt dieses oder jenes«, die eigentliche Botschaft lautet aber: »Derart viele Deutsche denken dieses oder jenes, daß man daraus unausweichlich Konsequenzen ziehen muß«. In diese Kategorie fallen auch Meldungen der Art »Jedes fünfte Kind in Deutschland hat schon einmal einen Sonnenbrand gehabt«, die mich als Leser alarmieren sollen. Wenn ich nachrechne, komme ich aber darauf, daß 80 Prozent der Kinder offenbar noch nie einen Sonnenbrand hatten. Das kann mich nicht beunruhigen, sondern ich bin, im Gegenteil, eher überrascht, daß nicht viel mehr Kinder betroffen sind.


Manfred Riemer zu »Umfragen II«
Dieser Kommentar wurde am 24.11.2017 um 23.30 Uhr verfaßt.

Zwei Drittel sind nicht ausdrücklich für Neuwahlen.


Wolfram Metz zu »Umfragen II«
Dieser Kommentar wurde am 24.11.2017 um 22.53 Uhr verfaßt.

Zwei Drittel sind also gegen Neuwahlen.


Theodor Ickler zu »Umfragen II«
Dieser Kommentar wurde am 24.11.2017 um 16.52 Uhr verfaßt.

Umfrage: Ein Drittel der Deutschen ist für Neuwahlen. Würde man sie etwa 5 Minuten über den Sinn von Wahlen belehren, wären es wahrscheinlich viel weniger.

Dazu paßt folgendes:

SPD-Chef Martin Schulz hat die Gesprächsbereitschaft seiner Partei über eine Regierungsbildung bekräftigt. "In einem dramatischen Appell hat der Bundespräsident die Parteien zu Gesprächen aufgerufen. Dem werden wir uns nicht verweigern", schrieb Schulz bei Twitter.
"Sollten diese dazu führen, dass wir uns in welcher Form auch immer an einer Regierungsbildung beteiligen, werden die SPD-Mitglieder darüber abstimmen", schrieb Schulz weiter.
(Tagesspiegel 24.11.17)


Theodor Ickler zu »Euphemismen«
Dieser Kommentar wurde am 24.11.2017 um 16.44 Uhr verfaßt.

Maas sagte am Abend im ZDF, es gebe keine Führungsdebatte. Das sei „Käse“.

Käse gehört zu den Metaphern (für "Scheiße"), ist also eine semantische Figur. Davon verschieden sind rein formale Assonanzen usw.

Armleuchter = Arschloch
Scheibenkleister = Scheiße


So kann man auch die Hüllwörter für Gott, Jesus und den Teufel sortieren, die man aus unterschiedlichen Gründen nicht geradezu nennen darf.


Theodor Ickler zu »Grammatische Exerzitien 10«
Dieser Kommentar wurde am 24.11.2017 um 16.37 Uhr verfaßt.

Ergo Domine non solum es quo maius cogitari nequit sed es quiddam maius quam cogitari possit. (Anselm von Canterbury: Proslogion 15)

Herr, Du bist also nicht nur, über dem Größeres nicht gedacht werden kann, sondern bist etwas Größeres, als gedacht werden kann.

Wörtlich wäre: Du bist nicht nur, Größeres als welches nicht gedacht werden kann...

quo ist von maius abhängig, das geht in der deutschen Übersetzung verloren.


Gunther Chmela zu »Grammatische Exerzitien 2«
Dieser Kommentar wurde am 23.11.2017 um 18.47 Uhr verfaßt.

Im Bairischen gibt es die alte Bedeutung von dürfen noch (neben der "modernen" im heutigen Standarddeutschen). Wenn eine Mutter etwa zu ihrem Sprößling sagt,
du deafsd amoi deine Schua putzn, dann ist das eindeutig ein Befehl. Oder jemand sagt mit Blick auf die Uhr: Etz deafa mi aba schigga! (Jetzt muß ich mich aber beeilen).

