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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 03.04.2026 um 06.34 Uhr verfaßt.

Eine ordentliche Mondlandung traut sich heute anscheinend keiner mehr zu. Um so erstaunlicher, daß sie vor über 50 Jahren mit der damaligen Steinzeittechnologie mehrmals gelungen ist. War das der Mut der Ignoranz? Immerhin: Weder auf dem Mond selbst noch in der Umlaufbahn um ihn herum gibt es menschliche Leichen. Die bemannte Raumfahrt hat Tote zu beklagen, aber sie starben bei eher simplen Manövern aufgrund von Materialfehlern, nicht bei der gewagten Mondoperation selbst.
Mir wird das Unfaßbare der technischen Entwicklung erst wieder bewußt, wenn ich den Kindern und Enkeln zu beschreiben versuche, wie wir in der Nachkriegszeit gelebt haben. Über das Kopfsteinpflaster der Kleinstadt rollten nicht nur amerikanische Panzer, sondern auch Pferdefuhrwerke, und mit dem Entfernen der Pferdeäpfel von der Straße habe ich mir etwas Taschengeld verdient. Als Student kaufte ich mir ein gebrauchte Schreibmaschine (80 Mark), eines dieser hohen schwarzen Monster, wie man sie in Filmen der 40er Jahre sieht, mit großem Tastenhub und häufigem Typensalat.
Es soll schon E-Autos mit einer Reichweite von 1.000 km geben, aber auch die Hälfte ist erstaunlich genug. Ebenso: Die Wanduhr läuft mehrere Jahre mit einer Batterie für 30 Cent.
Auf dem fingernagelgroßen Chip sind einige Farbfilme gespeichert. Mein erster PC (Commodore) hatte eine riesige Festplatte von 20 MB, die 5¼-Zoll-Diskette faßte ein paar Hundert KB. Darüber lachen die Kinder heute.


Theodor Ickler zu »Friede sei mit euch!«
Dieser Kommentar wurde am 03.04.2026 um 06.31 Uhr verfaßt.

„Wenn die Dogmen zu Ende gehen“ (Joubert), suchen viele Menschen alternative Formen für ihre „spirituellen“ Bedürfnisse. Viele wenden sich dem Fernen Osten zu. Joga ist am einfachsten zu adaptieren, weil man den unverständlichen ideologischen Überbau weglassen und sich auf die malerischen Asanas beschränken kann. Die buddhistischen Schulen sind aber am weitesten ausgearbeitet. Das „Mind and Life Institute“ im Umkreis des Dalai Lama bietet eine neue Heimat; man trifft bekannte Namen: Eleanor Rosch, Francisco Varela, Owen Flanagan (eigentlich katholisch).
Über den deutschen Logiker W. K. Essler (Stegmüller-Schüler) heißt es zum Beispiel: „Von der altgriechischen Philosophie führte ihn der Weg zu den altindischen Philosophen, zum Ur-buddhismus und zu den vorbuddhistischen Philosophien. Aus dem Verständnis zum Buddhismus ist ihm auch eine besondere Zuneigung zur japanischen Schwertkunst Iaidō erwachsen.“ - Einen ähnlichen Weg haben viele zurückgelegt.
Die vedische (brahmanische) Religion ist nie über den indischen Kulturkreis hinaus verbreitet worden. Der universalistische Buddhismus hat sich vollkommen von der Opferreligion des Volks gelöst und ist auch für heutigen Atheisten weltweit akzeptabel. Man könnte die jüdische Nationalreligion und ihren unversalistischen Sprößling Christentum vergleichen.
Bei uns kann man gerade zu Ostern wieder sehen, daß Religion sich weitgehend in Brauchtum aufgelöst hat. In Zeitungsartikeln und Andachten wird zwar versucht, das „Spirituelle“ wiederzubeleben, aber mit wenig Erfolg. Die Lehre ist wohl zu speziell, um die spirituellen Bedürfnisse einer größeren Population zu befriedigen, daher die Suche nach Alternativen und daher auch deren Wildwuchs.
Wir verstecken also weiterhin Eier, und die Enkel haben ihren Spaß.


Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 03.04.2026 um 06.30 Uhr verfaßt.

Wußten Sie schon, daß wir in einer „Steuerhölle“ und einem „Polizeistaat“ leben, der außerdem völlig ruiniert ist und von Syrern, Afghanen und anderen Exophyten neu besiedelt wird? („Syrischer Ex-Islamist besucht syrische Siedler in Deutschland“)
„Während die Bundesregierung in Kolumbien Kühlschränke verschenkt, sollen hierzulande die Steuern steigen – der Bundesregierung geht das Geld aus. Friedrich Merz verschärft die Repression gegen Bürger, die das kritisieren.“
Nicht zu vergessen die von uns bezahlten Radwege in Peru! Das alles darf man nicht mehr sagen, aber wir sagen es trotzdem!


Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 03.04.2026 um 05.38 Uhr verfaßt.

Nach frühen Untersuchungen, die Heinz Werner zusammenfaßt (Einführung in die Entwicklungspsychologie. Dritte, umgearb. Auflage München 1953:101ff.), ist das eidetische Gedächtnis bei Kindern und Naturvölkern viel ausgeprägter. Da sich die Anatomie nicht unterscheidet, muß das Zurückdrängen dieser Gedächtnisform mit der Rationalisierung des modernen Menschen zusammenhängen: Bevorzugung der begrifflichen statt der bildhaften Wahrnehmung (das wäre noch zu operationalisieren). Eidetische Leistungen lassen sich trainieren, das Verlorene kann also zurückgewonnen werden, was ebenfalls auf Lernen hinweist.
(Werner bringt die kindliche Entwicklung stets mit der kulturgeschichtlich-anthropologischen zusammen, ohne die Unterschiede zu verkennen. Auch bleibt die archaische Schicht im zivilisierten Menschen erhalten und kann bei psychischen Krankheiten wieder stärker zur Geltung kommen.)
Das könnte einerseits die kindliche Überlegenheit bei Spielen wie „Memory“ erklären. Andererseits auch die erstaunliche Fähigkeit der frühen Menschen, tief in finsteren Höhlen realistische Tierbilder an die Wand zu malen.
Hierher könnte auch gehören: Kinder bestehen auf der wortgetreuen Erzählung von Märchen usw., wie sie sie zuerst gehört haben, protestieren gegen Variationen. Auch die mündlichen Überlieferungen der Naturvölker unterscheiden nicht zwischen Wichtigem und Unwichtigem, sondern bestehen auf Treue in allen Einzelheiten (Werner ebd.). Korrekturen können nur vorgenommen werden, wenn man die Erzählung wieder ganz von vorn beginnt.


Erich Virch zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 02.04.2026 um 10.44 Uhr verfaßt.

Aprilscherz, Satire, gewiß. Mit Blick auf die Entblößung, die das Trumpsche Amerika Besuchern aus dem Ausland abzuverlangen plant: Angabe aller Social-Media-Konten der letzten fünf Jahre (Facebook, Instagram etc.), Angabe aller Telefonnummern der letzten fünf Jahre, Angabe aller E-Mail-Adressen der letzten zehn Jahre, detaillierte Angaben zu Familienmitgliedern (Geburtsdaten, Adressen, Kontakte). Bei der Einreise dann vermehrt manuelle Prüfungen, mögliche Durchsuchung von Handys und Laptops. Alles zum Ausschluß von Sicherheitsrisiken, zum Schutz vor Terrorismus, versteht sich.


Theodor Ickler zu »Die Tyrannei des Vermeintlichen«
Dieser Kommentar wurde am 02.04.2026 um 08.14 Uhr verfaßt.

Zu Ulpian (s. Haupteintrag):

„Nach dem Tod des Gatten soll sich die Ehefrau selbst verbrennen.“ (Übungsbeispiel aus Richard Ficks Sanskrit-Lehrbuch 1891)

Aus diesem ausgezeichneten Buch hatte übrigens mein Lehrer, der Indologe Wilhelm Rau, schon als Schüler Sanskrit gelernt.



E-Vollgasfahrer zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 01.04.2026 um 19.17 Uhr verfaßt.

Aprilscherz ? Satire ?


Erich Virch zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 01.04.2026 um 17.07 Uhr verfaßt.

Ich finde es sehr unfair, wie der Präsident der Vereinigten Staaten hier seit Monaten behandelt wird. Wo bleibt die Dankbarkeit? Was soll die Hexenjagd? Fake News, Vorwürfe, hämische Anschuldigungen bis hin zur unverhohlenen Unterstellung, er umgebe sich nur mit Speichelleckern und reagiere auf Äußerungen Andersdenkender rachsüchtig. Das ist lächerlich! Was soll die Kritik? Ich will mich nicht ganz und gar davon freisprechen, aber sollte auch mir schon einmal ein kritischer Ton unterlaufen sein, war das falsch und unfair, und ich schäme ich mich dafür. Ich nehme alles zurück. Und das hat nichts mit meiner anstehenden Amerikareise zu tun.


Wolfram Metz zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 01.04.2026 um 12.21 Uhr verfaßt.

