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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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10.03.2011
 

Umfragen II
Untaugliche Methode

Wahrscheinlich haben Sie sich auch schon darüber geärgert: Man wird ständig eingeladen, irgendwo abzustimmen, aber die Antworten lauten nicht einfach Ja/Nein, sondern enthalten auch noch eine Begründung, die man in vielen Fällen gar nicht für die richtige hält.
Es sind also eigentlich zwei Antworten in eine zusammengeschoben:

Ist der Rücktritt von zu Guttenberg richtig?
– Ja, nach den Vorwürfen ist er nicht länger glaubwürdig.
– Nein, die Doktorarbeit hat nichts mit Guttenbergs Arbeit als Minister zu tun.



Ist es gerecht, dass alle die gleiche GEZ-Pauschale zahlen sollen?
– Nein, ist es nicht. Jeder sollte für das zahlen, was er auch wirklich benutzt.
– Ja, ist es. Radio, TV und Internet hat doch sowieso jeder Haushalt.
– Gerecht ist die Regelung nicht – aber ich zahle gerne, um weiterhin qualitativ hochwertiges Fernseh- und Radioprogramm geboten zu bekommen.


(Die letzte Antwort ist besonders tückisch, weil sie suggeriert, daß man im Verneinungsfall an "qualitativ hochwertigem Fernseh- und Radioprogramm", wie es angeblich bisher geboten wird, nicht interessiert ist.)



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Kommentare zu »Umfragen II«
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Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 25.11.2017 um 01.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37098

Richtig. Allerdings ging es mir nicht um diese konkrete Frage, sondern um die Wirkung solcher Schlagzeilen überhaupt. Man liest: »Ein Drittel der Deutschen denkt dieses oder jenes«, die eigentliche Botschaft lautet aber: »Derart viele Deutsche denken dieses oder jenes, daß man daraus unausweichlich Konsequenzen ziehen muß«. In diese Kategorie fallen auch Meldungen der Art »Jedes fünfte Kind in Deutschland hat schon einmal einen Sonnenbrand gehabt«, die mich als Leser alarmieren sollen. Wenn ich nachrechne, komme ich aber darauf, daß 80 Prozent der Kinder offenbar noch nie einen Sonnenbrand hatten. Das kann mich nicht beunruhigen, sondern ich bin, im Gegenteil, eher überrascht, daß nicht viel mehr Kinder betroffen sind.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.11.2017 um 23.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37097

Zwei Drittel sind nicht ausdrücklich für Neuwahlen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.11.2017 um 22.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37096

Zwei Drittel sind also gegen Neuwahlen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2017 um 16.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37095

Umfrage: Ein Drittel der Deutschen ist für Neuwahlen. Würde man sie etwa 5 Minuten über den Sinn von Wahlen belehren, wären es wahrscheinlich viel weniger.

Dazu paßt folgendes:

SPD-Chef Martin Schulz hat die Gesprächsbereitschaft seiner Partei über eine Regierungsbildung bekräftigt. "In einem dramatischen Appell hat der Bundespräsident die Parteien zu Gesprächen aufgerufen. Dem werden wir uns nicht verweigern", schrieb Schulz bei Twitter.
"Sollten diese dazu führen, dass wir uns in welcher Form auch immer an einer Regierungsbildung beteiligen, werden die SPD-Mitglieder darüber abstimmen", schrieb Schulz weiter.
(Tagesspiegel 24.11.17)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2017 um 07.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37076

Ich habe übrigens FDP gewählt. Geht zwar keinen was an, aber weil es mir selbst so gleichgültig (und nur aus bayerischen Verhältnissen verständlich) ist, kann ích es ja sagen. (Eigentlich wollte ich erstmals gar nicht wählen, aber ein Ohnemichel möchte ich auch nicht sein, schon wegen der Kinder.)

SPD-Chef Martin Schulz hält es für unverschämt, dass die CDU-Vorsitzende Angela Merkel für den Fall von Neuwahlen schon wieder ihre Kanzlerkandidatur erklärt hat. (focus.de 21.11.17)
Er selbst verkündet ungefragt, daß er Kanzler einer SPD-geführten künftigen Regierung werden will, auf keinen Fall aber Minister in einem Kabinett Merkel.
Ich kann verstehen, daß die SPD mit solchen und zahllosen ähnlichen Äußerungen ihres Verlegenheitsvorsitzenden nicht glücklich ist. Meiner Einschätzung nach wird die SPD sich von Schulz befreien und Nahles auf den Schild heben. Sie könnte es auch mit Schwesig oder einer anderen Person aus dem Länder-Reservoir versuchen, aber das wäre wieder so ein unberechenbares Risiko. Nahles war nie besonders beliebt, hat aber an Statur gewonnen, so daß auch der einstige Müntefering-Flügel sie mit zusammengebissenen Zähnen hinnehmen würde. (Zur Rechtschreibreform würde sie sich wahrscheinlich auch nicht mehr so naiv äußern wie damals.)
Inzwischen liest man mehr Kommentare des Inhalts, daß eine Partei nicht gewählt wird, damit sie NICHT regiert. Sie hatte ja auch nicht angekündigt: „Wir wollen Oppositionspartei sein, darum wählt uns!“, sondern im Gegenteil ein Programm fürs Regieren vorgelegt, und Schulz sah sich schon als Kanzler, evtl. mit einer Ministerin Merkel (auch wenn es ein Witz sein sollte).
Gestern feierte die FAZ (Wirtschaft) „Merkels Niederlage“ und Lindners Prinzipienfestigkeit. Heute interviewt sie Lindner wie schon so oft und versucht sich in Verständnis für dessen Entscheidung, die sie mit Unreife entschuldigt, übt aber auch schon Kritik daran, daß sich alle Parteien außer den Grünen an den „Spielfeldrand“ stellen, und mahnt mit Steinmeier zu mehr Verantwortungsbewußtsein. Die Polemik gegen Merkel (wie seit 12 Jahren) wird natürlich fortgesetzt, auch mit fremden Federn. Irritierenderweise eilt die wirtschaftliche Entwicklung von einem Erfolg zum nächsten. Die Untergangspropheten werden ungeduldig. Wir schaffen das? Wir schaffen uns ab! Wirtschaftswachstum? Ein Strohfeuer! Usw. War die Verwirrung je größer? Die Grünen geben sich patriotisch und familienfreundlich, die CSU ist dagegen oder so ähnlich. Milieus haben sich aufgelöst, Stammwählerschaften ebenso. Fehlt bloß noch ein charismatischer Führer, dann schießt alles zusammen wie die Eisenfeilspäne...
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 20.11.2017 um 21.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37058

Christian Lindner ist ja nun auch weg, diesmal wohl für immer.

Was ist denn das für eine Voraussage? Es war doch Christian Lindner fast im Alleingang, der die klinisch tote FDP wiederbelebt und in den Bundestag zurückgeführt hat, mit Verdoppelung der Zweitstimmen, und das trotz einer Zunahme der politischen Konkurrenz (AfD). Und Lindner genießt nahezu einhelliges Ansehen unter den Anhängern seiner Partei, im Gegensatz zu allen anderen Parteichefs.

Der Verweis auf einen vorigen Text, der Lindner als prinzipienloses, undefinierbares Etwas hinstellt, ist auch nicht gerade ein passender Kommentar zum Tagesgeschehen. Gerade Lindner präsentiert sich als prinzipienfest und aufrichtig. Die Heuchelei der anderen Jamaika-Bewerber über die angeblich unmittelbar bevorstehende glorreiche Einigung, die allein an der FDP gescheitert sei, ist hingegen schwer zu überbieten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2017 um 15.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37055

Christian Lindner ist ja nun auch weg, diesmal wohl für immer (vgl. schon hier: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1021#34956).

Unser Verhältnis zur FDP ist ziemlich zwiespältig. Ich zitiere nur weniges, was die Jüngeren nicht mehr wissen dürften:

Auf Einladung des FDP-Vorsitzenden Wolfgang Gerhardt zur Vorbereitung auf die Sitzung des Deutschen Bundestages über die Rechtschreibreform am 26. März 1998 reisten Theodor Ickler (Lehrerinitiative), Werner H. Veith (Mainzer Hochschullehrer-Initiative) und Manfred Riebe (Lehrerinitiative und VRS) am 6. Februar 1998 gemeinsam zu einem Gespräch über die Rechtschreibreform nach Bonn und hielten ihm Vortrag über die Problematik. Gerhardt, ehemals Präsident der Kultusministerkonferenz, beklagte dabei, dass es in Deutschland bisher keine ähnliche Institution wie die Académie Française gebe, die die „Eleganz der Schriftsprache“ gegen solche „Pickel im Gesicht“ schütze. (Wikipedia)

Mit Detlef Kleinert MdB (verstorben) saß unsere kleine Gruppe einen ganzen Abend im Bundestagsrestaurant zusammen: er war ein entschiedener Gegner der Rechtschreibreform. (Hans Joachim Meyer spielte in seiner berüchtigten Bundestagsrede auf Kleinerts Alkoholproblem an.)

Bundestag: Expertengespräch zur Rechtschreibreform
 
Die FDP-Bundestagsfraktion veranstaltet am 23. Februar im Deutschen Bundestag in Berlin ein öffentliches Expertengespräch zur Rechtschreibreform. Damit will die FDP Informationen über die Arbeit des Rates für deutsche Rechtschreibung gewinnen, über dessen Auftrag und Handlungsspielraum diskutieren und Alternativen zu dem bestehenden Reformkonzept erörtern. An der Diskussionsveranstaltung nehmen unter anderen teil: Dr. h. c. Hans Zehetmair, Staatsminister a. D. und Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung, und Prof. Dr. Theodor Ickler, Sprachwissenschaftler an der Universität Erlangen-Nürnberg. Hans-Joachim Otto, kultur- und medienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, leitet die Diskussion.


(Die Veranstaltung fiel aus, weil Zehetmair einen Schnupfen bekam; ich selbst machte in Leipzig kehrt und fuhr nach Hause.)

Einmal war ich zu einer Bezirksversammlung der fränkischen FDP eingeladen und referierte über die Rechtschreibreform, und auch sonst waren FDP-Leute eigentlich immer dagegen, ohne sich aber zu Taten aufraffen zu können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2017 um 10.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37052

Besonders absurd ist heute die Umfrage der Rheinischen Post:

Finden Sie es richtig, dass die FDP die Verhandlungen abgebrochen hat?
- Ja, wenn es keine ausreichende gemeinsame Basis gab
- Nein, die FDP hätte weiter verhandeln müssen


Trotzdem stimmen die Leser ab.

