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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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24.12.2015
 

Grammatische Exerzitien 12
Thema und Rhema, Funktionale Satzperspektive und Verwandtes

Der Satzakzent als Kontrastmarkierung


Unter „Thema und Rhema“, „Funktionale Satzperspektive“, "Informationsstruktur“, „Kommunikative Dynamik“, „Topic - Comment“ und weiteren Schlagworten diskutiert man einige Erscheinungen, die hauptsächlich durch die sprachlichen Mittel von Reihenfolge und Betonung verwirklicht werden; auch lexikalische Mittel (Hyponymie, Hyperonymie, Pronominalisierung) und syntaktische (Spaltsätze) tragen dazu bei, sollen hier aber außer Betracht bleiben.

Worum es geht, zeigt eine anekdotische Überlieferung, die amerikanische Sprachwissenschaftler zur Erklärung des Satzakzents herangezogen haben. In Radio und Fernsehen sollen folgende Meldungen gelaufen sein:

Truman died.
Johnson died.


Präsident Truman war schon lange krank und daher im Gespräch gewesen, und nun war er gestorben.
Präsident Johnsons Tod kam überraschend. Gestorben wird immer, das ist bekannt, aber nun war es Johnson, den es erwischt hatte.

Dazu gibt es eine hübsche Illustration aus einem neueren Roman:

‘Fairbrother’s dead?’ roared Howard. The inflection implied that he had been expecting some dramatic change in the status of Barry Fairbrother, but that even he had not anticipated actual death. (J. K. Rowling: The Sudden Vacancy)

Allerdings ist der Satz über Johnson nicht eindeutig, denn er kann auf zwei verschiedene Fragen antworten:
1.Wer ist gestorben?
2.Was ist geschehen?
Das gilt auch für Verbalkomplexe mit anderen Kasusergänzungen:
Ich habe meine Uhr verloren
1.Was hast du verloren?
2.Was ist (dir) passiert?
Die kontrastive Hervorhebung des Elements, das das Verb spezifiziert, ist also nicht von der Hervorhebung des gesamten Verbalkomplexes zu unterscheiden.
Bei
Ich habe meine Uhr verloren
muß schon vorher von der Uhr die Rede gewesen sein.
Ist nur jede solche Hervorhebung kontrastiv? Ich nehme das an (mit Dwight Bolinger, dagegen Wallace Chafe) und unterscheide nur nach den jeweiligen Kontrastpartnern.
Die allgemeinste Kontrastbildung ist die zwischen Laut und Stille, etwas spezifischer zwischen Sprechen und Schweigen.
Roland Harweg unterscheidet eine paradigmatisch kontrastive Betonung von einer syntagmatisch kontrastiven Betonung. Die erstere liegt vor, wenn etwas gegen die alternativen Ausdrücke abgehoben werden soll, die an seiner Stelle hätten stehen können:

Fritz hat gestern fünf Mark gefunden (und nicht etwa Pfennige oder Vogeleier)

(Wieder wäre die Zweideutigkeit der Äußerung zu berücksichtigen. Die speziellere Kontrastierung mit Pfennigen oder Vogeleiern setzt wohl doch voraus, daß in Kontext oder Situation schon solche Vergleichsgrößen gegeben sind. Das „Paradigma“ wird unterderhand eingeschränkt.)

Von syntagmatischer Kontrastivität wäre dagegen dann zu sprechen, wenn der alternative Ausdruck im Text selbst ebenfalls gegeben ist (wobei natürlich auch eine Gegebenheit durch die Situation vorliegen kann):

Fritz hat gestern fünf Mark gefunden (und nicht etwa Otto).

Hier muß ein anderer zuvor erwähnt worden sein.

Man kann diesen Unterschied m.E. auch mit den Begriffen der Gestaltpsychologie fassen: einerseits wird ein Ausdruck als "Figur" gegen einen "Grund" abgesetzt, andererseits eine Figur gegen eine andere Figur.

Will jemand sich bemerkbar machen, kann er irgendein Geräusch von sich geben, und wenn er zu artikulierten Wörtern greift, ist die Wortwahl fast gleichgültig, obwohl es verständlicherweise gewisse Konventionen gibt (hallo usw.).
In fortlaufender Rede erregen relativ stärker betonte Stellen die unwillkürliche Aufmerksamkeit. Diese wahrnehmungsphysiologische Tatsache nutzt der Sprecher, um das Neue vom Bekannten abzuheben, sei es etwas zuvor Erwähntes oder etwas aus anderen Quellen Bekanntes. Es gehört auch zu den Gesetzen der unwillkürlichen Aufmerksamkeit, daß Anfang und Ende einer Ereigniskette besonders auffallen und daher auch gut in Erinnerung bleiben, der Anfang, weil noch nichts vorhergegangen ist, das Ende, weil es nicht durch Nachfolgendes verdeckt wird. Erich Drach hat Anfang und Ende des deutschen Satzes als Ausdrucks- und Eindrucksstelle bezeichnet, sofern der Anfang nicht einfach zur Fortführung benutzt wird.