Nachdem die Europäer Trump nach dessen Hilferuf die kalte Schulter gezeigt haben, meint der, er sei gar nicht auf sie angewiesen. Bald wird er erklären, seine »militärische Operation« (warum nicht gleich »Spezialoperation«?) sei ein unglaublicher Erfolg nie dagewesenen Ausmaßes, um dann auf die Frage einer Journalistin, ob es nicht doch eher ein Mißerfolg gewesen sei, den Europäern die Schuld zu geben (natürlich nicht ohne zuvor die Journalistin persönlich beleidigt zu haben). So fügt sich in der Trumpschen Dialektik alles aufs schönste zusammen.


Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 01.04.2026 um 08.18 Uhr verfaßt.

Da Trump sein Kriegsziel nicht definiert hat, kann er jederzeit behaupten, es sei erreicht, und einen halbwegs gesichtswahrenden Rückzug antreten. So erklärt er die Ermordung einiger iranischer Politiker zum "Regimewechsel". Humpty-Dumpty-Semantik.
Um den Kongreß draußen zu halten, der bei einer Kriegserklärung zuständig wäre, behauptet er, es sei kein Krieg, sondern eine militärische Operation, und er spricht auch ganz offen aus, daß es sich um einen Trick handele, prahlt also mit seiner Verachtung der Institutionen.

Zur Lage selbst: Ein Krieg eskalieren, um ihn (siegreich) zu beenden, das hatten wir schon, von den alten Römern bis Vietnam und darüber hinaus. Der einschlägig bekannte Lindsey Graham meint: Wir haben Iwojima geschafft, wir werden auch Iran schaffen – muß sich allerdings daran erinnern lassen, daß Iwojima 26.000 tote und verwundete US-Soldaten kostete. Ähnlich schräg war ja kürzlich Trumps Vergleich seines Überraschungsangriffs mit Pearl Harbor. So wenig Geschichtskenntnis gab es noch nie im Weißen Haus.


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 01.04.2026 um 08.06 Uhr verfaßt.

Ich höre menschliche Rede aus großer Entfernung und verstehe sie, obwohl nachweislich nur Fragmente an mein Ohr gelangen. Ähnlich beim Sehen, wo das Problem oft am blinden Fleck diskutiert wird. Es gibt zwei Erklärungen: Entweder mein Gehör ergänzt die Fragmente zum Ganzen, und dies ist der eigentliche Reiz, auf den ich dann reagiere, oder auf den Teil erfolgt aufgrund von Lernen die gleiche Reaktion wie auf das Ganze, so daß nirgendwo im ganzen Ablauf ein vollständiges Bild auftritt. Ich halte die zweite Erklärung für die richtige.
Die „Bindung“ der verschiedenen Reize, die von der Maus auf die Schlange wirken, geschieht an keiner anderen Stelle als im abschließenden Verschlingen der Maus. Darum sagt man, die Schlange habe „keinen Begriff von der Maus“. (Manche gestehen der Katze zu, einen solchen Begriff zu haben, aber das ist unbegründet und auch unnötig. Für den Menschen stellt sich das Problem seit Hume und Kant, die es aber ohne Rücksicht auf die Physiologie erörtern.)


Theodor Ickler zu »Pädagogik vom Tage«
Dieser Kommentar wurde am 01.04.2026 um 06.55 Uhr verfaßt.

Die Enkelin (4;3) will wissen, ob es den Osterhasen und den Nikolaus wirklich gibt. Sie hat den Süßigkeitenvorrat der Mutter entdeckt, das hat ihr zusätzlich zu denken gegeben. - Was soll man ihr sagen? Richard Dawkins meint bekanntlich sehr rigoros, man müsse den Kindern immer die Wahrheit sagen. Aber im Märchenalter ziehen die Kinder keine so scharfen Grenzen und fühlen sich auch nicht belogen, wenn man ihrer Phantasie Futter gibt. Man könnte sagen: „Es ist nur ein Spiel, eine schöne Geschichte.“ Dafür haben sie durchaus Sinn. Es ist im Grunde die alte Frage: Schadet es ihnen – oder denken wir uns das nur aus? Die Neunjährige weiß natürlich Bescheid, macht das Spiel aber trotzdem mit und hat ihre Freude daran, alles im unklaren zu lassen. Ich habe noch nie gehört, daß Kinder das Vertrauen in ihre Eltern verloren haben, als sie „die Wahrheit über den Osterhasen“ herausfanden.

Dann die Sache mit dem Klapperstorch: Daß die kleinen Geschwister aus dem Bauch der Mutter kommen, wissen die Kinder und nehmen Anteil daran, aber wie kommen sie rein?

Auch die pädagogische und politisch-korrekte Kritik am „Struwwelpeter“ und anderen Texten bezieht sich durchweg auf vorgestellte Wirkungen, nicht auf empirisch nachgewiesene. Keiner der Kritiker gibt an, selbst durch die kritisierten Texte geschädigt worden zu sein. Dieser Widerspruch, den keiner von ihnen zu sehen scheint, war für mich immer das eigentliche Thema.



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