(Interessant dürfte sein, wie sich die FAZ von ihrem Liebling verabschieden wird.)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.10.2017 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#36597

»Sie haben 8 von 10 Punkten. "Aisk goud!", würde der Saterfriese sagen: Sie kennen sich in Niedersachsen aus! Ob Wanderwege, Festivals oder Grützwurst – Sie wissen, was Deutschlands zweitgrößtes Bundesland zu bieten hat.« (SPIEGEL ONLINE)

Zu dumm nur, daß ausgerechnet die beiden Quizfragen, die ich falsch beantwortet hatte, die über Wanderwege und Festivals waren. Der geschwätzige Nachsatz führt die ganze Auswertung ad absurdum.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 19.09.2017 um 09.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#36235

Die Angabe "95 Prozent und mehr" für AfD-Sympathisanten bzw. Merkelhasser in Internet-Äußerungen ist übertrieben. In welchen Foren ergibt sich dieses Bild? Ich habe eher den Eindruck, daß Wutbürger ("Wir brauchen dringend die AfD") und politisch Korrekte ("AfD sind Nazis, die AfD ist eine Schande") mit ungefähr gleichem Gewicht auftreten.

Internet haben zwar heute die meisten, aber nur ein kleiner Teil davon füllt ständig die Foren mit politischen Statements. Die meisten äußern sich nicht oder nur selten, zum Beispiel weil sie keine Zeit haben oder weil ihnen die Zeit dafür zu schade ist oder weil sie den aggressiven Hickhack in den Foren abstoßend finden. Wer sind überhaupt diese Leute, die ständig politische Meinungen im Internet abgeben? Das wäre zu fragen. Jedenfalls ist diese Gruppe nicht repräsentativ.

Aus dem Meinungsbild im Internet kann man deshalb nicht viel ableiten. Die Frage nach der Diskrepanz wäre doch eher so zu stellen: Top-Thema für die Wähler ist der Komplex Flüchtlinge/Migration, Islamisierung und Terror. Die meisten sehen hier Gefahren für Deutschland oder jedenfalls eine verfehlte Einwanderungspolitik. Ausgehend von diesen Bewertungen müßte sich eine viel größere Zustimmung zur AfD ergeben als "nur" rund 10 Prozent laut den Umfragen. Warum stehen jene Parteien insgesamt mit großem Übergewicht da, deren Politik im gefühlt wichtigsten Bereich von einem großen Teil der Bevölkerung abgelehnt wird?

Die Medien mit ihrer ständigen Abwertung der AfD ("Nazi-Partei", "radikal" usw.) spielen sicherlich eine Rolle. Aber die Diskrepanz zwischen Sorge/Kritik/Empörung im Bereich Flüchtlingspolitik und Wahlverhalten bleibt dennoch rätselhaft. Warum sind zum Beispiel die FPÖ in Österreich oder der Front National in Frankreich doppelt bis dreimal so stark wie die AfD in Deutschland? Teilweise ist natürlich auch das erklärbar: Alter der jeweiligen Parteien, Präsenz ihrer Vertreter in den Medien, Nazi-Vergangenheit Deutschlands.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2017 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#36234

Nach den Leserzuschriften im Internet zu urteilen, liegt die AfD etwa bei 95 Prozent, die Zahl der Merkelhasser ist noch größer. Die krasse Abweichung von Umfragewerten und erst recht vom erwartbaren Wahlergebnis ist erklärungsbedürftig. Gibt es einen Ausdruck für die Umkehrung der "Schweigespirale"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.09.2017 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#36119

Insgesamt glauben laut einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" 82 Prozent, dass sich das TV-Duell der Bundeskanzlerin und ihres SPD-Herausforderers auf den Ausgang der Wahl auswirken wird.
Man kann die Schraube der selbstreferentiellen Umfragen noch weiter treiben. Die Inszenierung eines Medienereignisses als Medienereignis usw. Das Schüren der Erwartung einer ganz großen Sache nimmt groteske Ausmaße an, ist ja auch viel leichter als politische Analyse. Ich habe den Eindruck, daß die beteiligten Journalisten und "Moderatoren" allesamt keine großen Leuchten sind. Das spiegelt sich bis in die Auswahl der "Experten", deren unmaßgebliche Meinung sie ständig einholen. Ich werde mir das "Duell" wohl mal ansehen, das wird dann zu meinem Kontingent von 5 Fernsehstunden pro Jahr gehören, aber ich habe eine gewisse Scheu davor, weil ich das Fremdschämen fürchte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.08.2017 um 10.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#36061

Das wöchentliche Auf und Ab der Umfrageergebnisse wäre, wenn man es ernst nähme, ein schlagendes Argument zugunsten der Demokratiekritiker. "Wenn nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre" – dann würde eine Augenblicksstimmung siegen, und das abschätzige Wort von der "Stimmungsdemokratie" wäre zutreffend. Man könnte sich etwas trösten mit der Vermutung, daß Umfragen nicht dasselbe sind wie Wahlen, die vielleicht auch schlimme, aber jedenfalls stabilere Tendenzen siegen lassen. Volksabstimmungen liegen irgendwo dazwischen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.08.2017 um 13.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35948

Bei der jüngsten Umfrage sollten die Leute ankreuzen, wie sie die "Arbeit" der Politiker beurteilen. Aber kann man die Regierungsarbeit einer Kanzlerin mit der schwer defnierbaren Tätigkeit eines frischgebackenen Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten vergleichen, der vom ersten Tage an Wahlkampf machen mußte und noch nicht einmal Gelegenheit hatte, wirklich als Parteivorsitzender zu arbeiten, d. h. seine Partei zu führen und ihr eine Richtung vorzugeben? Noch dazu, wo er in der Bundespolitik ein Fremder ist und kein Amt hat. Ich jedenfalls würde zurückfragen: Welche Arbeit? Man könnte eher von Anstrengung sprechen.
Das zeigt noch einmal, wie schief diese ganze Umfragerei ist. Eigentlich eine Persiflage der empirischen Sozialforschung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.08.2017 um 04.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35941

Das finde ich alles richtig. Mir ging es in diesem Fall um die schiefe Darstellung, als könne Schulz die Annahme des Bundestagsmandats davon abhängig machen, ob er Kanzler wird – als wäre das eine Alternative.

Die Behauptung, er wolle Kanzler werden, kam mir im Munde von Martin Schulz immer etwas unglaubwürdig vor. Ich hatte immer den Eindruck, daß er am liebsten in "Europa" geblieben wäre. Er wirkt auf mich wie ein Moderator, nicht wie jemand, der Partei-Führerschaft oder gar Richtlinien-Kompetenz ausüben könnte. Man vergleicht ja unwillkürlich mit Schröder.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.08.2017 um 23.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35940

Richtig ist jedenfalls der Hinweis, daß frühere Kanzlerkandidaten in einer ähnlich aussichtslosen Lage die Frage, was sie im Falle einer Wahlniederlage zu tun gedächten, gebetsmühlenartig damit beantwortet haben, daß sie sich mit dieser Frage gar nicht beschäftigten, weil sie von früh bis spät für ihren Wahlsieg arbeiteten usw. Vor diesem Hintergrund kann die Erwähnung einer Selbstverständlichkeit durchaus als Ausweis von Realismus gewertet werden, denn es geht hier nicht um die Selbstverständlichkeit als solche, sondern darum, dass sie überhaupt ausgesprochen wird. Ein Politprofi mit dem unbedingten Willen, Kanzler zu werden, beantwortet Fragen nach dem Bundestagsmandat nicht so brav, wie Schulz es jetzt getan hat. Deshalb würde ich sogar noch weiter gehen als Krauel und nicht nur von neuem Realismus sprechen (von »sympathisch« schon gar nicht), sondern aus den Antworten Schulz‘ den Schluß ziehen, daß er sich mit seiner Wahlniederlage schon abgefunden hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2017 um 12.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35938

Es zeichnet Martin Schulz aus, dass er auf die Frage, ob das alles noch Sinn habe, nicht in Phrasen verfällt. Ein Leser der Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland wollte von ihm zwar nur wissen, ob er das Bundestagsmandat annehme, falls es für das Kanzleramt nicht reiche. Schulz hätte sagen können: „Die Frage stellt sich nicht. Ich werde Bundeskanzler.“
Stattdessen aber sagte er: „Ja, klar. Also, ich bewerbe mich um ein Mandat im Deutschen Bundestag.“ Und wenn der ihn zum Kanzler wähle, „habe ich mein Wahlziel erreicht. Aber zunächst einmal bewerbe ich mich um ein Mandat im deutschen Parlament.“
(Torsten Krauel, Welt 9.8.17)

Krauel bejubelt hier etwas als neuen "Realismus", was selbstverständlich ist. Im September wird der Bundestag gewählt, nicht der Bundeskanzler. Schulz ist Spitzenkandidat und wird im Bundestag sitzen, wenn der Bundeskanzler gewählt wird. Schafft er es nicht zum Kanzler, kann er sein Mandat immer noch aufgeben, was allerdings etwas seltsam wäre.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2017 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35937

Sämtliche Zeitungen bringen unkritisch die Ergebnisse der neuesten Umfragen zur Beliebtheit der Parteien usw., ohne sich um Standardabweichungen und andere Störfaktoren zu kümmern:

SPD gewinnt hinzu und durchkreuzt damit die Pläne der Union

Merkel büßt Zustimmung ein, Pluspunkt für die SPD


Und viele folgern auch: "Wenn morgen Wahlen wären..." – dabei ist doch bekannt, daß die Leute bei Wahlen nicht dasselbe tun wie bei Umfragen. Daß ein Pünktchen mehr oder weniger "die Pläne der Union durchkreuzt", saugt sich die Zeitung aus den Fingern. Anscheinend weiß man nicht, was man in den öden Wochen bis zur Wahl noch schreiben soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2017 um 15.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35866

Die Deutschen lehnen ja auch die Massentierhaltung ab, vertilgen aber 235 Eier und 70 kg Fleisch jährlich. Hätte ich in Mathe besser aufgepaßt, könnte ich das mit 82 Mill. multiplizieren.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.08.2017 um 12.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35864

Anscheinend gilt es als unanständig, sich über sinkenden Brennstoffverbrauch für die Heizung und damit für sinkenden CO2-Ausstoß zu freuen und sich über steigenden Feinstaub-Ausstoß durch nachwachsende Brennstoffe wie Holz zu beklagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2017 um 10.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35863

Die größte Sorge der Deutschen ist einer neuen Untersuchung zufolge der Klimawandel. In einer Umfrage des Instituts Kantar Emnid im Auftrag der Funke Mediengruppe gaben 71 Prozent der Befragten an, die Veränderung des Weltklimas bereite ihnen persönlich besonders große Sorgen. (n-tv.de 1.8.17)

Das glaube ich nicht. Die Leute sagen das zwar, weil es ihnen von den Medien als Thema Nr. 1 eingeredet worden ist, aber in Wirklichkeit denken sie die ganze Woche nicht an den Klimawandel. Darum hat diese vermeintliche "Sorge" auch keinen Einfluß auf ihr Verhalten.

