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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Pädagogik vom Tage«
Dieser Kommentar wurde am 18.09.2021 um 09.49 Uhr verfaßt.

Wie vorsichtig man bei Versuchen mit Kindern sein muß, zeigt folgendes Beispiel:

„Welches Wort ist länger, Kuh oder Eidechse? Kinder sagen dann oft Kuh, weil eine Kuh größer ist.“ (Hartmut Günther nach D. Olson in OBST 51:25).


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 18.09.2021 um 03.51 Uhr verfaßt.

Vielen Dank, Herr Metz! Ich hatte so etwas auch schon vermutet. Daß man sozusagen mit der Lupe hinschauen muß, um den Tribut an die PC zu erkennen, bestätigt die Sinnentleerung des Rituals. Es paßt zu "Scholzomat" (obwohl ich sonst nichts gegen den Mann habe).

Wo ich schon beim Politisieren bin oder eher bei der Medienkritik:

Wenn Laschet geraten wird, im letzten Triell polemischer, aggressiver aufzutreten, wäre er damit schlecht beraten. So etwas wirkt immer unsouverän. Die Wähler wollen etwas Staatsmännisches, das sollte doch inzwischen klar geworden sein. Ein Behördenleiter aus der Provinz, der die zarten Fäustchen ballt (oder in Boxhandschuhe steckt...), wäre das Letzte.

Die Medien beklagen die von ihnen selbst erzeugte Zuspitzung auf Personen; das ist so lächerlich wie die Ratlosigkeit angesichts der Tatsache, daß Merkel und nun Scholz so viel Zustimmung finden, obwohl sie doch "keine guten Redner" sind. Fiel mir gerade wieder ein, weil ich zum zweiten- oder drittenmal Wilfried Strohs "Die Macht der Rede" lese, ein Buch, das ich auch gern geschrieben hätte. (Natürlich sind alle Aussagen über die Wirkung rhetorischer Mittel spekulativ.)

Folgerungen der Rhetoriklehrer für die Gegenwart, für die Schule usw. halte ich für problematisch. Merkel und Scholz sind nicht durch Debattierklubs gegangen. Sie folgen eher dem Faustschen Grundsatz: „Es trägt Verstand und rechter Sinn / Mit wenig Kunst sich selber vor.“ Die Folge ist, daß bei ihnen nichts aufgesetzt wirkt. Man kann es „Authentizität“ nennen (was nicht heißt, daß sie immer ehrlich sind...), oder einfach "bei der Sache sein". Die Frage nach der Rhetorik stellt sich nicht, wenn man den durchweg konzentriert vorgetragenen Gedanken folgt. Für die meisten Journalisten ist das natürlich zum Verzweifeln. Sie suchen den Fehler aber nicht bei sich selbst.


Stephan Fleischhauer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 17.09.2021 um 18.17 Uhr verfaßt.

Eben gesehen ...
https://abload.de/img/img_20210917_173739590pj5g.jpg

Ist Giovanni L an der Frage gescheitert, wo man den Genderstern setzen muß? geschicktgendern.de hat auch keinen Rat. An das ursprünglich französische Movierungssuffix wurde wohl noch das deutsche angehängt, ähnlich Äbtissin.


Stephan Fleischhauer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 17.09.2021 um 17.52 Uhr verfaßt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_deutschsprachigen_Einrichtungen,_die_Genderzeichen_nutzen


Theodor Ickler zu »Pädagogik vom Tage«
Dieser Kommentar wurde am 17.09.2021 um 12.04 Uhr verfaßt.

Auch Ihre Scherzfrage wirft das Problem auf, ob und wie Kinder sie verstehen.

Ich beobachte bei der Vierjährigen, daß ihr der Sinn für den Wert von Geld fehlt; sie schätzt geschenkte Münzen höher als Scheine – was sie auch wieder mit gewissen "Wilden" gemein haben könnte.

Ich hatte schon mehrmals darauf hingewiesen, daß der berühmt-berüchtigte "False-belief-Test", eine Grundlage der "kognitiven" Entwicklungspsychologie, "Theory of mind" usw., meistens ebenfalls übergeht, wie die Kinder ihre Aufgabe überhaupt verstehen.


Manfred Riemer zu »Pädagogik vom Tage«
Dieser Kommentar wurde am 17.09.2021 um 09.32 Uhr verfaßt.

Das kommt mir wie eine Variante der alten Scherzfrage vor, was schwerer ist, ein Kilo Stroh oder ein Kilo Eisen.

Solange die Federn aufgehäuft werden können, sind sie immerhin schwerer als Luft. Interessanterweise wiegt ein Kubikmeter Luft, so wie wir sie atmen, mehr als ein Kilo!


Theodor Ickler zu »Pädagogik vom Tage«
Dieser Kommentar wurde am 17.09.2021 um 08.03 Uhr verfaßt.

Man hat Kinder bei uns und auf den Trobriand-Inseln gefragt, „ob man ihrer Meinung nach so viele Vogelfedern aufhäufen könne, daß sie zusammengenommen ebenso schwer sind wie ein großer Metallgegenstand. Die Antwort fällt in beiden Kulturen gleich aus, solange die Welt der Kinder noch nicht durch Erfahrungen im Umgang mit der Waage geprägt ist: Auch noch so viele aufgehäufte Federn machen diese nicht schwerer als Metall.“ (FAS 9.6.02)

Das Problem wie bei Piaget: Was haben die Kinder eigentlich verstanden? Kann man solche Fragen kulturunabhängig stellen? Wie verstehen sie schwer? Der Gewichtsbegriff ist an die Kenntnis der Waage gebunden. Noch Aristoteles hatte einen anderen Begriff von Schwere als wir; die Gravitation im physikalischen Sinn war unbekannt. Schwere Dinge strebten nach ihrem natürlichen Ort: "unten".