Andererseits wird mit müssen sehr oft ein wohlmeinender Ratschlag ausgedrückt.
Du muaßd a bißl festa drugga. Das heißt so viel wie "du solltest etwas fester drücken".
Ich erinnere mich, wie einmal eine des Bairischen nicht mächtige Frau empört gesagt hat: "Wie kommt der Kerl dazu, mir etwas zu befehlen!" Sie hatte Schwierigkeiten, eine Holztreppe zu reinigen, als der Hausmeister freundlich zu ihr sagte: Sie miaßns mid oana Soafa proviern!. Das hieß ja nichts anderes als: Sie sollten es vielleicht mit Seife versuchen. Aber die Frau war außer sich.


Theodor Ickler zu »Kognitivismus«
Dieser Kommentar wurde am 23.11.2017 um 17.20 Uhr verfaßt.

Kognitivisten nehmen ja für Wörter gern ein „mentales“ Lexikon an, sonst auch „propositionale Speicherung“. Aber was ist mit den motorischen Fertigkeiten (mit den „anderen motorischen Fertigkeiten“, will ich natürlich damit sagen)? Wie ist die Fähigkeit des Schwimmens oder Radfahrens „gespeichert“? Wie kommt es, daß jemand nach 40 Jahren noch ein Klavierstück spielen oder wenigstens in Kürze wiederauffrischen kann? Und wenn das nichts mit mentalem Lexikon und propositionaler Speicherung und „Regeln“ zu tun hat – warum sollte man die Sprechfertigkeit grundsätzlich anders modellieren? Die Ökonomie der Wissenschaft gebietet es, alle Verhaltensänderungen einheitlich zu erklären, und zwar möglichst so, daß auch das Lernen der anderen Tiere ins Modell paßt. Man wird doch wohl nicht annehmen, daß das ZNS bei Menschen und Schimpansen grundsätzlich ganz verschieden arbeitet.


Theodor Ickler zu »Feucht und schmutzig«
Dieser Kommentar wurde am 23.11.2017 um 17.16 Uhr verfaßt.

Psychologin muss Justizopfer Schmerzensgeld zahlen
Zwei Jahre lang saß Norbert Kuß unschuldig im Gefängnis - weil er angeblich seine Pflegetochter missbraucht haben sollte.


In den USA gibt es Hunderttausende solcher Fälle – wegen einer verrückten psychoanalytischen Theorie. S. Frederick Crews sowie Mark Pendergrast: Victims of Memory: Incest Accusations and Shattered Lives (schon hier erwähnt: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1025#33677)
Elizabeth Loftus and Katherine Ketcham, The Myth of Repressed Memory: False Memories and Allegations of Sexual Abuse, New York: St Martin’s, 1994.
Richard Ofshe and Ethan Watters, Making Monsters: False Memories, Psychotherapy, and Hysteria, New York: Scribner’s, 1994.


Theodor Ickler zu »Grammatische Exerzitien 2«
Dieser Kommentar wurde am 23.11.2017 um 17.11 Uhr verfaßt.

Jedes Modalverb stellt uns vor das eine oder andere knifflige Problem.

dürfen ist heute ein Spezialfall von können, nämlich für den Fall, daß das Hindernis in einem Verbot besteht. Das ist aber eine ganz neue Bedeutung, wie man noch an Bedarf, Bedürfnis, darben, Notdurft usw. sieht. Früher bedeutete es also "brauchen, müssen". Vgl.:

Es gibt wirklich sehr viele Menschen, die bloß lesen, damit sie nicht denken dürfen. (Lichtenberg)

Für "nicht müssen" hat sich nicht brauchen eingestellt.

Volkssprachlich du mußt das nicht tun = du darfst das nicht tun. Vgl. engl. must not

Die idg. Wurzel terp (skr. trpnoti usw.), gr. terpo bedeutet "sich freuen, sich sättigen". Kluge/Seebold sieht ein ungelöstes Problem darin, daß es ein Präteritopräsens ist: Wie erklärt sich die Bedeutung aus dem Perfekt?

Die Antwort ist wahrscheinlich in der auch heute (s. o.) beobachtbaren pragmatischen Verschiebung zu suchen, die wir im einzelnen nicht mehr nachvollziehen können. Um jemanden zu schonen, sagen wir etwa, er brauche etwas nicht zu tun, wenn wir eigentlich meinen, er solle es nicht tun usw.


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