Die meisten Sorgen machen sich meine lieben Mitmenschen um ihre Gesundheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2017 um 03.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35801

Die Bertelsmann-Stiftung, die auch für diesen neuen Unsinn verantwortlich ist, hat den Begriff "Populismus" so definiert, daß herauskommt: Die AfD ist die populistischste Partei Deutschlands. Welche Überraschung!

(Der verantwortliche Bertelsmann-"Demokratieexperte" Robert Vehrkamp, Heinrich-Böll-Stiftung, kennt offenbar nur Rechtspopulismus, vgl. http://www.juraforum.de/wissenschaft/populistische-einstellungen-sind-bei-deutschen-waehlern-nicht-mehrheitsfaehig-599223).)
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 25.07.2017 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35799

Wie es kommt, daß das Wort populistisch einen so negativen Beigeschmack hat, erklärt Hans Magnus Enzensberger in vier Worten: "Volk? Lästig! Stört nur!"

https://www.youtube.com/watch?v=53kK_AIqsJQ - 4:19
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2017 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35793

Nachtrag:

Neue Studie: 30 Prozent der Wähler haben populistische Ansichten

Herrje! Bald ist noch das ganze Volk populistisch!

Oder die eine Hälfte ist populistisch, die andere ist meiner Ansicht...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2017 um 05.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35792

Mit einem Fragenkatalog haben Forscher herauszufinden versucht, wie populistisch die Deutschen sind. Andere Fragen hätten vermutlich andere Ergebnisse gebracht. Obwohl zugegeben wird, daß der Begriff "Populismus" unscharf ist (in Wirklichkeit gar nicht operationalisierbar – eben selbst ein populistischer Kampfbegriff), arbeitet man damit und kommt wunschgemäß in die Medien.
Ein Bericht darüber in der "Welt" sieht die AfD als Wahlhelfer der Union, während die AfD selbst Martin Schulz lobt, weil er im Gegensatz zur bisherigen SPD-Politik härter gegen Flüchtlinge usw. usf. – das Durcheinander der Stimmen geht mir wie ein Mühlrad im Kopf herum, und ich werde aufatmen, wenn wenigstens der Wahlkampf-Unsinn vorbei ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2017 um 08.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35642

Was jemand laut Sonntagsfrage wählen würde, wenn nächsten Sonntag Wahlen wären, hat wohl nur ein ungefähre Beziehung zu dem, was er wirklich wählen würde, wenn am nächsten Sonntag Wahlen wären. Es wird zwar berichtet, daß der Abstand zwischen den großen Parteien sich von Tag zu Tag um mehrere Prozentpunkte ändert, aber ist das realistisch? Mir scheint, daß bei der Beantwortung der Sonntagsfrage noch andere Motive (z. B. augenblicklicher Ärger usw.) mitspielen als bei der wirklichen Wahlentscheidung. Die Theoretiker der "Stimmungsdemokratie" übersehen da vielleicht etwas.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2017 um 07.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34992

Eine weitere wertlose Umfrage:

"Im Wahlkampf geben Angela Merkel und Martin Schulz die großen Konkurrenten. Dabei wäre es den meisten Deutschen offenbar am liebsten, wenn beide gemeinsam regierten."

Das geben die ohnehin fragwürdigen Daten gar nicht her. Dann folgt noch dieses Stückchen:

"Auf große Ablehnung trifft dagegen die AfD: 59,7 Prozent der Deutschen sind dagegen, dass die Partei in den Bundestag kommt. Einen Einzug in das Parlament wünschen sich lediglich 17,6 Prozent."

So kann man es auch sagen. Aber gesetzt, die Zahlen träfen zu: Hat je eine Partei aus dem Stand einen so kometenhaften Aufstieg hingekriegt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2017 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34894

Allensbach hat im Auftrag der FAS herausgefunden, daß 46% der Deutschen im wirtschaftlichen Wachstum Chinas eine Gefahr für Deutschland sehen. (16.4.17)

Nur 36% der Deutschen glauben, daß Quantenmechanik und Allgemeine Relativitätstheorie innerhalb der nächsten zehn Jahre vereinigt werden.

(Das habe ich erfunden.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2017 um 16.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34814

Laut Forsa fällt die SPD weit hinter die Union zurück, laut Insa überholt die SPD die Union - alles am selben Tag.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2017 um 04.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34729

Die WELT läßt uns abstimmen:

„Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht derzeit, ein vernünftiges Fundament für eine Arbeitsebene mit dem impulsiven US-Präsidenten Donald Trump zu legen. Was meinen Sie, ist das der richtige Kurs?“

Soviel Interpretation schon in der Frage! Kann ich für Unvernunft stimmen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2017 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34470

Laut Umfrage glauben die meisten Deutschen nicht, daß ihre Begeisterung für Schulz anhält... Es wird immer subtiler.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2017 um 07.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34453

Unermüdlich ermittelt Allensbach im Auftrage der FAZ den Volkswillen. Zwei Drittel der Deutschen möchten, daß der deutsche Staat die Übernahme deutscher Unternehmen durch Chinesen verhindere. Wissen die Leute, worum es geht? Wissen sie, wie viele Unternehmen in ausländischem Besitz sind? Sollen auch deutsche Unternehmen an Auslandsinvestitionen gehindert werden? Und warum nur Chinesen?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.01.2017 um 12.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34356

Allensbach zufolge wird Hillary Clinton heute als Präsidentin vereidigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.01.2017 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34355

Die FAZ hat Allensbach herausfinden lassen, daß die Mehrheit der Deutschen glaubt, Trump werde als Präsident etwas gemäßigter agieren als im Wahlkampf. (19.1.17)

So gibt es immer was zu tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2016 um 06.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#33354

Drei Viertel der Deutschen finden, dass deutsche Kultur "Leitkultur" sein sollte.

(Allensbach/FAZ 22.9.16)

Auch so eine Meinung, die erst durch die Meinungsumfrage entsteht. Nicht gesagt und nicht gefragt wurde, was "Leitkultur" bedeutet, aber das macht nichts.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.09.2016 um 23.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#33301

53 Prozent der AfD-Sympathisanten sind der Ansicht, man solle Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken, wenn Arbeitsplätze in Deutschland knapp würden.
(FAZ, 12.9.16, S. 8 über eine Umfrage von Infratest-Dimap im Frühjahr 2016)

Sollte Infratest-Dimap wirklich eine so niederträchtige Frage gestellt haben? Man fragt nicht einfach, ob Einwanderer zurückgeschickt werden sollen, sondern man unterstellt der möglichen Zustimmung zugleich niedere Beweggründe, eine egoistische, mitleidlose Einstellung?

Was soll der durchschnittliche AfD-Sympathisant, der der Meinung ist, Asylanten sollten zurückkehren, sobald der Krieg in ihrer Heimat vorbei ist, darauf antworten? Zurückschicken ja, aber doch nicht aus diesem Grund. Also nein? Da wird er wohl denken, letztlich spielt der Arbeitsmarkt dafür gar keine Rolle, Hauptsache „Deutschland wird Deutschland bleiben – mit allem, was uns daran lieb und teuer ist", also antwortet er "ja".

Und dann kommen Infratest-Dimap und FAZ usw. und schlachten das genüßlich aus: AfD, das sind die, die aus Angst um Arbeitsplätze Flüchtlinge in den sicheren Tod zurückschicken. So macht man Umfragen, so macht man Meinungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2016 um 06.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#31198

Jeden Tag Umfragen. Das scheint die billigste Art zu sein, Schlagzeilen und weitere Zeilen zu produzieren.
Jeder dritte Deutsche will Menschenmengen meiden usw.
Mit der Beliebtheit von Politikern (die von einem Tag zum anderen, von einem Medium zum anderen stark schwankt) kann man wiederum Politik machen. Auch zu allen einzelnen Maßnahmen, ja schon Verlautbarungen werden Umfragewerte eingeholt. Das geht von der BILD bis zur FAZ (d. h. Allensbach).
Die einzige wirkliche Umfrage ist aber dann die nächste Wahl.
(Daß jeder dritte Menschenmengen meiden will, heißt nicht, daß er sie wirklich meidet. Es heißt eigentlich überhaupt nichts und hätte aus der Nachrichtenlage auch ohne Umfrage abgeleitet werden können.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.07.2015 um 04.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#29530

„Deutschlands Ruf hat im vergangenen Jahr gelitten. Das hat eine Umfrage des „Reputation Instituts“ ergeben. Nicht nur in Sachen Ansehen stellten andere Nationen die Bundesrepublik in den Schatten. (...) Nicht nur in Sachen guter Ruf steht Deutschland hinten an. Auch in Sachen Fröhlichkeit schneidet die BRD schlecht ab und landet lediglich auf Platz 26. Vor Deutschland liegen unter anderem Mexiko und die Vereinigten Arabischen Emirate.“ (Focus 21.7.15)
So viele „Sachen“!

(Übrigens liegt Südkorea weit hinter Peru und Brasilien. Die Fröhlichkeit der Mexikaner ist leicht zu erklären: Jeden Morgen freuen sie sich, daß sie noch am Leben sind. Und die Araber, weil Gastarbeiter die ganze Arbeit tun. – Erstaunlich, wie kritiklos die Medien solchen Unsinn weiterverbreiten, nur weil die Quelle sich „Institut“ nennt. Ich kenne Ein-Mann-Institute, deren Pressemitteilungen selbstredend von dpa aufgegriffen werden.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.12.2014 um 22.45 Uhr  
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Das Holländerviertel im Zentrum von Potsdam war in der DDR genauso heruntergekommen, grau und unauffällig wie das ganze Land. Heute ist es eine Augenweide, und wir ehemaligen Insassen des Staatsgefängnisses DDR begreifen kaum, wie so etwas Schönes so lange dahindämmern und fast kaputtgehen konnte. Da wohnte natürlich kein Holländer mehr, wie es heute ist, weiß ich nicht, aber zumindest gibt es sicher irgendwelche Fördervereine. Jedenfalls fand am vergangenen Wochenende dort ein Sinterklaas-Fest statt, und tagelang wurde über den Zwarten Piet diskutiert. Das Dritte von Brandenburg (rbb) veranstaltete auf seiner Internetseite eine Umfrage:

Was halten Sie vom "Zwarten Piet"?

- Der "Zwarte Piet" ist eine rassistische Karrikatur und passt nicht mehr in unsere Zeit.

