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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Alexander Kohl zu »Chinesisch«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2018 um 12.22 Uhr verfaßt.

Vielleicht als kleine laienhafte Beobachtung von mir: ich hatte während meiner Zeit in Taiwan nie das Gefühl, daß die Kinder dort langsamer lesen gelernt hatten als bei uns, die meisten konnten wesentlich mehr lesen, als in den Grundschullehrplänen vorgegeben war, meistens weil ihnen die Eltern vorgelesen haben oder weil sie die Schriftzeichen im untertitelten Fernsehen gesehen hatten o.ä.

Die Disziplin und den Schuldruck aus den Schriftzeichen abzuleiten, wird zwar immer wieder versucht, erklärt aber nicht, warum die Koreaner teilweise noch höhere Ansprüche an ihre Schüler stellen, obwohl sie sich einer der einfachsten Alphabetschriften rühmen.


Theodor Ickler zu »Trüber Tag«
Dieser Kommentar wurde am 18.01.2018 um 07.38 Uhr verfaßt.

Die Hälfte der Schlagzeilen und Nachrichten sind Unsinn von der Art jenes abgedeckten Scheunendachs in Texas. Heute morgen sollen wir uns über eine amerikanische Mutter empören, die ihrer fünfjährigen Tochter 5 $ Miete abknöpft. Auch abstimmen kann man darüber. (Wie man sich denken kann, zahlt die Mutter 7 $ Taschengeld und überweist davon 5 auf ein Sparkonto für die Kleine. In vielen Familien werden mehr oder weniger lustige Taschengeldmodelle ausprobiert; davon könnte wohl viele etwas erzählen.)

Wir werden Tag für Tag implizit für unzurechnungsfähig erklärt. Warum wird uns nicht die Wahlberechtigung entzogen?

Zum Dieselverbot: Laut Bundesumweltamt entspricht die Menge Feinstaub aus der Silvesterknallerei 17% des Jahresausstoßes des gesamten Straßenverkehrs.

Hätten Sie´s gewußt?


Theodor Ickler zu »Prädikativum«
Dieser Kommentar wurde am 17.01.2018 um 15.58 Uhr verfaßt.

So gehe ich auch immer an die Sache heran. Scheinbar einleuchtende Regeln für die Reihenfolge werden durch die Betonung und anderes überspielt. Aber vielen Linguisten fehlt es an Phantasie, darum sehen sie sich dann auch die Beleglage gar nicht erst an.


Manfred Riemer zu »Prädikativum«
Dieser Kommentar wurde am 17.01.2018 um 14.27 Uhr verfaßt.

Das wird auch klar, wenn man ein Prädikativum verwendet, dessen Bezug aufgrund seiner Bedeutung völlig eindeutig ist:

weil er ungeschält die Äpfel ißt

Kann man es so sagen? Aus dem Zusammenhang geholt klingt es schon etwas eigenartig, denn normalerweise steht ungeschält hinter dem Objekt. Aber es gibt immer Situationen, wo ein bestimmtes Wort zur besonderen Betonung nach links versetzt wird:

Ungeschält ißt er die Äpfel am liebsten
weil er ungeschält die Äpfel am liebsten ißt

Wenn die Bedeutung sowohl den Bezug aufs Subjekt wie auch aufs Objekt zuläßt, würde ich den ganzen Satz anders formulieren.


Theodor Ickler zu »Grammatische Exerzitien 2«
Dieser Kommentar wurde am 17.01.2018 um 11.17 Uhr verfaßt.

Er hat es tun wollen
mit Ersatzinfinitiv ist sicher üblicher als
Er hat es tun gewollt
das allerdings entgegen manchen Grammatiken auch nicht ausgeschlossen ist.
Steht aber der Hilfsverb seinerseits im Infinitiv, verschiebt sich die Lage:
etwas Unrechtes tun gewollt zu haben (Klaus Bringmann: Geschichte der Römischen Republik. München:142)
Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, nicht lesen gekonnt zu haben.
Der Prophet selber soll weder schreiben noch lesen gekonnt haben.
Also als Rabbi sollte er doch wohl lesen und schreiben gekonnt haben?
etwa zehn bis dreißig Prozent der städtischen Bevölkerung, die lesen und schreiben gekonnt haben sollen (Franz M. Konrad: Geschichte der Schule. München 2007:54)


Theodor Ickler zu »Dienstbar«
Dieser Kommentar wurde am 17.01.2018 um 09.41 Uhr verfaßt.

Man hat bis zum Überdruß von der "normativen Kraft des Faktischen" geredet, aber es ist etwas dran. Die Formulierung "Man schreibt heute so: ..." löst im allgemeinen keine weiteren Fragen aus. Am wenigsten bei Lehrern, Sekretärinnen, Lektoren und Korrektoren. (Ausnahmen kennen und ehren wir...)

Es gibt auch eine faktische Kraft des Normativen. Schmachthagen und seinesgleichen folgern aus der Verpöntheit gewisser Ausdrucksweisen, daß sie nicht existieren. Für Sprachwissenschaftler ist dies der unangenehmere Teil: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1369

Eduard Engel (schon zitiert): "Was ich mir nicht erklären kann, seh ich als einen Fehler an."