Theodor Ickler zu »Kognitivismus«
Dieser Kommentar wurde am 17.09.2021 um 06.12 Uhr verfaßt.

Das Kind hört Sattel, Dattel. Es bildet selbst den Plural: Sättel, Datteln, nicht umgekehrt. Den Schlüssel nimmt es aus dem Kontext: Artikel, andere Kasusformen.

Die konditionierte Reaktion ist zusätzlich konditionalisiert.


Theodor Ickler zu »Haupt- und Nebensachen«
Dieser Kommentar wurde am 17.09.2021 um 06.08 Uhr verfaßt.

Zu Ellipsen:

Benimm dich! Er kann sich nicht benehmen. Hier wird das Wesentliche weggelassen.

Regional sagt man: Sie fühlt sich heute nicht. (Nämlich wohl)

Eine Szene ist stimmungsvoll. Aber um welche Stimmung handelt es sich? Um eine besinnliche. Aber worauf besinnt man sich?

Jemand soll sympathisch sein (z. B. Armin Laschet, wie ich gerade lese) – aber wem? Auch dieser Ausdruck ist relational. (Vielen ist Laschet nicht sympathisch.)


Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 17.09.2021 um 04.17 Uhr verfaßt.

Die Suche nach dem „Prosarhythmus“ kann in Besessenheit ausarten. Wenn man eine so flexible Einheit wie den Päon (Päan) zugrunde legt (Severin Koster u. a.), entdeckt man die kunstvolle Rhythmisierung natürlich überall. Notwendig wäre eine nüchterne Gegenüberstellung mit dem statistischen Zufall, wie Skinner es für Gedichte getan hat: „The alliteration in Shakespeare’s sonnets: a study in literary behavior“. Psychological Record 3 (1939):186. Wiederabgedruckt in „Cumulative record“ (Rev. ed.) (1961), New York: Appleton-Century-Croft. Vgl. Verbal Behavior 246ff.

Bei einer solchen Statistik genügt es nicht, die relative Häufigkeit von Elementen im Wortschatz festzustellen, sondern man muß die sprachenspezifische Phonotaktik und Grammatik einbeziehen, die die syntagmatische Abfolge, also die Übergangswahrscheinlichkeiten einschränken.

Die lateinische Rhetorik sah in der kunstvollen Rhythmisierung ein wirkungsmächtiges künstlerisches Merkmal dichterischer, philosophischer und rednerischer Prosa; sie kam aber über die Vers-analoge Identifizierung einzelner metrischer Gruppen nicht hinaus und hatte keine Möglichkeit, komplexe nicht-lineare Wiederholungsmuster zu identifizieren. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es immer wieder Versuche, dem intuitiv eingängigen Konzept eine analytische Realität zu geben, in der Mehrzahl der Fälle durch das bloße Erfassen der Alternanz betonter und unbetonter Silben. Eine kritische Sichtung des Stands der Forschung (Nolan/Jeon 2014) fand letztlich keine überzeugende Evidenz für koordinierende oder kontrastive Rhythmen von Prosa. Unser Projekt nimmt einen neuen Anlauf, durch Verbindung alter rhetorischer und aktueller linguistischer Theoriebildung mit neuesten Methoden komplexer Mustererkennung dem bislang phantomhaften Konstrukt "Prosarhythmus" eine belastbare Definition zu geben. Dies geschieht durch sowohl Theorie-geleitete wie explorative Arbeit am Konstrukt und parallele Studien zur Prosa einzelner literarischer Autoren.
(https://www.aesthetics.mpg.de/forschung/abteilung-sprache-und-literatur/poetischer-und-rhetorischer-sprachgebrauch/projekte/prosarhythmus.html)

Was man da allenfalls finden könnte, wäre so subtil, daß man zweifeln müßte, ob es überhaupt eine Wirkung auf den Hörer haben kann. Ich halte nur fest, daß der statistische Abgleich in den feinsinnigen Untersuchungen der Altphilologen durchweg fehlt.


Theodor Ickler zu »Zwergewerfen«
Dieser Kommentar wurde am 17.09.2021 um 03.48 Uhr verfaßt.

Rumpelstilzchen:

zwergenhafte Gestalt des Volksmärchens, deren erpresserische Macht über ein mit ihrer Hilfe Königin gewordenes Mädchen nur so lange besteht, bis es ihr ihren Namen nennen kann
(Duden)

"zwergenhaft"?

Es gab auch schon Schneewittchen und die sieben Freunde auf der Bühne.

Das Muster ist immer das gleiche: Während ich einen Menschen durch die Bezeichnung Zwerg kränken kann, ist das bei einem wirklichen Zwerg nicht möglich, erst recht nicht bei einem Zwergpudel usw. Irrationalerweise wird die Benennungsscheu (Tabu) auf das bloße Wort unabhängig von seiner Anwendung ausgedehnt. An diesem Atavismus prallt jede Aufklärung ab. Die Wörterbuchmacher winden sich.


Theodor Ickler zu »Noch Mal«
Dieser Kommentar wurde am 17.09.2021 um 03.37 Uhr verfaßt.

In „Die Macht der Rede“ erwähnt Wilfried Stroh Autoren, die in einem anderen Text vorkommen: ... Kopperschmidt (Letzterer 22 Mal). Das schmerzt die Augen. Besser wäre: letzterer 22mal, und auch den steifen letzteren könnte man noch vermeiden.


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