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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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18.03.2015
 

"Nach so vielen Jahren"
Die Reform tritt sich fest – ungefestigt

Eine Stelle, die das Elend der Reform – auch als intellektuelles Debakel – beispielhaft offenlegt, habe ich zufällig gefunden:

http://canoo.net/blog/2014/06/20/die-habermannsche-frage-und-die-boppsche-antwort/



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Kommentare zu »"Nach so vielen Jahren"«
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Kommentar von Gert Redlich, verfaßt am 30.09.2017 um 13.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1631#36394

Ich habe von Anfang an die Verdummungs-Philosphie der neuen deutschen Rechtschreib-"Reform" als Unsinn deklariert und auf meinen ca. 22.000 Museenseiten nach wie vor und auch in Zukunft die alten Rechschreib-Regeln benutzt. Das Runterschrauben von Standards ist keine Lösung, das Bildungsniveau in Deutschland zu halten oder gar zu verbessern. Es sinkt und sinkt und sinkt.
Wenn das die Ingenieure in der Technik genauso machen würden, wären wir in Deutschland schon lange pleite und würden griechische Zuschüsse benötigen.
Fehler können immer mal vorkommen, aber was heutzutage in den Tageszeitungen zu lesen oder im Fernsehen zu hören ist, ist leider hahnebüchen.

Probieren Sie mal
www.fernsehmuseum.info
www.tonbandmuseum.info
www.hifimuseum.de
 
 

Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 25.03.2015 um 09.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1631#28397

Roman Pliske, der jugendliche Geschäftsführer des Mitteldeutschen Verlags, ließ mich zwei Bücher schreiben, "Mozarts letzte Ruhe" und "Wiener Unterwelten". Er bestand auf reformierte Rechtschreibung.

Ich änderte die beiden Autorenverträge dahingehend ab, daß es dem Verfasser obliegt, sich für diese oder jene Rechtschreibung zu entscheiden. Herr Pliske unterschrieb beide – aber ungelesen. Hinterher war er außer sich darüber, daß ich ihn "auf kriminelle Weise" hintergangen hätte.

Ich sprach mit dem Inhaber dieses Verlags, einem Drucker namens Schütze vom Druckhaus Halle. Herr Schütze erinnerte Herrn Pliske an die Einhaltung geschlossener Verträge. Die Bücher erschienen in klassischer Rechtschreibung.

Herr Pliske hielt sich allerdings für so schlau, den Ladenpreis auf die drei- oder vierfache Höhe zu setzen. Jetzt werden von den Büchern pro Jahr 2-3 Stück verkauft, und viel mehr hat Herr Pliske wahrscheinlich gar nicht drucken lassen.

Das sind die Methoden, mit denen Autoren auf Kurs gezwungen werden. In meinem Fall ist das auch deshalb sehr bedenklich, weil es einer erheblichen wirtschaftlichen Schädigung gleichkommt, wenn man ein halbes Jahr intensiv für zwei Bücher arbeitet, die sich dann praktisch nicht verkaufen, weil der Verleger das selbst sabotiert.

Ich kann jeden Buchverfasser verstehen, der auf neue Rechtschreibung einschwenkt, weil er solchen Methoden nichts entgegensetzen kann. Ich kann auch jeden Autoren solcher Verlage verstehen, der sich aus Frust das Leben nimmt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2015 um 04.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1631#28357

Warum hat sich zum Beispiel bei der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung so gut wie nie jemand für die Sprache interessiert, die sie doch in ihrem Namen trägt? (Um 1980 hat sie auf Anregung Harald Weinrichs ein Dreijahresprojekt über Sprachnormen in Angriff genommen, an dem ich in verschiedener Hinsicht beteiligt war. Das Desinteresse des Literatenclubs war mit Händen zu greifen.)
Warum sollte man sich querulantisch der Vermarktung seiner Produkte entgegenstellen? In Deutschland bringt das keinen Ruhm, es wird nicht einmal wahrgenommen.
(Ich muß mir an die eigene Brust schlagen: ich lese ja all die Genannten auch nicht.)
 
 

Kommentar von Georg Hilscher, verfaßt am 21.03.2015 um 11.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1631#28356

Ja, "nach so vielen Jahren" ist kein gutes Argument für irgendwas. Aber man kann sich als Freund der alten Rechtschreibung schon langsam einsam fühlen. 22 Autorinnen und Autoren haben 2006 den Aufruf "Die Sprache kennt keine Kompromisse" unterzeichnet, in dem es heißt: "Wir jedenfalls werden unsere Bücher weiter in der Schreibweise drucken lassen, die wir für richtig halten." (Zu finden unter: http://www.sok.ch/files/Stirnemann_Kritische_Ausgabe_2-07_Wer_schweigt.pdf , dritte Seite.) Von diesen 22 haben inzwischen 15 auf die neue Rechtschreibung umgestellt (in Klammern habe ich immer das jeweils älteste Werk in neuer Rechtschreibung angegeben, das ich finden konnte): Lukas Bärfuss (Hundert Tage, 2008), Klaus Böldl (Der nächtliche Lehrer, 2010), Ralf Bönt (Die Entdeckung des Lichts, 2009), Ulrike Draesner (Spiele, 2007), Julia Franck (Die Mittagsfrau, 2007), Ines Geipel (No Limit, 2008), Judith Hermann (Aller Liebe Anfang, 2014), Daniel Kehlmann (F, 2013), Björn Kuhligk (Bodenpersonal, 2010), Norbert Niemann (Die Einzigen, 2014), Thomas Palzer (Nachtwärts, 2014), Antje Rávic Strubel (Sturz der Tage in die Nacht, 2011), Lutz Seiler (Kruso, 2014), Tim Staffel (Jesús und Muhammed, 2008), Feridun Zaimoglu (Ruß, 2011). Was ist passiert?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.03.2015 um 23.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1631#28334

Unverschämt, den Namen des großen Sprachwissenschaftlers Franz Bopp für solche Absonderungen zu mißbrauchen.
 
 

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