Theodor Ickler zu »Pädagogik vom Tage«
Dieser Kommentar wurde am 17.01.2018 um 06.10 Uhr verfaßt.

„Die Kinder nutzen die Schrift von Beginn an zur Kommunikation, zum Festhalten von Informationen und zum gedanklichen Austausch.“ (KMK)

Schön, wenn sie es tun, aber daraus folgt so wenig wie anderswo, daß Unterricht in der Anwendung aufgehen muß oder auch nur kann. Das Üben als eigenständige Phase ist der "kommunikativen" Sprachdidaktik ein Dorn im Auge, auch beim Fremdsprachenlernen.

Das Gegenteil hier: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1082#37591

Es gibt Klavierlehrwerke, die keine besonderen Fingerübungen vorsehen, sondern jede technische Einzelheit gleich an Stellen aus Originalkompositionen üben lassen ("Der gerade Weg"). Aber welchen Sinn hat es, die Werke zu Tode zu üben?

Gerade jenseits der frühen Kindheit sind z. B. phonetische Übungen nicht zu verachten, und für die Schrift gilt dasselbe. Den abgekürzten Königsweg gibt es nicht.

Die "Kognitivierung" der Linguistik durch Chomsky hat, wie schon erwähnt, dem Üben überhaupt keinen Platz mehr gelassen, weil sie Sprachbeherrschung als Regelwissen auffaßt und man Wissen entweder haben oder nicht haben, aber nicht üben kann. Dieser Irrtum hat sich mit der "pragmatischen" Wende getroffen und dem Üben den Garaus gemacht. An den Folgen laboriert die Schule immer noch.


Theodor Ickler zu »Chinesisch«
Dieser Kommentar wurde am 17.01.2018 um 05.36 Uhr verfaßt.

Lothar Ledderose leitet aus dem modularen Aufbau chinesischer Schriftzeichen den besonderen Charakter chinesischer Denkstile und Arbeitstechniken ab: Normung und Massenproduktion, z.B. bei der Terrakotta-Armee. (Kurzer Eindruck: https://www.eurasischesmagazin.de/artikel/Chinas-Zeichenschrift-formt-ein-ueberlegenes-Denken/20050904) Spekulativer eine Affinität zu Kollektivismus und Kommunismus (kritisch dazu http://oriens-extremus.org/wp-content/uploads/2014/06/OE43-Reviews-4.pdf). Der Einfluß auf den Westen muß wohl relativiert werden, weil es hier eigenständige Entwicklungen gab, z.B. in der Waffentechnik.
Immerhin bedenkenswert die nicht so originelle Ansicht: „Chinesische Kinder lernen viele Jahre lang, bis sie genügend Zeichen kennen. In europäischen Schulen geht das alles wesentlich rascher. Daß junge Chinesen ungleich mehr lernen müssen, erzieht sie aber zu äußerster Disziplin. Und das ist ein großer Vorteil für weiteres Lernen und für Erfolg im Leben.“ (Aus dem Interview)


Theodor Ickler zu »Prädikativum«
Dieser Kommentar wurde am 16.01.2018 um 17.27 Uhr verfaßt.

Es wird behauptet, das Subjektsprädikativum sei anders als das Objektsprädikativum frei verschiebbar, und dafür werden solche Beispiele angeführt:

weil er ungewaschen die Äpfel ißt

Hier könne sich ungewaschen nur auf das Subjekt beziehen. Das ist aber falsch, und ich will es gleich deutlicher formulieren:

weil er ungewaschen nicht einmal (die) Äpfel ißt

Hier kann sich das Prädikativum auf beides beziehen.


Theodor Ickler zu »Unwort des Jahres«
Dieser Kommentar wurde am 16.01.2018 um 16.29 Uhr verfaßt.

Die Süddeutsche Zeitung kommentiert das "Unwort des Jahres" stromlinienförmig im Sinn der Jury, verschweigt auch nicht, daß es zunächst eine amerikanische Angelegenheit ist.
Was ist eigentlich neu und "besorgniserregend"?


Theodor Ickler zu »Unwort des Jahres«
Dieser Kommentar wurde am 16.01.2018 um 15.56 Uhr verfaßt.

Ich weiß nicht, ob ich konservativ bin. Manches konserviere ich, anderes nicht. Rechtspopulistisch bin ich bestimmt nicht, was immer das heißt. Linkspopulistisch gibt es ja für diese Leute sowieso nicht.
Ich rede natürlich gern von Genderwahn. Die Genderwahnsinnigen immunisieren sich gegen Kritik, indem sie mit ihrer Unwort-Keule fuchteln. Im Pauschalisieren sind sie ganz groß. Über die deutsche Sprache haben sie noch nie etwas herausgefunden.


Theodor Ickler zu »Ohne große Mühe«
Dieser Kommentar wurde am 16.01.2018 um 15.49 Uhr verfaßt.

Man könnte sagen: Wie Fraktur als Zierschrift Verwendung findet, so Latein als Ziersprache in Titeln (vgl. etwa http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#24707)
Früher auch Griechisch, aber das wäre heute exzentrisch, weil praktisch jeder erst googeln müßte.


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