- Der "Zwarte Piet" ist eine schöne Tradition und sollte erhalten werden.

Das fragt man nun Deutsche. Mir ist doch dieser Schwarze Peter völlig egal, ehrlich gesagt, finde ich ihn ziemlich komisch, das hat für mich nichts mit Weihnachten zu tun. Aber wenn für die Holländer sowas zu Ihrer Tradition gehört, habe ich auch nichts dagegen, daß sie das eben so feiern. Wie so oft gehen die Fragen mal wieder völlig daneben. Ich könnte keiner dieser Fragen guten Gewissens zustimmen.

Der rbb hat das Ergebnis im Fernsehen genannt: 5% für die erste, 95% für die zweite Antwort. Man wundert sich, woher immer diese PC-Verrückten kommen. Vertreten die Regierenden wirklich noch das Volk? Wie kommt es, daß bei demokratischen Wahlen nicht Parteien zum Zuge kommen, die den Volkswillen umsetzen?

Da ist zum Beispiel diese Frauenquotendiskussion, oder daß Firmen eine Entschädigung zahlen müssen, wenn sie nicht die -innen oder m/w in ihre Stellenanzeigen schreiben. Als was zählt eigentlich ein Mensch im Aufsichtsrat, der biologisch ein Mann ist, sich aber innerlich als Frau fühlt, und zwar als lesbische Frau, also mit einer Frau verheiratet ist?
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 08.10.2014 um 22.09 Uhr  
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Hätte die FAZ ihren Korrespondenten Leo Wieland befragt, wäre die Entrüstung über die "unzeitgemäßen" Weihnachtsangebote gar nicht zum Ausdruck gekommen.
Jeder, der schon mal in den USA gereist ist, wundert sich (als Deutscher) nur einige Tage über das ganzjährige Angebot an Weihnachtsartikeln. Dann legt sich die Aufregung.
Andere Länder, andere Sitten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2014 um 07.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#26985

Die FAZ findet es "erschütternd", daß bei einer Umfrage ein Drittel der Deutschen sich dafür ausgesprochen hat, den allzu frühen Verkauf von Lebkuchen und Glühwein zu verbieten. Sind wir so wenig liberal?

Ich weiß nicht, wie die Frage lautete, aber ich habe den Verdacht, daß allein schon die Tatsache der Befragung selbst hier ein Urteil provoziert hat, zu dem sich der normale Bürger sonst gar nicht aufraffen würde. Ich habe auch schon den Kopf geschüttelt, wenn ich gegen Ende meines Sommerurlaubs die Lebkuchenpyramiden in den Läden antraf. Neben den Christ- oder Weihnachtsstollen sind längst die Osterstollen und Herbststollen getreten usw. Das finde ich zwar auch blöd, aber das schließt ja nicht aus, daß ich mir selbst schon mal eine Scheibe gönne.

Wie ich anderswo schon mal bemerkt habe: Wenn man die Leute fragt, ob sie dafür sind, die Aktivitäten ausländischer Pramuzzen in Deutschland zu verbieten, wird man eine erkleckliche Zahl von Befürwortern finden. Auch ich finde diese Aktivitäten empörend, obwohl ich sie gerde eben erst erfunden habe. Die sprachliche Konstruktion eines Problems, self-fulfilling.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 26.07.2014 um 16.29 Uhr  
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Ein bedeutendes Ereignis ist im politischen Tageslärm weitgehend unbeachtet geblieben. Rußland kehrt zur Normalzeit (= Winterzeit) zurück:

http://de.ria.ru/society/20140722/269076389.html

Es handelt sich um den letzen Schritt zur Korrektur eines Fehlers am Ende einer verschlungenen Schleife, die mit der Abschaffung einer der Zeitzonen im Osten des Landes begonnen hatte. Die Folge war, daß es dort zeitweise erst sehr spät hell wurde. Zur Beseitigung dieses neuen Ärgernisses ging Rußland 2011 zu einer ganzjährigen Sommerzeit über. Dies gelang zwar, und die Rückkehr zu einer Normalzeit war insoweit vollzogen, als die regelmäßigen Uhrenappelle (zweimalige Zeitumstellung pro Jahr) entfielen. Allerdings wurde es nun in der Moskauer Zeitzone im Winter erst sehr spät hell, so daß die Zustimmung zu dieser Maßnahme von zuerst 73 auf zuletzt 32 Prozent sank (vgl. Link). Mit dem jüngsten Schritt ist jetzt der Zustand vor der Reform der Uhrzeit wiederhergestellt.

Die Technik der Korrektur (ein planmäßiges Vorgehen einmal unterstellt) bestand darin, den vermeintlichen Sachzwang zur regelmäßigen Zeitumstellunng ("alle machen es so") durch neue Sachzwänge (freilich ebenfalls vermeintliche, weil nämlich ebenfalls selbstgeschaffene) zu neutralisieren. Damit war der Verdacht hinreichend vernebelt, der Staat habe auf seine normsetzende Gewalt zugunsten besserer Einsicht verzichtet. Ein begünstigender Umstand, was die Wahl des Zeitpunktes angeht, dürfte der sich abzeichnende Wirtschaftskrieg gewesen sein, der eine Vertaktung des eigenen Zeitregimes mit dem der westlichen Länder entbehrlicher erscheinen läßt. Hinzu kommt, daß Putin die Entscheidung auf dem Gipfel seiner Popularität getroffen hat, ein Legitimitätsverlust durch die Rückkehr zum status quo ante also weniger ins Gewicht fällt.


 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 28.03.2014 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#25498

Eine ebenfalls unbrauchbare Umfrage präsentiert die Netzausgabe der FAZ (keine Ahnung, ob dieser Blödsinn sich auch in der gedruckten Ausgabe findet). Es geht – wieder einmal – um die Sommerzeit. Diesmal kann man sich von zwei Nein-Antworten die mit der albernsten Begründung aussuchen.

Der ganze Blödsinn geht wohl auf das Konto eines jugendlichen Mitarbeiters der Onlineredaktion, das schließe ich zumindest aus dem gruseligen Denglisch.

Am Sonntag werden die Uhren wieder umgestellt. Macht das überhaupt noch Sinn?

Nein, mir reicht die Winterzeit
Nein, es sollte nur die Sommerzeit geben
Ja, die Zeitumstellung ist vernünftig

Das ganze hängt wegen der Kombination der Uhrenumstellung und der Meinung zur Sommer- bzw. Winterzeit schief. Entoder weder, aber so macht es ganz bestimmt keinen Sinn.

Ich frage mich übrigens, ob das Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Nein-Antworten der Verwirrung der unklaren Begründung geschuldet ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.01.2014 um 16.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24805

Zwei weitere Umfragen, die uns manipulieren wollen:

Stuttgarter Zeitung:

Wird das Coming-Out von Hitzlsperger - Ex-National- und VfB-Spieler - anderen Profi-Sportlern Mut machen, zu ihrer Homosexualität zu stehen?

- Nein, das glaube ich nicht
- Ja, wäre wünschenswert
- Dafür ist die Zeit noch nicht reif

(Die Zusätze sind nicht vergleichbar.)

t-online:

Soll die "Akzeptanz sexueller Vielfalt" ein Unterrichtsthema an deutschen Schulen werden?

- Ja, denn es ist wichtig, junge Menschen auch in diesem Bereich zu Toleranz zu erziehen.
- Nein, das Thema hat im Schulunterricht nichts zu suchen.
- Das kann ich nicht beurteilen.

(Die erste Antwort ist mit einer Begründung versehen, der man die Zustimmung kaum verweigern kann; die zweite Antwort hat gar keine Begründung, sondern wiederholt nur noch einmal das Nein.)



 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2013 um 13.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24546

Heute morgen wurde ich im Internet (ich weißt nicht mehr genau, wo) aufgefordert, mich an einer Umfrage zu beteiligen: ob ich dafür sei, daß "Senioren ab 50" jährlich den Führerschein nachmachen sollten. Kein Wunder, daß eine überwältigende Mehrheit dagegen war.

Da ich täglich als Radfahrer und Fußgänger unterwegs bin, muß ich leider sagen, daß mir die wirklich alten Leute am Steuer Angst machen. Ich habe schon unzählige Male erlebt, daß es beim Wenden oder Ein- und Ausparken vorn oder hinten ein bißchen kracht, daß ich von Autofahrern "übersehen" werde, wenn sie aus Einfahrten oder Seitenstraßen herauskommen und erst mal zur Mitte der Fahrbahn vorstoßen, bevor sie sich umschauen. Manche legen auch mal ein Verkehrschild oder eine Ampel um (wie unser Bürgermeister, bevor er aus dem Verkehr gezogen wurde). Gerade hat eine 79jährige auf dem Erlanger Weihnachtsmarkt einen Stand demoliert; sie hätte auch mich erwischen können, denn ich war in der Nähe.
Also sagen wir lieber: Seh- und Reaktionstest ab 70!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2013 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24328

Im Übersichtsartikel der Wikipedia wird ebenfalls dargestellt, daß Deutschland seinerzeit mit den anderen Staaten gleichziehen wollte, die aber aber ihrerseits – das sollte man hier nicht verschweigen – aus Gründen der Energieeinsparung umgestellt hatten:

"Die erneute Einführung der Sommerzeit wurde in der Bundesrepublik 1978 beschlossen, trat jedoch erst 1980 in Kraft. Zum einen wollte man sich bei der Zeitumstellung den westlichen Nachbarländern anpassen, die bereits 1977 als Nachwirkung der Ölkrise von 1973 aus energiepolitischen Gründen die Sommerzeit eingeführt hatten. Zum anderen musste man sich mit der DDR über die Einführung der Sommerzeit einigen, damit Deutschland und insbesondere Berlin nicht auch zeitlich geteilt waren."

Wenn das richtig ist, verschiebt sich also die ursprüngliche Begründung nur um eine Stufe und kann weiterhin als widerlegt gelten.

