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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Nichts lernen aus Metaphern«
Dieser Kommentar wurde am 25.09.2022 um 05.51 Uhr verfaßt.

Gegen die kognitivistische Metapherntheorie (Lakoff usw.) spricht u. a., wie schon ausgeführt, der rasche Wechsel der Bilder, die sie nie zu einem geschlossenen, gar einer "Theorie" oder "Weltansicht" vergleichbaren Bild zusammenfügen wollen.

Zur Kritik der kognitivistisch gedeuteten Grammatik hatte ich schon angeführt: "er liebt sie" soll eine auf die Frau gerichtete mentale Aktivität ausdrücken, aber das fast gleichbedeutende "sie gefällt ihm" etwas ganz anderes?

Inkosistenz einer anderen Art wäre: "er entleibt sich", und dann liegt er "entseelt" am Boden - was ist denn das für ein Menschenbild!

Weiter: "Mir kommt ein Gedanke, auf den ich noch nie gekommen bin." Kommen die Gedanken zu mir, oder komme ich zu ihnen? Das paßt doch alles nicht zusammen, aber wen stört es?

Die Sprache ist nun mal ein Flickenteppich (patchwork hat Austin es genannt) aus verschiedenen Zeiten und Bereichen und kann nicht einfach inhaltlich ausgedeutet werden.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 23.09.2022 um 16.33 Uhr verfaßt.

Rein grammatisch wird ja gern angeglichen: die Schweiz als Partnerin usw., auch bei Firmen und anderen Größen, damit das Genus in gefälliger Weise zusammenstimmt.

Aber was ist mit dem Staat selbst? Die Staatinnnen (oder Stätinnen) müssen her! Nouripours "Partnerinnenstaat" geht gar nicht.


Manfred Riemer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 23.09.2022 um 13.12 Uhr verfaßt.

Abgesehen von der eigentlichen sprachlichen Funktion des Erstglieds steckt hinter diesem absurden Ausdruck ja das Denken von Staaten als von "Partnerinnen und Partnern". Also etwa die Schweiz und die Slowakei gehören offenbar zu den Staatinnen, Iran, Kongo usw. zu den männlichen Staaten.
Die Tschechei heißt nun Tschechien, ist also nach Nouripour et al. wohl ein Transstaat unter den diversen Staaten.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 23.09.2022 um 03.43 Uhr verfaßt.

Das Erstglied von Komposita hat keine Bezeichnungsfunktion, daher die Absurdität des Genderns: es wird niemandem „Gerechtigkeit“ zuteil, weil niemand erwähnt ist. Darum geht es auch gar nicht mehr, wie Herr Metz sagt, sondern nur noch um „Pfötchengeben“ (und meinerseits um Fremdschämen).


Wolfram Metz zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 23.09.2022 um 01.47 Uhr verfaßt.

Wie machen es denn die Schwester- und Bruderparteien der Grünen? Wobei man mit »Bruderpartei« vielleicht vorsichtig sein sollte. Obwohl ... kommt eh nicht drauf an, der gute Wille zählt.


Manfred Riemer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 23.09.2022 um 01.07 Uhr verfaßt.

"Und das machen wir in der Bundesregierung, so wie es andere Partnerinnen- und Partnerstaaten auch machen."
(Omid Nouripour, Grüne, gestern im Bundestag, nachzuhören z. B. im ZDF, "heute journal")




Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 22.09.2022 um 07.08 Uhr verfaßt.

„Warum meiden Menschen Informationen, die nicht zu ihrer Weltsicht passen? Lange nahmen Psychologen an, dass solche Fakten eben das Selbstbild bedrohen. Tatsächlich scheint es aber an Überheblichkeit und Zorn zu liegen.“ (Sebastian Herrmann in SZ 22.9.22, über Untersuchungen von Julia Minson u.a.)

Das eine ist so unwissenschaftlich wie das andere. Minson spricht von „affective perspective-taking“ und sieht offenbar kein Bedürfnis, solche folkpsychologischen Metaphern in Verhaltensbegriffe zu übersetzen. Man kann natürlich auch die Wald-und-Wiesen-Psychologie „experimentell“ bestätigen. Und das an der Harvard-Universität, wo einst Skinner die Standards setzte! Eine weitere halbe Seite Unsinn in der Süddeutschen Zeitung.


Wolfram Metz zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 21.09.2022 um 21.10 Uhr verfaßt.

Wenn es um das russische Militär geht, sind sich alle erstaunlich einig, es wird durchweg von »Soldaten« und jetzt von »Reservisten« gesprochen. Selbst die sonst so verbissen sternchengendernde taz schreibt: »Laut einem nun aktuell gewordenen Gesetz „Über die Mobilmachung in Russland“ darf kein Russe im wehrpflichtigen Alten [!] seinen Wohnort verlassen. Auch Reservisten, die im Militärregister erfasst sind, ist das Entfernen von ihrem Wohnort verboten. Allerdings weisen russische Anwälte darauf hin, dass die Wehrpflichtigen und die Reservisten von der Einberufungsbehörde schriftlich benachrichtigt werden.« (https://taz.de/Putins-Teilmobilisierung/!5879728/) Auch in Berlin weiß man also noch, wie das in Ungnade gefallene generische Maskulinum funktioniert. Oder werden etwa doch nur Männer eingezogen? Offenbar nicht, denn später spricht der Artikel von »Reservist*innen« und »Ärzt*innen«, die Vorladungen bekommen. Und so weiter und so fort, es ist und bleibt ein einziger großer Krampf.

Trennprogramme scheinen sich derweil von den Störzeichen nicht beirren zu lassen und behandeln die scheinbar geschlechtsneutralen Formen als das, was sie sind, nämlich Feminina:

»Nach Putins Ankündigung wissen nun selbst hohe Beam-
t*innen nicht, was zu tun ist.«


Theodor Ickler zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 21.09.2022 um 18.40 Uhr verfaßt.

„Dass der Krieg begonnen wurde, ist ein Fehler der Russen. Das habe ich immer gesagt.“ (Schröder laut WELT 21.9.22)

Ein Fehler ist unklug, aber nicht verwerflich. Die Russen hätten es anders anstellen sollen, sich die Ukraine anzueignen. „Das ist mehr als ein Verbrechen, das ist ein Fehler.“ (Joseph Fouché) So denkt der wahre Politiker.


Manfred Riemer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 21.09.2022 um 11.00 Uhr verfaßt.

Außerdem (es fehlt in dieser Aufzählung noch) nennt er Joan W. Scott als Historiker.


Manfred Riemer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 21.09.2022 um 10.47 Uhr verfaßt.

Derselbe Autor schreibt im selben Artikel generisch von einem Vorsitzenden, von Vertretern, Sklaven, Puristen, weiblichen Kriegern und fünfmal von Historikern!
(Zitate, die er von anderen Personen bringt, nicht mitgerechnet)


Chr. Schaefer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 21.09.2022 um 01.02 Uhr verfaßt.

Der Albernheit sind offenbar keine Grenzen gesetzt: "Doktorierende" statt "Doktoranden". (https://www.faz.net/aktuell/wissen/geist-soziales/streit-im-amerikanischen-historikerverband-18294630.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2)


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