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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 17.08.2026 um 14.21 Uhr verfaßt.

„Der Kontinent [Asien] verbraucht so viel Energie wie der gesamte Rest der Welt.“ Unerhört! Allerdings leben in Asien auch 59% der Menschheit.


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 17.08.2026 um 04.43 Uhr verfaßt.

Psychologische Ferndiagnosen zu Trump sind meistens unbefriedigend, schon weil die übliche Terminologie es ist (Narzißmus usw.). Allerdings gibt der Mann viel von sich preis. Was eine Logopädin zu seiner Redeweise sagt, scheint mir aber Hand und Fuß zu haben und ist ganz hörenswert:
https://www.youtube.com/watch?v=lNuTn8NtMQo



Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 17.08.2026 um 04.31 Uhr verfaßt.

Über die Hälfte der US-Botschafter-Posten ist unter Trump unbesetzt, darunter der in Deutschland. Anderswo setzt Trump lieber alte Freunde ein als erfahrene Diplomaten, in Paris zum Beispiel den Vater seines Schwiegersohns Jared Kushner, einen verurteilten Verbrecher.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 17.08.2026 um 04.23 Uhr verfaßt.

"netzpolitik.org“ setzt das Gendersternchen vollautomatisch und daher besonders konsequent. Es erinnert an die sprichwörtlichen „Gebetsmühlen“, die uns befremden, weil wir nicht einsehen, wozu eine automatisierte Gebetspraxis gut sein soll. „Verbraucherschützer*innen“ warnen vor etwas... Diese Leute geben Tag für Tag zu Protokoll, daß sie ein Grundprinzip der Sprache nicht verstanden haben (und ein Versäumnis des Deutschunterrichts, na ja, und der Deutschlehrerausbildung!).


Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 17.08.2026 um 04.21 Uhr verfaßt.

„Der Begriff Enclothed Cognition wurde von Adam & Galinsky (2012) eingeführt und bezieht sich demnach auf die Wirkung, die Kleidung auf den mentalen Prozess eines Menschen und die Art und Weise, wie er denkt, fühlt und handelt, besitzt, und zwar vorwiegend in den Bereichen wie Aufmerksamkeit, Vertrauen oder abstraktem Denken. (Stangl, 2026).“
In der Kleidung der gehobenen Stände fühlt man sich gehoben, eine Uniform gibt Halt, die Livree macht dienstbar.
Thomas Mann setzte sich jeden Morgen förmlich gekleidet an den Schreibtisch, was man seiner Prosa anmerkt.
Elvis Presley drückte sich schon als Schuljunge die Nase platt am Schaufenster von Lansky Bros., wo es die schicken Klamotten gab, die er sich erst später leisten konnte. Sie hingen mit seiner Verwandlung auf der Bühne zusammen; sogar seine Frau war sehr verwundert, weil sie zwar Elvis kannte (zu kennen glaubte), aber nicht ELVIS. Er sagte bei passender Gelegenheit: „Well, the image is one thing and the human being is another, you know. So it’s very hard to live up to an image, I’ll put it that way.“


Theodor Ickler zu »Das „bilaterale Zeichen“«
Dieser Kommentar wurde am 16.08.2026 um 17.03 Uhr verfaßt.

Wenn „Zeichen“ ein historischer Begriff ist, gibt es keine synchronische Sprachwissenschaft, und Hermann Paul hatte recht: „Es ist eingewendet, dass es noch eine andere wissenschaftliche Betrachtung der Sprache gäbe als die geschichtliche. (...) Ich muss das in Abrede stellen.“
Allenfalls Symmetriebetrachtungen sind möglich und führen zum „System“.
In der Biologie gilt der entsprechende Satz Bertalanffys: „Nothing in biology makes sense except in the light of evolution.“
Die Naturbeschreibung behält ihren Wert und ist sogar die Grundlage der stammesgeschichtlichen Erklärung – wie in der Linguistik die synchrone Beschreibung. Aber Erklärung ist hier wie dort nur geschichtlich möglich.


Theodor Ickler zu »Neues aus dem Rat«
Dieser Kommentar wurde am 16.08.2026 um 16.55 Uhr verfaßt.