Es können mehrere Elemente gleichzeitig als neu markiert sein:

Zwei Chinesen sind auf dem Mars gelandet.

Diese Mehrgipfligleit kommt in Nachrichtentext sehr oft vor, gerade weil sie kontextfrei sind; fast alles Erwähnte wird gleichzeitig neu eingeführt.

Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen.
Wo die Auswahl ein Segen wäre, ist die Vollständigkeit ein Fluch. (FAZ 3.2.84)
In der enger werdenden Welt ist der Ruf nach Freiheit schwächer, der Ruf nach Sicherheit größer geworden. (Hans Maier: Die Grundrechte des Menschen im modernen Staat. Osnabrück 1973:52)

Mehrfache spezifische Kontrastierung:
Tee muß ziehen, Kaffee darf sich setzen. (Antwort auf die Scherzfrage Was ist vornehmer, Kaffee oder Tee?)

Eine gewisse Schwierigkeit bereiten Sätze wie
Der Bus kommt!
Da kommt der Bus!

- geäußert an einer Haltestelle, wo alle auf den Bus warten, der Bus also gemeinsames Thema ist und das Kommen neu und erwähnenswert. Der Wert einer solchen Äußerung ist nicht viel anders als mit einem selbstverständlich unbetonten Pronomen:
Da kommt er!
Endlich kommt er!

Man hat solche Äußerungen als „thetisch“ ausgezeichnet, mit einem Ausdruck aus der Logik und Sprachphilosophie.

Im Garten ist ein Mensch.
Im Garten ist jemand.


Aus einer Sammlung von Kinderwitzen entnehme ich einen Scherz, der nur schriftlich funktioniert:

Morgens im Zoo. „Papa, warum macht denn der Geier so ein dämliches Gesicht?“ - „Weil noch kein Aas da ist.“

Wird Aas betont, bedeutet es Futter und ist rhematisch. Unbetont ist es wie das Indefinitum niemand gebraucht; die Metapher soll etwas Unbeträchtliches ausdrücken, wie etwa auch kein Schwein.

Meine Wäsche ist schmutzig.

Ohne besonderen Kontext geäußert, erinnert der Satz an die Wäsche, also etwa wie: Übrigens, die Wäsche!, und mit Wäsche läßt sich kaum etwas anderes verbinden, als daß sie gewaschen werden muß.
Nicht leicht zu erklären sind betonte Präpositionen; ich unterscheide zwei Typen:
Auf dem Tisch war eine Schachtel, und in der Schachtel lag ein Schlüssel.
Hier wird der Teil mit dem Ganzen kontrastiert. Ähnlich:
Er zahlt Kirchensteuer, obwohl er gar nicht in die Kirche geht.
Der zweite Typ, der besonders Politikern zugeschrieben wird:

Dann wären wir auf die Franzosen, auf die Italiener, auf die Spanier verwiesen.
das Recht auf Erziehung, auf Ernährung, auf medizinische Versorgung...


Diese betonten Präpositionen sind an Aufzählungen gebunden und wirken wie eine Numerierung, also wie betontes erstens, zweitens usw.



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Kommentare zu »Grammatische Exerzitien 12«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.01.2016 um 15.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31215

Der Brand war entstanden

Das ist nach Walter Flämig (Grammatik des Deutschen 160) unvollständig, daher sei eine Adverbialbestimmung notwendig.

Ein Brand war entstanden

sei dagegen vollständig.

Ich halte das für falsch. Bei Ein Brand war entstanden wird der Brand ("thetisch") eingeführt, daher mit dem unbestimmten Artikel versehen und betont. In einen geeigneten Kontext, wo der Brand bereits eingeführt ist, kann man von ihm aussagen, daß er entstanden sei:

Es half nichts: Der Brand war entstanden.

Entsprechend wird das Prädikat betont. Das hat nichts mit Vollständigkeit zu tun.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.01.2016 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31176

Lieber Prof. Ickler,

wenn ich vielleicht eine kleine sprachliche Korrektur anbringen darf:

Ich bin nicht auf das fragliche Beispiel "zurückgekommen", sondern ich habe nur die Tatsache erwähnt, daß dieses Beispiel Ausgangspunkt der gesamten Debatte war.
 