Umstellen, weil andere schon umgestellt haben - erinnert uns das nicht wiederum an etwas?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 02.11.2013 um 18.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24327

Zur Frage der Sommerzeit sollte berücksichtigt werden, daß die angebliche Energieeinsparung bei der Einführung der Sommerzeit in Deutschland gar keine Rolle gespielt hat. In der Gesetzesvorlage der Bundesregierung von 1977 (BT-Drucksache 8/258) zur Änderung des Zeitgesetzes heißt es ausdrücklich:

„Die Bundesregierung hat auf Anfragen im Deutschen Bundestag wiederholt deutlich gemacht, daß die Einsparung an elektrischer Energie durch die Einführung der Sommerzeit sehr geringfügig wäre und für sich allein ihre Einführung nicht rechtfertige.“

Die Begründung der Bundesregierung stellte dagegen allein auf die zeitliche Harmonisierung mit anderen Europäischen Staaten, inbes. den EU-Partnern ab. Die Bundesregierung verwies darauf, daß die EU-Partner Frankreich, Italien, Großbritannien und die Benelux-Staaten bereits die Sommerzeit eingeführt hätten, und drückte die Erwartung aus, daß die Nachbarländer Dänemark, Österreich und die Schweiz dem deutschen Beispiel folgen würden, was ja dann auch geschah. Wörtlich heißt es noch in der Regierungsvorlage:

„Damit zeichnet sich die Möglichkeit ab, in ganz Westeuropa zu einer einheitlichen Sommerzeit zu kommen. Auch Polen hat für 1977 die Einführung der Sommerzeit angekündigt.“

Nicht erwähnt ist in der Vorlage das politische Problem der zeitlichen Übereinstimmung mit der DDR, die in der BT-Plenardebatte eine Rolle spielte. Dieses Problem hat sich dann aber gelöst.

Es kann daher keine Rede davon sein, daß der ursprüngliche Grund für die Einführung der Sommerzeit in Deutschland inzwischen widerlegt sei. Im Gegenteil: der ursprüngliche Hauptgrund gilt heute noch stärker als je. Inzwischen gilt nicht nur in der EU sondern in praktisch ganz Europa einschließlich der Türkei die Sommerzeit. Allenfalls Island ist noch eine Ausnahme. Ferner gilt in Rußland und wohl auch in Weißrußland und Kaliningrad inzwischen ganzjährig die Sommerzeit.

Interessant ist auch das Beispiel der Schweiz Dort wurde 1977 die Einführung der Sommerzeit beschlossen, wobei auch hier eine etwaige Energieeinsparung keine Rolle spielte. Diese Entscheidung wurde 1978 durch ein Referendum rückgängig gemacht. Schon 1981, nachdem die Schweiz eine Zeitinsel in der umgebenden Sommerzeit geworden war, hat das Parlament die Sommerzeit erneut eingeführt. Ein erneuter Versuch, auch diesen Beschluß durch eine Volksinitiative wieder rückgängig zu machen, scheiterte schließlich an dem erforderlichen Quorum. Das ist immerhin ein Hinweis darauf, daß sich ein Großteil der Bevölkerung keinem erheblichen Leidensdruck durch die Sommerzeit ausgesetzt sah.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 01.11.2013 um 16.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24322

Lieber Herr Markner,

es ist mir in der Tat sehr peinlich, daß ich Ihre Position in meinem nicht in jeder Hinsicht ernstgemeinten Beitrag offenbar falsch dargestellt habe. Ich hatte Ihre bisherigen recht lakonischen Beiträge so verstanden, daß für Sie die Übereinstimmung von 12:00 Uhrzeit und Höchststand der Sonne von Wichtigkeit ist. Diese ist nunmal nur für die "wahre Ortszeit" gegeben.

Jetzt weiß ich allerdings nicht so recht, was Ihre Postion eigentlich ist. Vielleicht könnten Sie diese gelegentlich mal etwas ausführlicher darstellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.11.2013 um 10.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24321

Ich bin nicht dafür, die Frage der Sommerzeit zum Gegenstand einer Volksabstimmung zu machen, und wollte auch etwas ganz anderes diskutieren, was viel näher an unserem Problem mit der Rechtschreibreform liegt.

Allerdings wären bundesweite Volksentscheide, auch wenn sie nach h. L. bisher nur für die beiden Fälle der Neugliederung des Bundesgebietes und die Ablösung des GG durch eine Verfassung vorgesehen sind (beides wohl nur aus Rücksicht auf das damals bestehende Provisorium der BRD), auch keine großartige Abweichung vom Geist des GG. Soweit ich mich eingelesen habe, gibt es auch ein Spannungsverhältnis zwischen der immer stärker herausgebildeten repräsentativen Demokratie und Artikel 20 (12) GG ("Abstimmungen"). Aber als Laie will ich mich dazu nicht äußern, schon um mich nicht vor Herrn Achenbach zu blamieren, der diese Dinge so gründlich wie sonst keiner von uns kennt.

Noch einmal: Unsere Volksvertreter haben seinerzeit die Zeitumstellung mit einer bestimmten Begründung und offenbar ohne große Schwierigkeiten einführen können. Nachdem wir sie nun einmal bekommen haben, scheint es ungleich schwerer zu sein, sie mit einer ähnlich klaren Begründung wieder abzuschaffen. Und das scheint einem auch sonst herrschenden Muster zu entsprechen, fast einem "Gesetz". Daß Gremien etwas zurücknehmen, was sie einmal beschlossen haben, ist sehr selten, mir fällt eigentlich gar kein Beispiel ein. Man "novelliert" höchstens, d. h. entwickelt weiter (wie die Rechtschreibreform). Deshalb werden auch die Gesetze und Verordnungen immer umfangreicher.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 01.11.2013 um 00.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24319

Daß es sich bei einer an der astronomischen Zeit orientierten Normalzeit nicht um ein bloßes Konstrukt handelt, geht auch daraus hervor, daß sie ermöglicht, eine analoge Uhr als Behelfskompaß einzusetzen. Das geht natürlich auch während einer um eine bekannte Spanne abweichenden Sommerzeit, wenn man die Uhr entsprechend dreht. Voraussetzung ist aber immer, daß 12 Uhr = Mittag gilt. Den Zusammenhang macht auch die amtliche Sprachregelung deutlich, in der es keine "Winterzeit" gibt. Sie heißt dort eben "Normalzeit". Damit ist klargestellt, daß die Sommerzeit eine Ausnahmezeit ist.

Das war sie übrigens in ihren Anfängen in einem ganz eminenten Sinne. Tageslichtrettungs-Zeit führten erstmals Deutschland, Großbritannien und die USA ein, alle drei während des Ersten Weltkriegs. Das dürfte weniger mit der Optimierung von Biergartenfreuden zu tun gehabt haben; vielmehr deutet sich die totale Mobilmachung an. Klugerweise wurde die Ausnahmezeit jedoch mit der Ausnahmesituation begründet, so daß man sie nach Kriegsende leicht wieder loswerden konnte.

Das ist bei der heutigen Sommerzeit nicht der Fall, ebensowenig bei der Rechtschreibreform. Mich treibt hier der bekannte Satz von Frau Wanka um. Wie kann eine – tatsächliche oder vermeintliche – Nebensächlichkeit zu einer Frage der Staatsräson werden? Am Gegenstand der Entscheidung kann es nicht liegen. Also muß es die Entscheidung selbst sein, die ihre Revision ausschließt. An einem erkannten Fehler wider besseres Wissen festzuhalten ergibt nur dann einen Sinn, wenn die Korrektur dem Eintscheidungsträger schaden würde. Der einzige erkennbare Schaden für diesen wäre seine Delegitimierung. Deshalb geht es hier um Herrschaft.

Ich bezweifle, daß das so beabsichtigt war. Schließlich gab es keinen Grund, einen Geßlerhut aufzuhängen. Aber sobald er einmal hing und Leute sich anheischig machten, ihn von der Stange zu schlagen, mußte er verteidigt werden. Ob die Kultusminister und ihre Ministerialbeamten sich beim Herrschaftsvollzug die Hände gerieben haben? Der eine oder andere vielleicht schon, das ist wohl auch eine Charakterfrage. Ich kann mir vorstellen, daß Macht erst dann richtig Spaß macht, wenn sie gegen Widerstände durchgesetzt werden muß. Aber das ändert nichts an ihrer Mechanik.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.10.2013 um 18.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24318

Pardon, aber es ist bloß peinlich, Herr Achenbach, anderen Diskutanten Positionen zu unterstellen, die sie offenkundig nicht bezogen haben.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 31.10.2013 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24317

Vor einer Volksabstimmung wären noch einige Fragen zu klären:

Auf welcher Ebene sollte die Abstimmung erfolgen? Auf der Ebene der Gemeinden, der Landschaftsverbände, der Länder, des Bundes oder gar der EU?

Worüber genau sollte abgestimmt werden? Beibehaltung der jetzigen Regelung, ganzjährige Winterzeit oder ganzjährige Sommerzeit? Warum nicht auch die Zeitzonen zur Wahl stellen? Dann könnten sich die westdeutschen Gemeinden, die eigentlich zur Greenwich-Zeitzone gehören, endlich von der MEZ-Zwangsjacke befreien.

Und schließlich: Warum nicht über die Wiedereinführung der wahren Sommerzeit aus der guten alten Zeit abstimmen? Damit wäre jedenfalls Herr Markner endlich zufrieden, und Herr Strowitzki könnte sich morgens von seiner Sonnenuhr wecken lassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2013 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24316

Ich bin nicht angesprochen und mache mir auch nicht die Ansicht zu eigen, daß sich irgendwer triumphierend die Hände reibt. Mir geht es um die Trägheit eines Systems, das sich selbst dann nicht zu Änderungen bewegen läßt, wenn eine Mehrheit inzwischen zu anderen Ansichten gekommen ist. Das hat jetzt nichts mehr mit Astronomie und Zeitzonen zu tun.
Die Mechanik der repräsentativen Demokratie macht den Fortbestand einer von der Mehrheit nicht mehr gebilligten Regelung um so unangreifbarer. Gremien lösen sich, je länger sie bestehen, von der Basis, denen sie ihre Existenz verdanken. Das müssen die Mitglieder von Parteien und Verbänden ja ständig erleben. Ich bin keineswegs für imperative Mandate. Aber es fiel uns doch damals auf, wie entschieden die Bundestagsabgeordneten an der Rechtschreibreform festhielten, die fast niemand im Volk wollte. Man denke auch an den Allparteien-Sieg des schleswig-holsteinischen Landtags über das schleswig-holsteinische Volk. Man könnte sogar annehmen, daß die Abgeordneten etwas beschlossen, was (fast) keiner von ihnen wollte. Und dabei ging es doch nicht einmal um so etwas wie die Todesstrafe, die man immer anführt als Beispiel für etwas, was wohl im Volk, aber zum Glück nicht im Parlament eine Mehrheit fände.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 31.10.2013 um 17.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24315

Warum wird eigentlich die MEZ als astronomische Notwendigkeit gesehen und der höchste Punkt der Sonne als Zeitpunkt 12.00 Uhr? Das ist eine praktische Erwägung, und die Überlegung, den Tag möglichst passend zum Tageslicht zu fassen, ist eine andere; sie ist m. E. sinnvoll.
Die MEZ wurde 1893 im kaiserlichen Deutschland ohne Zustimmung des Volkes eingeführt. Die Sommerzeit bzw. der Beschluß in den Siebzigern, die Sommerzeit einzuführen, ist somit stärker demokratisch legitimiert als die MEZ. Daß das Volk heute nicht gefragt wird, ob es die Sommerzeit will, liegt nicht am bösen Willen der Machthaber oder an der Furcht vor der Blamage, sondern am Prinzip der repräsentativen Demokratie. Bundesweite Volksentscheide sind in Deutschland nicht vorgesehen. Sicher kann man darüber streiten, ob Volksentscheide sinnvoll sind; man muß aber zugeben, daß es keinen Volksentscheid zur Sommerzeit geben kann, solange es gar keinen Volksentscheid gibt.

