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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Erich Virch zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 06.10.2026 um 13.13 Uhr verfaßt.

Man könnte Zustände kriegen.


Theodor Ickler zu »Die Tyrannei des Vermeintlichen«
Dieser Kommentar wurde am 06.10.2026 um 13.13 Uhr verfaßt.

Wenn ich die Google-KI frage, ob es Rassen gibt, kommt in schöner Offenheit die ganze Batterie nicht-stichhaltiger Argumente, warum es keine gibt. Es ist zum Fremdschämen primitiv.
Statt den humanen (nichtrassistischen) Umgang mit anderen zu fördern, leugnet man deren Existenz.


Theodor Ickler zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 06.10.2026 um 12.05 Uhr verfaßt.

„A fear of spiders is a mental state that is about spiders.“ (Donovan Hulse)

Können Sie sich unter einem "Zustand über Spinnen" etwas vorstellen? Mir ist es schon rein grammatisch nicht möglich.


Ivan Panchenko zu »Deutsche Wortbildung«
Dieser Kommentar wurde am 06.10.2026 um 11.57 Uhr verfaßt.

Bei «-ig»-Ableitungen von Nomen auf «-sel» scheint das Schwa meist nicht auszufallen («kieselig»; dagegen: «gipflig» oder «gipfelig»), aber immerhin funktioniert «gruslig» (zum Verb «gruseln») mit «sl» – bei mir ist der s-Laut weiterhin stimmhaft (obwohl im Silbenauslaut, da kein Plosiv). Also sollte wohl auch «enteisnen» kein Ding der Unmöglichkeit sein. Vielleicht liegt es daran, daß in erster Linie das Partizip «enteisent» gebraucht wird und dementsprechend der Infinitiv «enteisenen» gebildet wurde statt (wie gewohnt) umgekehrt. Zum Vergleich: Bei «jobben» wird das «b» verdoppelt (entsprechend heißt es «gejobbt»), umgekehrt ist es jedoch hier: «gehandicapt», «versnobt», «verslumt» – «handicapen», «versnoben», «verslumen». (Auch interessant: «vergagt». Vor der Schreibweise «vergaggt» sei gewarnt, weil das in Regionen, in denen oft [ɡ] statt [k] gesprochen wird, auch anders verstanden werden kann …)


Theodor Ickler zu »Festung Europa«
Dieser Kommentar wurde am 06.10.2026 um 04.08 Uhr verfaßt.

Erfundene Sprachen ohne Sprachgemeinschaft sind wie erfundene Organismen ohne Umwelt und Entwicklung: Man muß sehen, was daraus wird, um zu wissen, ob sie möglich sind. Mögliche Sprachen sind wie mögliche Tiere. Die innere Organisation genügt nicht, es muß die Interaktion mit der Welt hinzukommen.

Das gilt jedenfalls für apriorische Plansprachen. Hängt man sich an bereits gesprochene an wie im Falle Esperanto, ist das Funktionieren keine Überraschung.

Man kann auch keine Religion erfinden, ohne sie einer Kultgemeinschaft zu überlassen und dann zu sehen, was sie daraus macht. Die Erfinder (Stifter) und ihre Erben versuchen naturgemäß, das Original zu erhalten, aber das ist eo ipso unmöglich. Ein krasser Fall ist das Christentum, aber auch andere Religionen haben sich bis zur Unkenntlichkeit verändert.


Theodor Ickler zu »Deutsche Wortbildung«
Dieser Kommentar wurde am 06.10.2026 um 03.21 Uhr verfaßt.

Da könnte was dran sein. Jedenfalls das stimmhafte s von Eisen würde an der Silbengrenze stimmlos werden wie in Zusammensetzungen (Ausnahme, Hausnummer), und das wäre eine starke Entstellung, die man vermeiden möchte. Das Eisen soll erkennbar bleiben.


Manfred Riemer zu »Deutsche Wortbildung«
Dieser Kommentar wurde am 06.10.2026 um 01.05 Uhr verfaßt.

schn entfällt natürlich (schnell, Schnee, ...). Bleiben sn und zn als wirklich seltene Kombinationen. Um sn ging es ja eigentlich.


Manfred Riemer zu »Deutsche Wortbildung«
Dieser Kommentar wurde am 05.10.2026 um 22.32 Uhr verfaßt.

Vielleicht doch: verwaschne Rosner (Jeans)
Scheint aber sehr selten zu sein.


Manfred Riemer zu »Deutsche Wortbildung«
Dieser Kommentar wurde am 05.10.2026 um 22.01 Uhr verfaßt.

Ist die vermiedene Synkopierung vielleicht dadurch erklärbar, daß es auch sonst im Deutschen die Lautfolge -sn- nicht gibt, außer in Zusammensetzungen? Mir fällt jedenfalls im Moment kein einfaches Wort mit Zischlaut + n ein.


Theodor Ickler zu »Deutsche Wortbildung«
Dieser Kommentar wurde am 05.10.2026 um 18.11 Uhr verfaßt.

Vielleicht liegt es am Alter der Wortbildungen. Mittelhochdeutsch gab es îsenîn, îsnîn u. a. Formen, aber anscheinend kein Verb. enteisenen ist ganz jung und nicht populär, eher fachsprachlich, so daß es nicht zur Synkopierung gekommen ist. Ich kenne zwar „Das "Schwa mobile" und "Schwa constans" im Deutschen“ von Alexander Issatschenko, habe den Aufsatz aber nicht zur Hand. Wahrscheinlich behandelt er das damals seltene Wort nicht. – Übrigens gibt es einige Belege für enteisnen, Enteisnung.


Ivan Panchenko zu »Deutsche Wortbildung«
Dieser Kommentar wurde am 05.10.2026 um 15.23 Uhr verfaßt.

Von Mineralwasserflaschen kennen wir das Wort «enteisent» (Partizip Perfekt von «enteisenen»). Weiß jemand, warum es nicht «enteisnen» – «enteisnet» heißt (ähnlich wie «bewaffnen» – «bewaffnet»)?

Hierzu wird manchmal erklärt, damit solle eine Verwechslung (hier: mit «enteisen») vermieden werden. Das leuchtet mir bei «heimelig» vs. «heimlich» ein, aber bei Wörtern wie «trocknen» ist der «e»-Ausfall ja sogar obligatorisch.

Alternativer Erklärungsansatz: Bei «-en» als festem Teil eines Nomens wird das «e» nicht getilgt, das ist nicht so wie mit «-el» («zipflig»/«zipfelig»). (Das Verb «zeichnen» ist schon alt und eignet sich daher nicht als Vergleich, und bei «Waffen» ist «-en» sowieso Beugungsendung.) Oder?

Es gibt noch «Vergreisenung» (statt «Vergeisnung»); «Vergreisung» kommt gleichbedeutend vor, aber «Greis» hat noch eine andere Bedeutung. In älteren Texten habe ich «eisenige Säure» gefunden, aber nicht «eisnige Säure».


Erich Virch zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 05.10.2026 um 10.24 Uhr verfaßt.

"Dass Russland den Krieg ohne China nicht lange weiterführen könnte, da sind sich Beobachter sowieso schon lange einig. Oder, wie es Friedrich Merz selbst am Montag in Berlin formuliert: "Wenn Xi Jinping Putin morgen sagen würde, hör das auf, dann muss er übermorgen aufhören." (t-online im Februar) Mich erinnert das ans Sauerland. Ich weiß nicht, ob junge Leute dort heute noch „hör das auf" sagen, aber ich bin damit aufgewachsen. Statt „meinetwegen“ oder gar „wegen mir" sagte man übrigens sehr schön "wegen meiner“.


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