 

Kommentar von Serjosha Heudtlaß, verfaßt am 04.01.2016 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31144

Die Verwirrung entsteht meiner Meinung nach doch nur durch die Unmöglichkeit, die komplette vorerwähnte, präsupponierte, den Dialogpartnern präsente Kontextinformation zu den Einsatzbeispielen in toto angeben zu können. Aber eben sie bedingt ja die Thema-Rhema-Scheidung, deren Betonungsausdruck so quasi sekundär ist.
Edda Weigand (ZGL 7, 1979, S. 182) definiert Thema/Rhema dementsprechend als „Klassifikation der semantisch-pragmatischen Unterscheidung von alter und neuer Information [...], die konsistent nur als Präsupposition im Sprechakt zu verstehen ist''.

In einer Situation, in der man sich also zum Beispiel über Präsident X austauscht, ohne über dessen Ableben bescheid zu wissen, ist ohne weiteres denkbar, daß jemand mit dem Satz hinzutritt "But didn't you know / haven't you heard: President x *died*!"

Alternativ kann man im aussagentheoretischen Sinne Satzgegenstand und Satzaussage unterscheiden. Aber auch das ist schwierig zu operationalisieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2016 um 06.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31124

Das hatte ich ja versucht, indem ich vorschlug, die zweifelhaften englischen Beispiele beiseite zu lassen (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31100), aber Sie, lieber Herr Achenbach, sind gleich wieder darauf zurückgekommen. Im übrigen scheint mir die Diskussion nicht so verkorkst zu sein, ich konnte bisher ganz gut folgen. Es haben sich auch die beiden erwartbaren Probleme herausgeschält: das Fehlen von mündlichen Belegen und die Subjektivität beim Ausdenken von Kontexten mit passender Betonung. Beides ist in solchen Diskussionen nichts Neues.

Aber wenn wir, wie es scheint, im Augenblick nicht weiterkommen, können wir die Sache gern ein bißchen ruhen lassen und auf neue Anstöße warten. Eine Anregung wäre, aus dem Hörfunk neue Beispiele beizubringen. Vielleicht kommt heute unter "Sonntags um elf" (Bayern 5, mein Küchenradio) etwas, die Nachrichtensprache ist weniger geeignet, weil wir dann wieder diese unnatürliche Schlagzeilenumgebung haben.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 02.01.2016 um 15.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31118

Die Peripetien dieser Debatte sind schon erstaunlich.

Angefangen hatte alles mit dem Beispiel "Truman died". Die Betonung wurde damit begründet, daß Truman schon lange krank gewesen war. Inzwischen sagt Herr Markner, daß die Betonung "X ist gestorben" seltsam sei. Und Prof. Ickler sagt, daß es nicht darauf ankomme, wie alt B. B. King war, und empfiehlt, das Beispiel mit Truman "ganz beiseite zu lassen".

Wäre es vielleicht am besten, die ganze bisherige Debatte beiseite zu lassen und von vorne anzufangen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2016 um 13.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31117

Es fehlt uns, wie immer bei mündlicher Rede, an Belegen.

Hier noch ein Puzzle:

Meine Wäsche ist schmutzig
Deine Nase ist rot
Mein kleiner Zeh ist eingeschlafen
*Mein kleiner Zeh ist vergoldet


Im letzten Satz muß das Prädikat (ebenfalls) betont werden, weil es nichts bezeichnet, was normalerweise mit Zehen passiert.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.01.2016 um 11.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31116

X ist gestorben auf gestorben zu betonen wirkt seltsam, anders hingegen bei X ist verreckt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2016 um 04.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31112

Die Unterscheidung von thetischen und kategorischen Aussagen wird auf Anton Marty zurückgeführt. Die thetischen Urteile "setzen" ein Subjekt, die kategorischen qualifizieren es, grob gesagt. Gute kritische Diskussion bei dem Romanisten Reinhard Meyer-Hermann: „Über thetische und kategorische Äußerungen im Spanischen (Ha muerto Franco vs. Franco ha muerto)“ (vorläufige Fassung herunterladbar).

