zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Sie sehen die neuesten 12 Kommentare

Nach unten

Durch Anklicken des Themas gelangen Sie zu den jeweiligen Kommentaren.


Theodor Ickler zu »Deixis und Subjektivität«
Dieser Kommentar wurde am 21.11.2018 um 08.26 Uhr verfaßt.

Wir würden uns wundern und auch erschrecken, wenn ein Affe eindeutig auf etwas zeigen würde. Das Zeigen ist die Hälfte eines Sprechaktes, es kommt nur in Aussagen usw. vor.
Beim Greifen ist der Blick auf den Gegenstand gerichtet, beim Zeigen auch auf den Kommunikationspartner (wenn der nicht ohnehin in die richtige Richtung blickt, also wenn ich ihm nachts den Polarstern zeige usw.).
Wenn das Zeigen wie das Referieren vom Wollen abgeleitet ist (beide Begriffe von Intentionalität also zusammenhängen), dann ist das zeigende Wesen zum Handlungsschema fähig (s. zur Naturalisierung der Intentionalität) und damit zur Sprache. Dieser Sprung würde uns das Zeigen des Gorillas so unheimlich machen. Wir würden denken: Der kann ja sprechen!


Theodor Ickler zu »Neues aus dem Rat«
Dieser Kommentar wurde am 21.11.2018 um 06.48 Uhr verfaßt.

„Da sich die 41 Mitglieder des Rechtschreibrats dagegen entschieden haben, derlei Sonderzeichen zu tolerieren, dürften Behörden und auch Universitäten im amtlichen Texten nicht mehr davon Gebrauch machen.“ (Heike Schmoll FAZ 21.11.18)

Das ist nicht richtig, da die Beschlüsse des Rechtschreibrats, selbst wenn die KMK sie billigt, nicht automatisch für Behörden gelten. Das wird sach- und rechtswidrig behauptet, stimmt aber nicht.

Eisenbergs Kritik der Partizipialformen (ebd. zitiert) ist auch nicht ganz richtig. Ein Studierender muß nicht aktuell studieren („Student“ ist schließlich auch ein Partizip), obwohl man bei einem Backenden tatsächlich annehmen dürfte, daß er gerade am Backen ist; weniger zwingend schon bei einem "mit biologischem Getreide und ohne Zusatzstoffe Backenden". Hier muß man schon etwas mehr linguistischen Sachverstand mitbringen. „Ich studiere Medizin“ bedeutet ja auch nicht, daß ich mir keine Pause zum Schlafen und Essen gönnen dürfte.


Theodor Ickler zu »Euphemismen«
Dieser Kommentar wurde am 21.11.2018 um 05.30 Uhr verfaßt.

De mortuis...

Zum Feinsten, was es hier gibt, gehört ein Nachruf der NZZ auf den Philosophen Manfred Riedel:

Manfred Riedels auf die Sprache und zuletzt auf abendländische «Sendungen» hörende Kulturhermeneutik verdankt nicht nur Hans-Georg Gadamer, sondern auch Martin Heidegger manches. Das Echo, das sie gefunden hat, ist in der intellektuellen Landschaft Gesamtdeutschlands schwächer gewesen, als ihr Verkünder sich erhofft haben mag. Am 11. Mai, einen Tag nach seinem dreiundsiebzigsten Geburtstag, ist Manfred Riedel gestorben.

Ich kannte Riedel aus seiner kurzen Marburger Zeit, als er noch sehr jung war. Warum ich seine Lehrveranstaltungen bald wieder aufgegeben habe, weiß ich zwar nicht mehr, aber beim neuerlichen Versuch, seine Texte zu lesen, kann ich es mir denken. Man könnte ja vermuten, sein "Hören auf die Sprache" sei für Linguisten interessant, aber das trifft nicht zu. Es geht eben doch nur um die "akroamatische Dimension der Hermeneutik".



Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 21.11.2018 um 05.10 Uhr verfaßt.

"Nur durch den Zauber bleibt das Leben wach."

So holpert sich Stefan George durch den "Nöck", aber recht hat er. Man soll nicht in Systeme eingreifen, die man nicht verstanden hat. Das gilt für die Rechtschreibung wie für die Bodenflora und -fauna (Glyphosat usw.). Ganz läßt es sich nicht vermeiden, sonst könnten wir nur noch stillsitzen.


Frank Daubner zu »Sieg des Besseren«
Dieser Kommentar wurde am 20.11.2018 um 23.37 Uhr verfaßt.

Bei Steiner in Stuttgart wird man gefragt, ob man "alt" oder "neu" wolle, um das entsprechende (gut funktionierende) Trennprogramm zu verwenden und auch die Werbetexte demgemäß zu schreiben.


Theodor Ickler zu »Sieg des Besseren«
Dieser Kommentar wurde am 20.11.2018 um 19.07 Uhr verfaßt.