Das System der Zeitzonen ist zu starr, besonders je näher man den Polen kommt. Der Grundsatz, daß die gleiche Uhrzeit einen gesamten Längengrad lang von Norden nach Süden gilt, paßt nicht zu den natürlichen Gegebenheiten. Welche astronomische Uhrzeit gilt denn am Nordpol? Und kann ich einen ganzen Tag erleben, indem ich den Pol in einem Meter Abstand umrunde?
Die astronomische Uhrzeit und die Tagesmitte schwanken über das Jahr. Dem zu folgen, indem jahreszeitabhängige Uhrzeiten definiert werden, ist eine Anpassung an die natürlichen Verhältnisse.

Die Menschen haben das früher automatisch getan. Sie haben ihre Uhren nach der Tagesmitte ausgerichtet, und die ist eben nicht rund um's Jahr zur selben Zeit.
In der vorindustriellen Zeit wurde ohnehin mit Tagesanbruch aufgestanden. Nachzulesen z. B. bei Grimmelshausen, der Simplicius reichlich früh aufstehen läßt.

Glasreiniger und Herr Bärlein: Mein Hauptpunkt ist nicht die Energieeinsparung, ob sie stattfindet oder nicht.
Wenn Sie von Herrschaft und Herrschaftsakt sprechen, frage ich: Wer ist denn die Herrschaft? Wir leben in einer Demokratie. Das Volk ist der Souverän, das Volk hat die Macht. Jeder einzelne ist natürlich nur einer von 82 Millionen, und seine Meinung ist alleine nicht entscheidend. So ist das in einer modernen Massendemokratie.
Wenn man die Herrschaft ausüben will, die man kraft Verfassung hat, muß man in den demokratischen Gremien mitmachen und mühselig die anderen von seiner Meinung überzeugen. Wenn Sie das nicht tun, nimmt niemand Ihre Meinung an. Und worauf soll die Politik denn warten, wenn Sie nichts tun und nichts sagen?
Die politischen Machthaber sind demokratisch gewählt und haben somit den Auftrag, Entscheidungen für das Volk zu treffen. Sie haben sich für die Sommerzeit entschieden. Glauben Sie wirklich, daß auch nur ein Politiker sich zweimal im Jahr bei der Zeitumstellung frohlockend die Hände reibt, daß er dem Volk seine Macht bewiesen hat?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.10.2013 um 10.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24313

Natürlich ist die Zeitumstellung einfacher, deshalb wird ja auch so verfahren, aber es ist eben nicht dasselbe wie eine Umstellung der »tageszeitbezogenen Vorgänge«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2013 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24311

Eratosthenes maß den Schatten, den ein Stab mittags an zwei Orten warf, die in zuvor gemessener Entfernung auf demselben Meridian lagen. Daraus errechnete er den Umfang der Erde. Wie ich heute weiß (es steht auch unter seinem Namen bei Wikipedia), ist einiges unsicher und das Ergebnis wohl nicht so genau, wie ich es als Kind immer geglaubt habe, aber es bleibt staunenswert genug, vor allem wegen der durch und durch vernünftigen Haltung, mit der er die Aufgabe erkannt und gelöst hat. Sobald wir in der Schule diese Art von Berechnung durchgenommen hatten, war ich von Eratosthenes hell begeistert, wie ich mich noch heute erinnere.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2013 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24310

Mit dem (beschlossenen) Umstellen der Uhren geht die Verschiebung der darauf bezogenen Vorgänge einher. Was bisher um 12 getan wurde, wird nun um (astronomisch) 11 Uhr getan und dann wieder umgekehrt. Man könnte den späteren oder früheren Beginn der Schule usw. auch einzeln beschließen, aber einfacher ist es, hier scheinbar gar nichts zu ändern, sondern die Uhren umzustellen. Der Zug führt also nach wie vor "um 12". (Ich weiß aber nicht, ob die modernen Kühe weiterhin "um 6" gemolken werden.)

Das ist so ähnlich wie bei den Jahreszahlen. Statt jedes Jahr neue Lexika zu drucken, in denen Goethes Geburtsjahr und die Keilerei bei Issos jeweils ein weiteres Jahr in die Vergangenheit verschoben werden, zählt man von einem festgesetzten Nullpunkt aus und hängt sich bloß jedes Jahr einen neuen Kalender ins Büro. In den Zeitungen steht dann, Goethe wäre heute 264 Jahre alt geworden (wenn er nicht gestorben wäre).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.10.2013 um 21.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24309

Zur Frage der »tageszeitbezogenen Vorgänge«: Es ist ja gerade nicht so, daß darüber abgestimmt würde, den Schulbeginn oder die »Tagesschau« von 8 auf 7 bzw. von 20 auf 19 Uhr zu verschieben. Vielmehr ginge es darum, ob um 12 Uhr tatsächlich näherungsweise 12 Uhr sein soll oder aber vorgeblich 13 Uhr.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 30.10.2013 um 20.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24308

"Eine solche Uhr zu konstruieren, wäre äußerst schwierig" – nein, überhaupt nicht. Gerade die einfachste aller Uhren leistet das: die Sonnenuhr. Das ist ja der Ausgangspunkt aller Uhren: Die Sonne kulminiert im Süden, das nennen wir Mittag und bezeichnen es als zwölf Uhr. Was die Sonnenuhr ansonsten anzeigt, nennt man "wahre Ortszeit". Mechanische Uhren hingegen haben keinen Bezug zu den astronomischen Grundlagen des Tages und verzeichnen die "mittlere Ortszeit" oder seit dem späteren 19. Jahrhundert zuerst die "Eisenbahnzeit" und dann die "Zonenzeit".
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 30.10.2013 um 19.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24307

Daß die Uhren zum Zeitpunkt des Sonnenhöchststandes 12:00 anzeigen, ist reine Konvention. Es ist praktisch auch gar nicht möglich, da nicht alle Tage gleich lang sind und somit streng genommen auch nicht alle Stunden. Ein Uhr zu konstruieren, die dies berücksichtigt, wäre äußerst schwierig.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.10.2013 um 14.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24305

Sicher hat das lange Tageslicht durch die Sommerzeit auch was Schönes. Aber ist es nicht herrlich, in lauen Sommernächten bei Laternenschein draußen zu sitzen?

Die Atmosphäre im Freilichtkino hat mir immer sehr gut gefallen. Das gehört doch zum Sommer! Aber das Mannheimer Freilichtkino hat leider vor ein paar Jahren zugemacht. Es war zu wenig besucht. Das nachlassende Interesse hat sicher auch damit zu tun, daß wegen der Helligkeit die Filme erst um elf beginnen können. Wer will denn, selbst im Sommer, bis eins oder zwei im Kino sitzen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2013 um 14.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24304

Die Zeit? Das ist zu pauschal gesagt. Es geht doch darum, daß alle tageszeitbezogenen Vorgänge, der Arbeitsbeginn, die Fahrpläne usw. gegenüber der astronomischen Zeit um eine Stunde verschoben werden, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Darüber kann man sehr wohl abstimmen, wie man ja auch bei der Gesetzgebung darüber abgestimmt hat, nur eben im kleineren Kreis.

Wahrscheinlich wäre es auch bei einer Volksabstimmung nicht anders gekommen, weil man eben damals noch glaubte Energie sparen zu können. Heute ist mit dem Wegfall dieses Arguments die Lage anders, aber ändern läßt sich trotzdem nichts mehr, und das ist gerade das Lehrreiche.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.10.2013 um 22.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24303

Das demokratische Argument setzt voraus, daß die Zeit überhaupt Gegenstand politischer Willensbildung ist, was schon einigermaßen paradox ist. 12 Uhr mittag ist nun einmal dann, wenn die Sonne am höchsten steht; darüber abzustimmen ist so sinnvoll wie ein Votum über den Gefrierpunkt des Wassers (unter der Voraussetzung der Gültigkeit der Celsius-Skala). Das eigentliche Politikum ist die Zugehörigkeit zu Zeitzonen. So hat Frankreich seit der Niederlage von 1940 die deutsche Zeit und die gesamte Volksrepublik China Pekinger Zeit.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 29.10.2013 um 20.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24302

Ich persönlich liebe auch das Daylight Saving und hätte gern das ganze Jahr Sommerzeit, zumal ich erst nach 18 Uhr Feierabend habe. – Bei Wikipedia werden eine ganze Reihe von Nachteilen genannt, an die man als Laie nicht so schnell denkt. Aber stimmt schon, das wäre eigentlich vom Volk am besten zu entscheiden.

Warum ist es denn so unwahrscheinlich, daß es irgendwann zu einer Volksbefragung kommt? Fürchtet die Regierung eine Blamage? Fürchtet sie Autoritätsverlust, die Verwöhnung des Volkes mit Mündigkeit? Oder ist das vor allem Trägheit? Nach dem Motto: Solange es keinen Aufstand gibt, machen wir es wie bisher.

Übrigens könnte ich mir auch eine paternalistische Mentalität der Politiker vorstellen: Indem der Staat die Entscheidung fällt, beugt er dem Unheil vor, daß sich das Volk im Vorfeld einer Volksabstimmung (und auch danach) über das Thema streitet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2013 um 15.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24301

Jetzt ist mein "demokratisches" Argument ganz unter den Tisch gefallen. Dabei war es die Parallele zur Rechtschreibreform: Will die Bevölkerung die Sommerzeit? (Auch nachdem sich die Energieeinsparung als illusionär erwiesen hat.) Warum fragt man sie nicht?

Übrigens könnte man doch nach "Branchen" gegebenenfalls die Arbeitszeit umstellen. Ich habe meine Griechischkurse an der Universität um 7 Uhr morgens zuerst besucht, dann selbst abgehalten, also jeden Tag vor dem Beginn der eigentlichen Fachveranstaltungen um 9. Das paßte mir gut. Andererseits fingen in Indien die Seminare ebenfalls erst um 9 Uhr an, dann wurde es sehr bald sehr heiß, das paßte mir weniger.
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 29.10.2013 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24300

@Herrn Mahlmann,

mE hat die Sommerzeitumstellung mit einer "Energieeinsparung" in etwa soviel zu tun wie das Abhören der Bundeskanzlerin mit dem "Kampf gegen den Terrorismus". Mir scheinen die Überlegungen Herrn Bärleins sehr treffend zu sein.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 29.10.2013 um 12.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24299

Daylight Savig Time drückt sehr gut aus, was das Wesentliche an der Sommerzeit ist. Für mich könnte das ganze Jahr über Sommerzeit sein.

Die Kuhproblematik verstehe ich übrigens nicht, oder versuchen die Bauern etwa, den Kühen die zweimalige Zeitänderung aufzuzwingen? Kann ich mir nur schwer vorstellen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.10.2013 um 10.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24298

"Denn wann jemand aufzustehen hat, diktiert ihm oftmals der Beruf." (#24292)

Beruf und Schule diktieren nur die spätestmögliche Aufstehzeit, lassen aber daneben im allgemeinen immer noch einigen Spielraum.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 29.10.2013 um 05.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24294

Bei der Einrichtung von Zeitzonen geht es vor allem darum, Handlungen koordinierbar zu machen, die an Positionen unterschiedlicher Länge ausgeführt werden. Grundsätzlich kann jeder überall anhand des Sonnenstandes die Zeit bestimmen, mit der Folge allerdings, daß nur die Uhren auf demselben Längengrad dieselbe Zeit anzeigen. Solange weder Reisende noch Informationen sich schneller bewegen als im Postkutschentempo, macht das gar nichts aus. Sobald sich das jedoch ändert (oder auch: sich ändern soll), bedarf es einer normsetzenden Instanz (typischerweise des Staates), die auf einem gegebenen Territorium für alle eine Zeit verbindlich macht, welche günstigstenfalls mit der Sonnenzeit auf der mittleren Länge übereinstimmt, aber dann jedenfalls nicht mit der am östlichen und am westlichen Rand. Das ist sehr vernünftig und verdienstvoll, aber als Herrschaftsvollzug auf die Dauer unergiebig. Die Norm, einmal gesetzt, verschwindet gewissermaßen in ihrem Resultat. Die Normzeit wird zur Normalzeit. Es bleibt bei einer einmaligen Umstellung, und das nicht einmal zwingend für alle.

Das ist der Unterschied zwischen der Einrichtung einer Zeitzone und der Einrichtung einer Ausnahmezeit. Die Ausnahmezeit macht den Herrschaftsvollzug wiederholbar. Es ist für sie auch kein anderer Grund zu erkennen, der nur annähernd so vernünftig wäre wie der für eine Normalzeit.
 
 

Kommentar von Kannitverstan, verfaßt am 29.10.2013 um 00.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24292

"Hier noch einmal für die Begriffsstutzigen, die sich hier z. T. ja auch schon selbst als solche bezeichnen", schreiben Sie, lieber R. M. Warum schreiben Sie nicht gleich: Kannitverstan, Sie sind begriffsstutzig?

Sie hatten behauptet, es stehe jedem frei, früher oder später aufzustehen. Ich halte das für einen Irrtum, und zwar unabhängig von der Frage, ob man die halbjährliche Zeitumstellung für sinnlos oder für sinnvoll hält. Denn wann jemand aufzustehen hat, diktiert ihm oftmals der Beruf. Schafft man die Sommerzeit wieder ab, sind vielleicht die Spätaufsteher unzufrieden. Beläßt man es bei der jetzigen Regelung, sind die Frühaufsteher, wie Herr Ickler, mit der Umstellung auf Winterzeit unzufrieden. Man befragt dazu also besser nicht diejenigen, die's so oder so für sich selber entscheiden können, sondern denen es der Beruf diktiert, wann sie aufzustehen und zu Bett zu gehen haben. Denn denen steht es nicht frei.
Mir steht es übrigens auch nicht frei, aber wenn es nach mir ginge, wäre das ganze Jahr über Sommerzeit. Andere hätten vielleicht lieber das ganze Jahr über Winterzeit. Und noch andere finden den Wechsel zwischen beidem angenehm. Nehmen wir an, jede dieser drei Gruppen mache ein Drittel der Bevölkerung aus, dann hätte man, wie immer man es regelt, zwei Drittel Unzufriedene.
Leider ist die vierte Möglichkeit nicht gangbar, nämlich gar nichts zu regeln und jeden dann zum Dienst antreten zu lassen, wann es ihm beliebt. Der Bautrupp jedenfalls, der sich morgens in der Baufirma trifft, um weiter nichts zu tun, als auf den Spätankömmling zu warten, bevor er zum Einsatzort fahren kann, wird sich bedanken für solche Freiheit.
Wie immer man es regelt, sind zwei Drittel Unzufriedene gewiß. Verstanden?
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 28.10.2013 um 23.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24291

Die Mitteleuropäische Zeit ist ein politisches Konstrukt. Daß mittags um zwölf die Sonne ihren höchsten Punkt hat, ist nur ein Ziel. Es ist bei einer so breiten Zeitzone unerreichbar. Es hat keinen astronomischen Grund, daß es in Warschau und Madrid vier Uhr ist und zur selben Zeit in London drei.
Bei der Zuordnung der Zeitzonen geht es vor allem darum, die Uhrzeit möglichst treffend dem Tageslicht anzupassen. In Europa sind die Tage nun mal nicht rund um's Jahr gleich lang, und es wird nicht zur gleichen Zeit hell. Es ist sinnvoll, dieser natürlichen Tatsache Rechnung zu tragen.
Mit der Sommerzeit wird es bei uns im Sommer um vier Uhr morgens hell und um zehn Uhr abends dunkel. Das paßt besser zum normalen Tagesablauf, als würde es um drei Uhr morgens hell und um neun Uhr abends dunkel.
Die Zeitzoneneinteilung ist notwendigerweise ein Kompromiß zwischen astronomischer Vorgabe und weltlichen Zweckmäßigkeitserwägungen. Warum darf nicht dasselbe Prinzip angewandt werden beim Unterschied zwischen Sommer und Winter?

Als die Sommerzeit eingeführt wurde, sollte damit Energie gespart werden. Ob das nun geklappt hat oder nicht, lasse ich dahingestellt sein. Es mag sein, daß andere Argumente für die Sommerzeit nachgeschoben sind; dadurch verlieren sie nicht an Richtigkeit.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 28.10.2013 um 21.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24290

Die anfängliche Kritik der Landwirtschaft an der Uhrumstellung ist verstummt. Sie wäre ja auch unüberhörbar und gewichtiger als diejenige der Gegner der Umstellung.
Siehe auch hier:
http://www.badische-zeitung.de/waldshut-tiengen/landwirte-bereiten-kuehe-eine-woche-auf-sommerzeit-vor–70524794.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2013 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24289

Ich lebe auch auf dem Lande und habe von den Bauern anderes gehört, allerdings ist es schon einige Jahre her.
Auch ich glaube, daß die Beweislast nicht bei den Kritikern der Sommerzeit liegt. Zweimal jährlich wird ziemlich einhellig berichtet, daß die Umstellung das Ziel der Energieeinsparung nicht erreicht hat, bei Wikipedias Zusammenfassung steht es auch, das genügt mir eigentlich.

Es geht nicht um Uhr und Sonnenstand, sondern um die zweimalige Umstellung. Sie wird oft mit einer Art Jet-Lag verglichen: Viele Menschen brauchen einige Tage, bis sie wieder den richtigen Rhythmus haben. Ich zum Beispiel bin ein extremer Frühaufsteher, aber gestern und heute morgen saß ich schon um drei Uhr putzmunter vor meinem Laptop und fühlte mich doch recht einsam. Abends bin ich dann für meine Frau ein schlechter Zuhörer, den man am besten früh ins Bett steckt, und am nächsten Morgen ... (s. o.)
Bei vielen Menschen gehört es zum Wohlbefinden, daß sie in Übereinstimmung mit ihrer inneren Uhr leben (einschlafen, aufstehen, Mahlzeiten einnehmen und wieder ausscheiden usw.). Das soll auch gut für die Gesundheit sein. Ich habe schon seit Jahrzehnten keinen Wecker mehr benutzt und hasse diese Dinger, die man ja nur braucht, wenn und weil das mit der Regelmäßigkeit nicht klappt. "Gottes Bannfluch: uhrenlose Schicht." (Ich zitiere aus dem Gedächtnis. Unsere Schullektüre der "Menschheitsdämmerung" liegt über 50 Jahre zurück.)
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 28.10.2013 um 13.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24288

Ob der Uhrzeiger bei Sonnenhöchststand auf "11", "12" oder z.B. "1" bzw. "13" weist, ist bei der Sommerzeit gar nicht der Punkt, nicht einmal so sehr, ob das besser oder schlechter ist als eine ewige Normalzeit. Der Kern der Sache ist die Umstellung der Uhren selbst. Der Staat läßt die Bürger zweimal im Jahr erfahren, daß sie ohne ihn nicht in der Lage sind, ihre Handlungen zeitlich miteinander zu koordinieren. Darin offenbart er sich als normsetzende Instanz. Es geht um eine Herrschaftstechnik. Vergleichbar ist sie mit dem Appell beim Militär. Die Übung scheint zwar sinnlos, aber alle müssen mitmachen, und am Ende ist ihre Voraussetzung bestätigt, nämlich klargestellt, wer das Sagen hat. Das ist ihr Sinn. Soweit sie mit Streß einhergeht, ist das kein Zufall, sondern sogar erwünscht.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 28.10.2013 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24287

Müßte man nicht umgekehrt vorgehen? Man müßte doch wohl fragen, mit welchen Argumenten die Sommerzeit damals eingeführt wurde und dann sehen, was davon erreicht wurde. Den rhetorischen Überbau, den die Sommerzeit im Laufe der Zeit noch zusätzlich bekommen hat, müßte man dabei natürlich außer acht lassen. Schließlich ist es seit Edisons Erfindung grundsätzlich möglich, die Nacht zum Tag zu machen.

Lieber Herr Mahlmann, liegt die Beweislast nicht immer bei denjenigen, die in ein bestehendes System eingreifen?
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 28.10.2013 um 11.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24286

Ich bin auf dem Land aufgewachsen und kenne einige Bauern. Die kennen ihr Vieh und wissen damit umzugehen. Keiner läßt sich von der Zeitumstellung beeindrucken. Heutzutage werden ohnehin immer mehr Melkroboter installiert, die die Kühe selbständig aufsuchen – rund um die Uhr nach Lust und Laune der Kühe, nicht der Bauern.