Es kommt nicht darauf an, wie alt B. B. King und Johnson waren; aber ich wollte auch gerade mal weg von den amerikanischen Präsidenten und ein neues Beispiel erörtern. In B. B. King ist gestorben könnte ich gestorben nur dann betonen, wenn zuvor von dem Mann die Rede gewesen ist, z. B. wenn meine Frau ihn am Abend vorher erwähnt hätte. Ob auch das Subjekt noch einen Akzent bekommt, hängt von verschiedenen Umständen ab. Muß ich den Mann neu thematisieren, oder ist er meiner Zuhörerin noch präsent? Gibt es einen Grund, ihn zu kontrastieren? ("Was B. B. King betrifft, der ist gestorben.")
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 01.01.2016 um 16.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31107

Man kann natürlich viele Kontexte herstellen und damit jede beliebige Betonung begründen. Ich bezog mich aber auf einen ganz bestimmten Zusammenhang, nämlich den von Frau Rowling beschriebenen.

Die Betonung von B. B. King in dem beschriebenen Zusammenhang kommt mir wenig überraschend vor. Zeitungen enthalten häufig mehrere Meldungen über den Tod mehr oder weniger bekannter Menschen. Stirbt darunter jemand, an dem man eine besonderes Interesse hat, liegt es doch nahe, dessen Namen besonders hervorzuheben (das ähnelt etwas dem von Herrn Markner beschriebenen Kontext).

Es mag hinzukommen, daß B. B. King fast 90 Jahre alt war, als er starb, sein Tod also nichts überraschendes hatte. Lyndon B. Johnson war dagegen nicht einmal 65 bei seinem Tod.

N.B. Was sind eigentlich „thetische“ Verben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2016 um 07.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31100

So ist es. Wenn wir den leidigen Truman endgültig beiseite lassen (weil der fiktionale Charakter des Beispiels nur von der grammatischen Sache ablenkt), dann ist bemerkenswert, daß das Subjekt betont wird, auch ohne bestimmten Kontrast.

Meine Frau will morgens von mir wissen, was es Neues gibt, denn ich lese die Zeitung zuerst. Im Laufe des vergangenen Jahres habe ich ihr bestimmt einmal gesagt: B. B. King ist gestorben.
Hätte der Alte eine neue Single herausgebracht, dann hätte ich bestimmt nicht nur das Subjekt betont, sondern das Prädikat oder beides. Das scheint eine Besonderheit der "thetischen" Verben zu sein.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.12.2015 um 21.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31099

Gar nicht, weil das erste Beispiel eben erfunden ist. Aber man kann natürlich leicht einen Kontext herstellen, in dem Fairbrother's dead? auf dem Eigennamen betont wird, beispielsweise in einer Kriegssituation, wo viele Leute in kurzer Frist sterben und die Nachfrage darauf abzielt klarzustellen, wer denn nun gestorben ist.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 31.12.2015 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31097

Truman died

Hier wird died betont, weil Trumans Tod erwartet wurde.

"Fairbrother's dead?"

Hier wird dead betont, weil Fairbrothers Tod nicht erwartet wurde.

Wie paßt das zusammen?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.12.2015 um 20.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31076

Ulkigerweise ist das Beispiel aus dem Roman wirklichkeitsgetreu, das Beispiel aus dem Fachtext hingegen nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2015 um 20.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31075

Lieber Herr Achenbach, natürlich ändert sich etwas, aber nur in bezug auf den durch Herrn Markner in Erinnerung gerufenen Stil amerikanischer Schlagzeilen, nicht hinsichtlich der Betonung, auf die es mir eigentlich ankam. Und was man "selbstverständlich" oder "völlig aus der Luft gegriffen" finden muß, ist vielleicht auch nicht jedem sofort klar. Frau Rowling zum Beispiel fand es einen Kommentar wert, und sie hat dabei eine Beobachtung gemacht, die mit dem übereinstimmt, was Linguisten wie Schmerling, Cutler und viele andere sagen wollten, wenn auch mit einem etwas unglücklichen Beispiel. Hörbelege muß man ja auf Treu und Glauben annehmen, aber wie gesagt: darum ging es ja gar nicht.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 29.12.2015 um 19.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31072

Ich bezog mich auf die angeblichen Schlagzeilen. Wenn es sich nicht um Schlagzeilen handelt, so ändert das natürlich einiges. In der Quelle ist auch leider nicht zu erkennen, wie sich die Betonungen genau unterscheiden, und wie Frau Schmerling "informiert" wurde.