In den ersten Jahren der Rechtschreibreform folgten enthusiasmierte Jungbibliothekarinnen der Maxime, Kinder sollten lieber gar nichts lesen, als sich an „Nußschokolade“ die Augen zu verderben und damit ihr ganzes Leben zu vermasseln. Die bisher umfangreichste Dokumentation über das „Ausmisten“ von Jugendbibliotheken ist anscheinend immer noch meine eigene Sammlung von Zufallsbelegen. (http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9934, erweitert in meinem Buch über den Rechtschreibrat) Nach dieser großen Büchervernichtung wurde die Reform noch mehrmals revidiert, so daß auch die neugedruckten Werke nicht mehr den Wünschen der Kultusminister entsprachen, aber das war dann egal, der Eifer der ersten Stunde war verflogen, und die Durchsetzungsstatistiker im Rat zählten schon jede Nussschokolade als Erfolg.
Während man diese Barbarei wegen der Dummheit der Täterinnen nachsichtig beurteilen kann, geht das beim feigen Mitläufertum der Akademiker nicht. Sie haben ihren Lohn dahin.
Die Journalisten stehen irgendwo dazwischen. Außer der Nussschokolade haben sie vor allem die allerliebste Großschreibung „bei Weitem, seit Kurzem“ übernommen, obwohl sie das nicht mußten. Aber das fällt gar nicht mehr auf im Taumel der Sexualisierung. Die Süddeutsche Zeitung zum Beispiel gendert immer wieder mal (die Inkonsequenz ist an sich schon kritisch zu sehen) durch die linguistisch am wenigsten anstößige, aber stilistisch schlechte Doppelnennung. Als ob es nötig wäre, den Leser immer wieder daran zu erinnern, daß es neben Verbrauchern auch Verbraucherinnen gibt!
Jene stumpfsinnige Großschreibung geht bekanntlich auf den Schweizer Peter Gallmann zurück, den ein anderer Reformer einmal als „Sturkopf“ bezeichnete. Wenn ich die Mitgliederliste des Rechtschreibrates durchsehe, stelle ich fest, daß vom alten Stamm der Reformer nur Gallmann noch dabei ist. Wie mag er sich vorkommen in diesem verlorenen, zum Nichtstun verurteilten Haufen? Die Website ist praktisch tot. Nur beim Ableben eines Reformers wird sie kurz munter und rafft sich zu einem Nachruf auf, aber auch das nicht bei jedem.


Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 16.08.2026 um 16.51 Uhr verfaßt.

Der Wortschatz der Vierjährigen setzt uns immer wieder in Erstaunen. Die Eltern schildern die bevorstehende Urlaubsreise: wo sie übernachten werden, wie sie zur Fähre gelangen usw. Darauf die Tochter: „Und was ist, wenn wir’s verkacken?“

Sie fragt: „Oma, warum hast du immer das gleiche Outfit an?“ (4;8)


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 15.08.2026 um 17.17 Uhr verfaßt.

„Ein Rentner drückt Siegmund die Hand und verkündet, er werde sie jetzt bis zum 6. September nicht mehr waschen.“ (13.9.26)

Hätte er sie ihm gereicht, würde es gehen. Die Frauen, die Hitler am Obersalzberg die Hand drückten und einen ähnlichen Schwur taten, haben ihre eigene Hand, nicht die des Führers, nicht mehr gewaschen.


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 10.08.2026 um 05.29 Uhr verfaßt.

Man sollte meinen, die Unterscheidung zwischen „Gefühl“ und „Stimmung“ gehöre zu den elementaren Aufgaben einer Synonymik. Hält man die Einträge im „Dorsch“ nebeneinander, so erlebt man ein Debakel. Abgesehen davon, daß das im Deutschen künstliche Wort „Emotionen“ viel ausführlicher behandelt ist als (von derselben Autorin) das vertraute „Gefühl“, sind alle diese Einträge in einer gemischten Begrifflichkeit abgefaßt, die Folkpsychologie und neuere theoretische Konstrukte (ebd.) sowie physiologische Schlenker vereint und keinen direkten Vergleich zuläßt. Ohne Vertrautheit mit der (gebildeten) alltagspsychologischen Verständigungsrede versteht man gar nichts. Auch rein definitionstechnisch eine Katastrophe! Und das ist schon die 20. Auflage eines Standardwerks! Ich will auf die Einzelheiten des Jargons hier nicht eingehen, sehen Sie sich den Galimathias selbst an! Das soll eine Wissenschaft sein, die man studieren kann?

Der "Fall Paul Ekman" paßt dazu.


Theodor Ickler zu »Festung Europa«
Dieser Kommentar wurde am 09.08.2026 um 04.56 Uhr verfaßt.

„Kulturfremd“ ist das Schlagwort der Stunde. Kulturfremdheit ist erblich. Ist wenigstens ein Elternteil nichtmigrantisch, ist der Nachwuchs halbkulturfremd, kann aber vorerst noch „Baby-Begrüßungsgeld“ empfangen, erst recht natürlich Viertelkulturfremde.


Theodor Ickler zu »Salze uälier ausgefilhn«
Dieser Kommentar wurde am 07.08.2026 um 05.57 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1272#15660

Pater Anselm Grün kommt nach Erlangen und will uns Lebensmut machen. Nach meinen Berechnungen muß er seit meinem letzten Eintrag schon wieder 100 Bücher geschrieben haben.


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