Daß Schulkinder durch die Sommerzeit weniger schlafen sollen, ist schlicht absurd. Allenfalls schlafen sie im Sommer weniger, weil die Tage länger sind. Das sind sie unabhängig von der Uhrzeit.
Und wenn die Relation von Sonnenstand und Uhrzeit wirklich etwas ausmachen sollte, müßten polnische Kinder weniger schlafen als französische. Gibt es dafür Belege?

Die Gegner der Sommerzeit behaupten seit Einführung der Sommerzeit, daß das Ziel Energieeinsparung verfehlt worden sei. Mit Beweisen halten sie sich ebenso zurück wie die Reformer, die die neue Rechtschreibung preisen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2013 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24285

Jenseits der Bildung unversöhnlicher Meinungen darf man vielleicht daran erinnern, daß die Sommerzeit mit Energieeinsparung begründet wurde (Physiker mal weghören!). Dieses Ziel scheint nirgendwo erreicht worden zu sein, aber das ist eine rein empirische Frage. Andere Begründungen wie die Freuden langer Sommerabende sind nachgeschoben und könnten – das ist der zweite Punkt – einer Volksabstimmung überlassen werden. Dazu wird es aber nicht kommen.
Fest steht wohl, daß die viehhaltenden Bauern gestört werden und daher die Umstellung durchweg mißbilligen.

Es ist charakteristisch, daß solche Fragen mit der Zeit auf ein anderes Gleis geschoben und dort endlos und unentscheidbar diskutiert werden. Wir hatten das schon beim Kindergeld, das die Geburtenrate nicht erhöht habe – was allerdings niemals die Absicht gewesen war. Man sieht hier wie dort mit Widerwillen auf die fruchtlosen Debatten.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.10.2013 um 00.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24284

Hier noch einmal für die Begriffsstutzigen, die sich hier z. T. ja auch schon selbst als solche bezeichnen. Es ist völlig in Ordnung, wenn jemand die Kleinschreibung der Substantive oder beispielsweise die Schreibung »Portmonee« liebt. Soll er sie also für sich einführen und sehen, was die Leute davon halten. Es ist auch völlig in Ordnung, wenn jemand im Sommer exakt eine Stunde früher aufsteht als im Winter. Soll er machen. Ein Problem wird erst daraus, wenn aus solchen mehr oder minder versponnenen Vorlieben Dekrete werden, an denen sich das öffentliche Leben ausrichten soll.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.10.2013 um 21.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24283

Wenn es durch die Umstellung auf Sommerzeit draußen länger hell bleibt, gehen Schüler früher (d.h. zur gewohnten Uhrzeit) schlafen, weil sie am nächsten Morgen auch früher (zur gewohnten Uhrzeit) aufstehen müssen? Ich denke, die längeren Abende verführen besonders Schüler zum späteren Schlafengehen.

Der MM schreibt im genannten Artikel (S. 1) zum späteren Schulbeginn: US-Studien ergaben, dass die Schüler deshalb abends nicht später ins Bett gehen.
Ich bezweifle das, denn wenn sie morgens eineinhalb Stunden länger schlafen und die Schule eineinhalb Stunden länger in den Nachmittag hinein dauert, haben sie nach der Schule eineinhalb Stunden weniger Freizeit. Die werden sie sich abends wiederholen.

Meine Meinung: Durch die Sommerzeit schlafen Schüler weniger, ein späterer Schulbeginn in den Vormittag hinein würde nichts bringen.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 27.10.2013 um 19.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24282

"Allein der Verzicht auf die Sommerzeit brächte schon das gleiche wie eine Verschiebung auf 8.30 Uhr."
Selbst wenn man die Sommerzeit ablehnt, ist das Unsinn. Die Schüler gehen auch eher schlafen im Sommer, haben also gleich viel Schlaf.

Wenn jeder aufstehen darf und kann, wann er will, hat er im übrigen keinen Anlaß, sich über die Zeitumstellung zu beschweren.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.10.2013 um 19.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24280

Der MM verbindet heute die Nachricht vom Ende der Sommerzeit mit einem großangelegten Bericht und Kommentar (Seiten 1 und 2) über den angeblich zu frühen Schulbeginn. Vor allem die älteren, pubertierenden Schüler würden dadurch schlechter lernen.
MM-Kommentar: "Dabei ist wissenschaftlich erwiesen und unumstritten: 7.30 Uhr ist eindeutig zu früh."

Wirklich unumstritten? Allein der Verzicht auf die Sommerzeit brächte schon das gleiche wie eine Verschiebung auf 8.30 Uhr. Und haben die, die wissenschaftlich bewiesen haben, daß um 7.30 Uhr die Schüler noch zu müde seien, auch einmal die Effektivität des Unterrichts am Nachmittag gemessen? Natürlich hört es sich gut an, Unterrichtsbeginn erst um 9.00 Uhr. Aber die Konsequenzen scheint niemand zu bedenken.

Wer ist überhaupt der "Schlafforscher" Prof. Zulley, dessen Namen man in den meisten einschlägigen Artikeln findet? Doch nicht etwa ein neuer "Jürgen Reichen", zur Abwechslung mal einer, der meint, der frühe Schulbeginn sei an schlechten Lernergebnissen schuld?
 
 

Kommentar von Kannitverstan, verfaßt am 27.10.2013 um 19.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24279

"Es steht jedem frei, früher oder später aufzustehen, ganz nach Belieben. Es anderen mit fadenscheinigen Argumenten vorzuschreiben ist hingegen Willkür."
Lieber R. M., darf ich fragen, welchen Beruf Sie ausüben?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.10.2013 um 18.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24278

Es steht jedem frei, früher oder später aufzustehen, ganz nach Belieben. Es anderen mit fadenscheinigen Argumenten vorzuschreiben ist hingegen Willkür.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 27.10.2013 um 16.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24276

Damit man im Sommer leidlich pünktlich mit dem Sonnenaufgang aufsteht und nach Feierabend noch Licht für nichtberufliche Sachen hat.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.10.2013 um 13.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24275

Die Zeit bzw. der Sonnenstand selbst ist aber keine politische Festlegung. Für Deutschland paßt die MEZ leidlich gut, warum also im Sommer einen auf St. Petersburger Zeit spielen?
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 27.10.2013 um 12.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24274

Wenn man fragt, ob es im Sommer abends früher dunkel werden soll, fällt die Antwort ganz anders aus.

Die sogenannte Normalzeit ist ohnehin eine politische Festlegung. Die MEZ stellt sich in Warschau ganz anders dar als in Bordeaux.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.10.2013 um 09.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24273

Die schweigende Mehrheit ist immer häufiger eine zum Schweigen gebrachte Mehrheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2013 um 05.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24272

Zur Frage der Sommerzeit bringt der Bayerische Rundfunk eine Umfrage nach dem kritisierten Muster:

"Würden Sie persönlich die ewige Zeitumstellerei abschaffen?
- Ja, ich würde sie abschaffen. Die Umstellung bringt nichts für die Umwelt und nervt bloß.
- Nein. Wir würden uns von fast allen anderen europäischen Ländern unterscheiden.
- Das ist mir völlig wurscht."

Die Tagesschau dagegen stellt Antworten ohne hinzugefügte Begründungen zur Wahl. Das Ergebnis ist übrigens: Rund 80 % für Abschaffung der Sommerzeit, 17 % für Beibehaltung. Aber selbst wenn 100 % der Bevölkerung gegen die Zeitumstellung wären, könnte sie so wenig rückgängig gemacht werden wie die Rechtschreibreform. Das allgemeinste Interesse hat die geringste Chance, sich durchzusetzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.03.2013 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#22858

Wie ausländerfeindlich die Deutschen sind, hat eine neue Befragung ergeben:

22,7 Prozent stimmen der Aussage "überwiegend" zu, dass Deutschland "durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet ist", 14,5 Prozent stimmen ihr "ganz" zu.
Einen "Führer", der "zum Wohle aller mit starker Hand regiert", sehen sogar 14,5 Prozent positiv, teilweise 18,7 Prozent.
(http://www.heise.de/tp/artikel/38/38826/1.html)

Soweit der Wortlaut aus diesem Bericht hervorgeht, handelt es sich um Suggestivfragen mit dem Ziel, eine möglichst hohe Ausländerfeindlichkeit und Rechtsradikalität herauszubekommen. Die erste Frage unterstellt, daß der Ausländeranteil ein gefährliches Maß erreichen kann, daß also Ausländer überhaupt etwas Gefährliches sein könnten. Die zweite Frage konstruiert in ähnlicher Weise, daß eine Diktatur dem Gemeinwohl nützen könne. Das mag ja alles sein, aber es ist umstritten und darf nicht in die Befragung hineinkonstruiert werden.
 
 

Kommentar von P. Küsel, verfaßt am 29.01.2013 um 22.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#22508

Selbst die vermeintlich alternative taz veranstaltet solche Umfragen, täglich, unter dem Titel (geht es noch bräsiger?) »Entscheidung des Tages«:

[i]Rainer Brüderle muss sich bei der „Stern“-Journalistin entschuldigen, sollten die Sexismus-Vorwürfe, die sie gegen ihn richtet, wahr sein, fordern 90 Prozent der TeilnehmerInnen einer „Emnid“-Umfrage. Schließen Sie sich dieser Meinung an?

- Ja. Anzüglichkeiten im beruflichen Umgang gehen gar nicht.
- Ein Brüderle-Pardon wäre doch nur eine halbherzige Sache.
- Ich verstehe die Aufregung um Brüderle nicht[/i]

(http://www.taz.de/1/poll-popup/?tx_jkpoll_pi1[uid]=5031)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2012 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#21604

Die FAZ läßt so abstimmen:

Ist Peer Steinbrück der richtige Kanzlerkandidat gegen Angela Merkel?
– Ja, die SPD hat, wenn überhaupt, nur mit ihm eine Chance, die stärkste Partei zu werden.
– Nein, weil er zu stark polarisiert. Steinmeier hätte bessere Chancen gehabt.
– Es ist egal, mit wem die SPD antritt. Es gibt sowieso eine große Koalition.

Es fällt auf, daß die zweite Option sogar mit zwei Begründungen versehen ist. Die FAZ hatte ja früher durch Kurt Reumann und andere einen besonderen Draht zum Allensbacher Institut und sollte sich mit korrekten Umfragetechniken auskennen.

Ich habe mich dann auch noch an der Frage nach dem schönsten Philosophen beteiligt und mich natürlich für Sloterdijk entschieden. Und siehe da – die anderen haben denselben Scherz gemacht:

12% Richard Dawkins
19% Raphael Enthoven
13% Richard David Precht
18% Philipp Hübl
12% Bernhard-Henri Levy
26% Peter Sloterdijk

(Zwei Namen hatte ich noch nie gehört, aber schöner als Sloterdijk können ihre unbekannten Träger nicht sein.)
 
 

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