Das Beispiel aus Rowlings Buch steht offenbar in einem ganz bestimmten Gesprächszusammenhang und ist doch selbstverständlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2015 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31071

Na und?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.12.2015 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31069

Man würde erwarten, daß die Information, wenn der Todesfall kurz zuvor erfolgt ist, mündlich wie folgt weitergegeben wird:
Johnson's dead oder
Johnson's died.
Es mag aber natürlich sein, daß man in irgendwelchen tiefen Appalachentälern nur im Simple Past miteinander kommuniziert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2015 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31068

Das fragwürdige Beispiel (von Susan Schmerling 1976) ist in der Literatur sehr oft aufgegriffen worden, z. B. von Büring (http://semanticsarchive.net/Archive/GQ0YjgxM/buring.information.structure.v2005.pdf), dort wieder als „news headline“, ohne daß irgend jemandem eingefallen wäre, es zu kritisieren, auch nicht in Rezensionen. Dies nur zu meiner Entlastung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2015 um 16.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31067

Roosevelt dies, nun wieder als Schlagzeile hier.

Warum der Betonungsunterschied "völlig aus der Luft gegriffen" sein soll, verstehe ich nicht, immerhin wird er ja von J. K. Rowling in dem literarischen Beispiel so konstruiert und gedeutet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2015 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31066

Dazu kann ich leider nichts sagen, will nur meine unmittelbare Quelle angeben:

http://pubman.mpdl.mpg.de/pubman/item/escidoc:69883:6/component/escidoc:69908/Cutler_1980_the+production.pdf

Allerdings handelt es sich, wie ich nun sehe, nicht um Schlagzeilen; ich hatte die Sache irgendwie nur so im Gedächtnis.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 29.12.2015 um 14.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31064

Nicht nur sind die Formulierungen erfunden, auch die angeblich unterschiedliche Betonung ist völlig aus der Luft gegriffen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.12.2015 um 09.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31060

Als Schlagzeile normalerweise Johnson dies at 64. Wäre bei einem Präsidenten aber zu undramatisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2015 um 04.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31055

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31021

Der Einwand gegen die Beispiele ist berechtigt, ich hatte im Augenblick gar nicht daran gedacht, daß die amerikanischen Linguisten sie erfunden haben könnten (bei den deutschen fällt es mir ja oft genug auf). Belegt ist so etwas wie Johnson dies in Zeitungen; allerdings kann ich aus der Ferne nicht sagen, was in den mündlichen Medien vorkommt und was nicht.

Vielleicht stößt jemand in TV oder Radio mal auf schöne Beispiele?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.12.2015 um 23.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31035

Da haben Sie wohl recht, der Gedanke, daß z. B. die Phonologie auch zur Grammatik gerechnet wird, erschien mir so fremd, daß ich vorhin gar nicht erst nachgeschlagen habe. Danke für den Hinweis.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.12.2015 um 23.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31033

Hier scheint ein etymologisch bedingtes Mißverständnis von »Grammatik« vorzuliegen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.12.2015 um 21.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31032

Je nach Aussage und Wichtigkeit werden manche Wörter im Satz besonders betont, es ist sicher interessant zu untersuchen, was jeweils genau die Ursache ist und welche Mehrdeutigkeiten es dabei gibt. Aber was hat das mit Grammatik zu tun? Die Reihenfolge im Satz ist auch ein Mittel der Hervorhebung, manchmal auch zusätzlich zur Betonung. Aber von der Reihenfolge ist hier nur am Rande die Rede, eigentlich geht es in allen Beispielen nur um Betonung. Daher bleibt meine Frage: Was hat die Betonung eines bestimmten Wortes wirklich mit Grammatik zu tun? Ich sehe nicht, daß die Betonung an bestimmte Satzglieder oder an eine bestimmte Satzstruktur gebunden ist.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.12.2015 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31030

Hervorzuheben wäre also vielmehr: 'government of the people, by the people, for the people'.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 26.12.2015 um 16.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31028

Zum "zweite[n] Typ, der besonders Politikern zugeschrieben wird", ein großer Staatsmann: "and that government of the *people*, by the *people*, for the *people*, shall not perish from the earth." (Hervorhebung schon im Original)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.12.2015 um 10.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31027

Je mehr Silben, desto besser eignet sich ein Wort zur Kontrastmarkierung. Fritz hat gestern fünf Mark gefunden unterscheidet sich nicht stark vom Normalakzent. Fritz hat gestern fünfundzwanzigtausend Mark gefunden läßt sich hingegen sehr dramatisch aussprechen. Schriftliches Äquivalent: Fritz hat gestern fünfundzwanzigtausend (!!) Mark gefunden. Die Sperrung, die heute nur noch wenig Verwendung findet, entspricht geradezu der gedehnten Aussprache.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.12.2015 um 10.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1649#31021

Truman/Johnson died: erfundene Belege, da es als Nachricht immer heißen müßte: President X has died oder als Schlagzeile: X dead.
 
 

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