Auf ausdrücklichen Wunsch des Autors erscheint dieses Buch in unreformierter Rechtschreibung.

(Bernulf Kanitscheider: Kleine Philosophie der Mathematik. Stuttgart:Hirzel 2017)


Theodor Ickler zu »Grammatische Exerzitien 6«
Dieser Kommentar wurde am 20.11.2018 um 18.29 Uhr verfaßt.

Im Wahlkampf schien es der noch immer jugendlich wirkende, in zweiter Ehe verheiratete Familienvater zu genießen, den Präsidenten zu einer ganzen Reihe Themen herauszufordern. (FAZ 20.11.18)

Das Vorgreifer-es (Korrelat des Infinitivsatzes) steht an einer Stelle, wo der "vorgegriffene" Satz so gut wie gar nicht stehen könnte:

*Im Wahlkampf schien, den Präsidenten zu einer ganzen Reihe Themen herauszufordern, der noch immer jugendlich wirkende, in zweiter Ehe verheiratete Familienvater zu genießen.

Eher möglich, aber auch nicht gut:

Im Wahlkampf schien der noch immer jugendlich wirkende, in zweiter Ehe verheiratete Familienvater den Präsidenten zu einer ganzen Reihe Themen herauszufordern zu genießen.

Das es im Akkusativ ist nicht betonbar, muß sich also in eine Betonungssenke verkriechen. Im Original hängt es sich enklitisch an das Verb an, sogar schien´s wäre möglich. Der Nachteil ist, daß die Konstruktion von genießen schon ziemlich lange vor seinem Auftreten bekannt, das Verb also schon früh ausgewählt sein muß.


R. M. zu »Wulff«
Dieser Kommentar wurde am 20.11.2018 um 18.27 Uhr verfaßt.

Wikipedia ist längst der Pranger.


Manfred Riemer zu »Heilige Texte«
Dieser Kommentar wurde am 20.11.2018 um 17.36 Uhr verfaßt.

Was bedeutet Gleichheit?
Eine philosophische Frage, ich will keine Definition versuchen, aber eines scheint klar: Wie man es auch genau formuliert, die Definition hängt nicht davon ab, was gleichgesetzt wird. Die beiden Erkenntnisse, daß 5=5 und daß 7=7 ist, erfordern nicht zwei verschiedene Anschauungen von Gleichheit.

Ebenso sehe ich es beim Nationalismus. Ob man sich nun über Atheismus, Religion oder Aberglauben identifiziert, es spielt, was den Nationalismus an sich betrifft, keine Rolle. Maßgeblich ist, daß man sich von anderen nur unterscheidet aber sich nicht über sie erhebt.


Theodor Ickler zu »Wulff«
Dieser Kommentar wurde am 20.11.2018 um 16.49 Uhr verfaßt.

Strafbefehl und Fahrverbot für Bettina Wulff (nach "Suff-Crash", wie eine Zeitung schreibt) stehen praktisch ohne Verzögerung auch im Wikipedia-Eintrag. Dagegen läßt sich wohl nichts machen. Am besten, man reißt sich allezeit zusammen; den sozialen Pranger wie in China braucht es gar nicht.


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 20.11.2018 um 16.35 Uhr verfaßt.

Schon mal zitiert (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1029#39160):

„Referenten sind nicht die Objekte in der Welt selbst, sondern die Vorstellungen von solchen Entitäten, die bei der Produktion bzw. Rezeption der Äußerung bei Sprecher und Hörer bestehen.“ (Rainer Dietrich: Modalität im Deutschen. Opladen 1992:18)

Auch wenn man weniger psychologisch redet und etwa sagt: „Die Naturwissenschaften handeln heute nicht mehr von den Dingen selbst, sondern von den Modellen, die wir uns von ihnen machen“ – ist das nicht ganz richtig. Denn sie handeln von den Modellen nur insofern, als sie Modelle von etwas sind, und dies ist eben die Wirklichkeit. Von den Modellen an sich kann man feststellen, ob sie logisch-mathematisch konsistent sind. Das erledigt der Physiker am heimischen Computer, dazu braucht er keinen aufwendigen LIGO-Detektor, um festzustellen, daß es die Gravitationswellen tatsächlich gibt.


Theodor Ickler zu »Geschichte und Wahrheit«
Dieser Kommentar wurde am 20.11.2018 um 16.06 Uhr verfaßt.

Alle drei Tage wird eine Frau von ihrem Partner oder Expartner getötet. Dazu ein Foto (zusammengekrümmte Frau, zwischen den breiten Beinen eines Mannes hindurch fotografiert):

Gewalt gegen Frauen: Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen. (Symbolbild) (Quelle: Maurizio Gambarini/dpa)

Jetzt wissen wir endlich, wie so etwas aussieht.


Die neuesten Kommentare

Zurück zur Übersicht | nach oben


© 2004–2018: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM