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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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22.02.2009
 

Griechisch für alle
Nochmals zur Fremdwortschreibung

In der Dudengrammatik S. 964 liest man beiläufig: constructio ad sensum, Konstruktion kata synesin – mit falschen Beispielen, ich habe das schon anderswo kommentiert.
Hier geht es mir um die Schreibweise der gelehrten Ausdrücke. Der lateinische ist als Zitat gerechtfertigt, der gemischte zweite ist, so könnte man wohl sagen, aus dem eingedeutschten Fremdwort Konstruktion und einem griechischen Zitatwort zusammengesetzt, daher letzteres klein geschrieben. Anders das Duden-Fremdwörterbuch 2005:
Constructio kata Synesin
Constructio ad Sensum
Constructio apo Koinu

Das erfordert nun schon einige Griechischkenntnis, denn der gewöhnliche Sterbliche dürfte kaum durchschauen, wie sich zum Beispiel das Apokoinu (so schreibt man doch gewöhnlich) zusammensetzt. Die Großschreibung wirkt, gerade wenn man ein wenig Griechisch versteht, künstlich. Und wieso die Rechtschreibung durch solche Änderungen einfacher geworden ist, müßten uns die Reformer wirklich einmal erklären.



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Kommentare zu »Griechisch für alle«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2019 um 13.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#41056

Auch zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1334#38969

Hekatomben junger Leute lernen das Programmieren. (Hirnforscher Christoph von der Malsburg in FAZ 13.3.19)

Die Armen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2018 um 05.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#38277

Auf den Gegenstand des vorigen Eintrags bin ich übrigens durch einen Roman von "Robert Galbraith" (J. K. Rowling) gekommen, der sich des Themas annimmt, wie denn auch der Held, Detektiv Strike, ein Kriegsamputierter ist und die Verfasserin sich wohl davon zu einer vertieften Beschäftigung mit solchen Behinderungen hat anregen lassen. Ich sehe normalerweise keine Krimis, aber Detektive und Kriminalpolizisten mit einem Handicap scheinen seit längerem Mode zu sein: Rollstuhl, absurd viele Neurosen (Monk) usw. Soll wohl interessant wirken und das bis zum Überdruß durchexerzierte Klischee aufbrechen.
 
 

Kommentar von Theodor ickler, verfaßt am 22.03.2018 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#38276

Amelotatismus (Wikipedia); dort weitere abenteuerliche Wortbildungen für Spielarten der sexuellen Fixierung auf „Menschen mit fehlenden Gliedmaßen“ (vgl. ein Butterbrot mit ohne Wurst; einmal Pommes mit ohne!) – Anderswo noch weitere Versuche in lateinisch-griechischer Wortbildung aus der deformationsfetischistischen Subkultur. Ebenso im Englischen: Body integrity identity disorder (BIID) usw.

Der Mensch soll sich durch Sprache und Kultur von anderen Tieren unterscheiden, aber ebenso bezeichnend ist die Vielfalt der sexuellen Neigungen, die man nicht mehr Perversionen nennen soll. Ein Besucher vom Mars mit dem Lehrbuch über irdische Fortpflanzung in der Hand käme aus dem Staunen nicht mehr heraus, vielleicht auch Lachen, falls es so etwas da oben gibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2018 um 04.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#37495

Teledildonik. Griechisch lebt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2017 um 07.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#37231

In seitem humanistisch-dünkelhaften, ressentimentgeladenen Büchlein über die alten Griechen (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#19802) schreibt Konrad Adam:

„... Schule – das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet freie, nicht verplante Zeit -“ (10)

Es bedeutete „Muße“, und es bedeutet heute die verplante Zeit der Kinder und Jugendlichen. Was soll die Etymologie?

Über die alten Griechen schreibt er: „Nichts war ihnen tiefer verhasst als das Rentnerideal von heute, das stille, satte, träge und selbstzufriedene Leben auf Kosten anderer.“ (13)

Doch, die Arbeit war ihnen verhaßt, dafür hatte man Sklaven und andere „Banausen“ (Handwerker). Andernfalls hätte Hesiod ja nicht die kühne These aufstellen müssen, Arbeit sei keine Schande.

Die Beschimpfung der Rentner kommt Adam wohl so mutig vor, wie es nur ein Altphilologe sein kann, der eben kein Anpasser, sondern rebellisch ist (S. 10).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2017 um 06.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#36095

Das überschwemmte Houston wird überall als "viertgrößte Metropole der USA" bezeichnet. Damit ist aber kaum mehr als "Großstadt" gemeint. Eine Metropole war ursprüngich die Mutterstadt, von der die Menschen auszogen, um Kolonien zu gründen. Heute zieht die Metropole Menschen vom Lande an und wird dadurch immer größer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2017 um 08.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#35656

Wenn Sie Ihre Matratze schützen wollen, ist ein Matratzenschoner ideal.

Auch dies geht letzten Endes auf Platons Ideenlehre zurück. Die verschlungenen Wege der Sprachgeschichte sind nicht vorhersehbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2016 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#33961

Die Dudengrammatik führt Acryl als griechisches Fremdwort. Im Duden online liest man:

Acryl – "zu Akrolein und griechisch hýlē = Materie, Stoff"

und

Akrolein – "zu griechisch ákros (Akrobat) und lateinisch olere = riechen"

Aber wie bringt man die Hyle darin unter? Es müßte ja Acrolyl oder so ähnlich heißen.

Vgl.

acrylic (adj.)
1855, "of or containing acryl," the name of a radical derived from acrolein (1843), the name of a liquid in onions and garlic that makes eyes tear, from Latin acer "sharp" (see acro-) + olere "to smell" (see odor) + -in (see -ine (2)). With adjectival suffix -ic. Modern senses often short for acrylic fiber, acrylic resin, etc.
(www.etymonline.com/index.php?term=acrylic&allowed_in_frame=0)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2016 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#33929

Eine der häufigsten "gelehrten" Fehlschreibungen ist ideosynkratisch statt idiosynkratisch. Vielleicht möchte man den Anklang an Idiot vermeiden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.08.2016 um 22.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#33117

Solche Nützlichkeitserwägungen dürften nur eine geringe Rolle gespielt haben.

Die vorgriechischen Wörter hatten wir schon mal erwähnt, plinthos, asaminthos usw.; Orts- und Personennamen zählen auch nicht recht, weil sie ebenfalls sozusagen am Gegenstand haften.

Viele Autoren der klassischen Zeit waren Puristen, sie hatten ein Ideal von "reinem Attisch" und lehnten Sprachmischung (nicht nur mit Nichtgriechischem) ab, aus welchen Gründen auch immer.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 16.08.2016 um 20.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#33116

Wenn eine Sprache zur Lingua franca eines großen Gebietes wird, erübrigt sich für deren Muttersprachler das Lernen von Fremdsprachen. Das gilt zeitlich nacheinander für Alt-Aramäisch, Altgriechisch, Lateinisch und Englisch.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 16.08.2016 um 19.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#33115

thalassa hat jedenfalls nichts mit dem sonst üblichen idg. Wort für Meer zu tun. Ich weiß gerade nicht, ob es sich auf eine andere Wurzel zurückführen läßt oder auch ein Fremdwort ist.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 16.08.2016 um 18.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#33113

von Lehnwörtern verhältnismäßig so frei ist natürlich ein dehnbarer Begriff. Aber schon das Labyrinth ist nicht griechisch, ebenso diverse Götter (Apoll,...). Auch die Namen etlicher Kulturpflanzen (kannabis, oinos, eilas, pp.) sind von anderen Völkern übernommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.08.2016 um 15.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#33111

Die frühen Stufen des Griechischen und des Indoiranischen (Arischen) waren einander noch hinreichend ähnlich - man muß sozusagen nur ein paar Schalter umlegen (Kentum – Satem, Vokalismus...), aber Hethitisch weicht so stark ab, daß man sich mit Kenntnissen der ersten beiden zuerst leider ziemlich dumm vorkommt. Aber allmählich erschließt es sich natürlich, darauf beruht ja die ganze Wissenschaft.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 16.08.2016 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#33109

Alle indogermanischen Völker haben bei der Einwanderung in neue Gebiete vorhandene Namen von den Einheimischen übernommen. Z.B. ist nach Joachim Latacz, Homer, "Odysseus" kein griechischer Name und wurden die "Fahrten des Odysseus" als Seemannserzählungen der Einheimischen übernommen, auch weil die Griechen das Seefahren erst von den Einheimischen gelernt haben. Die indogermanischen Sprachen Altpersisch und Hethitisch waren dem Altgriechischen sehr verwandt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.08.2016 um 08.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#33107

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#17590

„Eine fremde Sprache zu können war Zeichen unvollständigen Griechentums, und keine uns bekannte Kultursprache ist von Lehnwörtern verhältnismäßig so frei, wie die Sprache des Plato ud des Demosthenes.“ (Wackernagel Kl. Schr. I:530)

(Winckelmanns Paradox: Bloß kein Griechisch lernen! Die Griechen lernten auch keine Fremdsprachen...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2015 um 17.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#29451

Am IDS fand man es vor zehn Jahren schick, grafematisch zu schreiben – zugleich aber Phonetik. Wie es heute gehandhabt wird, weiß ich im Augenblick nicht. Sonst hat sich jedenfalls in der deutschen Sprachwissenschaft weder Fonem noch Grafem durchgesetzt. Viele schreiben allerdings von vornherein englisch, müssen dann allerdings die deutschen Beispielsätze übersetzen und hoffen auch meistens vergebens, international beachtet zu werden. Was nichts taugt, wird auf englisch nicht besser, im Gegenteil.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2015 um 17.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#28032

Aus nichtigem Anlaß versucht Ulrich Greiner wieder einmal, den Nutzen der "nutzlosen" Schulfächer zu beweisen. Diesmal ist alles auf die "Schönheit" ausgerichtet, die man lernen müsse usw. Nichts gegen die herkömmliche Bildung in all ihrer Zufälligkeit, aber Greiners Argumentation ist so idiosynkratisch und geschmäcklerisch wie schon früher. Es gibt hier einfach nichts zu begründen.

"Dem Hass auf das Schöne begegnen wir im Vandalismus der Sprayer, die jede renovierte Fassade markieren; in der Wut der Fundamentalisten, die Bildnisse gegnerischer Kulturen in die Luft sprengen."

Die meisten Graffiti sind schöner als die Wände, auf denen sie sich befinden, und die Islamisten haben nicht aus Haß auf das Schöne die Buddhastatuen gesprengt, sondern weil sie sie noch als religiöse Zeugnisse – eben "gegnerische", das widerspricht sich doch! – ernst genommen haben, wozu Greiner wie die meisten von uns nicht mehr imstande ist.

Hinzu kommt die Wirklichkeitsferne. Einige Leser erinnern sich, wie ihnen die schöngeistigen Fächer den Genuß des Schönen ausgetrieben haben. Muß nicht so sein, kommt aber oft genug vor. Abgesehen davon ist Greiners Ästhetik sehr traditionell, daher das Rosenkranz-Zitat: "Das Schöne ist die göttliche, ursprüngliche Idee." Wollen wir damit unsere Schüler traktieren? (Die finden vielleicht die Musik göttlich, die sie den ganzen Tag hören und oft auch selber machen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2014 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#26349

Roland Reuß: Ende der Hypnose. Frankfurt 2012.

Zitiert Griechisches in griechischen Buchstaben, aber wenn man genauer hinsieht, ist es nicht so eindrucksvoll: kurzes o in anthropoi, Verwechslung von Psi und Phi in einer sinnwidrig verkürzten Simonides-Zeile (es ist die bekannte in Platons Protagoras diskutierte).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.05.2014 um 17.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#25890

Pädagogischer Eros und pädagogischer Ethos geraten immer wieder in Konflikt miteinander. (WamS 25.5.14)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 29.04.2014 um 13.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#25718

Seit dem "Griechisch des Neuen Testamentes" werden die Zahlen 13 ... 19 nicht mehr mit nachgestelltem "kaideka" (und zehn), sondern mit vorangestelltem "deka" gebildet.

Eigentlich sollen alle deutschen Schüler Englisch lernen. Aber es ist eine neue Erschwerung entstanden, weil im Englischen die üblichen griechischen Wörter nach der wissenschaftlichen Transliteration geschrieben werden, also ph usw., während sie im Deutschen jetzt mit f usw. eingedeutscht geschrieben werden sollen. Mit Kindern kann man es ja machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2014 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#25714

Triskaidekaphobie (aus dem Griechischen für Dreizehn treiskaídeka und Furcht fóbos) (Manfred Spitzer: Rotkäppchen und der Stress. Stuttgart 2014:VI)

Warum sollte man auf deutsch Phobie, als Transliteration des Griechischen aber fobos schreiben? Und warum Dreizehn groß?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.02.2014 um 12.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#25167

Ein Paragraf ist ein fascher Graf, das jedenfalls bedeutet "para".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.02.2014 um 07.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#25165

Juristen warnen vor einer Verschärfung des Paragrafen zur Kinderpornographie. (Welt 17.2.14)

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2014 um 18.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#24778

Als Sokrates gefragt wurde, wie er eigentlich Xantippe, seine keifende Gattin, finde, antwortete er lakonisch: "Im Vergleich zu wem?" (Josef Joffe in der ZEIT 28.11.13)

Abgesehen von der falschen Schreibung: Wo ist diese Anekdote eigentlich überliefert? Bei Platon ja nicht, bei Xenophon habe ich sie auch nicht gelesen, und bei der Klatschbase Diogenes Laertios habe ich sie auch nicht gefunden.

Man hat ja auch versucht, die Frau zu rehabilitieren, zuletzt von feministischer Seite, aber da wir nichts Näheres über sie wissen, kann es sich nur darum handeln, eine Phantasie durch eine andere zu ersetzen. (Sicherlich unbemerkt vom Verfasser hat sich noch die Pointe eingestellt, daß der Athener "lakonisch" antwortet!)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2013 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#24414

Die Diskussion um den Limburger Bischof bietet wieder reichlich Gelegenheit, das Wort Diözese falsch zu sprechen und zu schreiben.
Vor der Rechtschreibreform waren die sehr dicken und sehr teuren Bände der Reihe "Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft" (de Gruyter) noch recht ordentlich gedruckt. Allerdings wurde dem 2. Band der Sprachgeschichte (1985) ein Zettel Korrigenda zum 1. Band beigelegt: "In der Legende ist viermal Diözese (statt Diozöse) zu lesen."
Das kann uns nur ein mildes Lächeln abgewinnen, wenn wir an die katastrophalen Zustände in den rechtschreibreformierten Bänden denken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.06.2013 um 06.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#23497

Als im letzten Jahr Peter Wapnewski gestorben war, erzählte der Tagesspiegel in einem Nachruf, wie der Privatdozent den Ruf nach Harvard abgelehnt habe:

Zu groß war die Besorgnis, es möge ihm „unheimelig“ werden vor einem Auditorium, dem Hekabe letztlich doch wohl Hekuba bleiben würde.

Nicht sehr gelungen.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 15.10.2012 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#21704

Von Herrn Dr. Werner Voigt erreichten mich per E-Mail folgende Anmerkungen:

Der Bergname kommt wahrscheinlicher von ngr. psilós 'hoch' < agr. hypsêlós als von agr. psilós 'kahl, baumlos', obwohl letzteres nicht unmöglich wäre. Im Ngr. bedeutet psilós aber nicht mehr 'kahl, baumlos', sondern 'klein, fein, dünn' (psilá 'Kleingeld') und ist auch nicht in allen Landesteilen üblich, offensichtlich, weil die Kollision mit dem Adj. für 'hoch' störte.

Es müßte sich dann die alte Bedeutung in diesem seit dem Altertum bestehenden und erstarrten Namen erhalten haben. Der antike bekannte Name ist ausgerechnet Ida bzw. Idê 'Wald' oder 'Waldberg' – von diesem Waldgebiet ist fast nichts mehr erhalten. Der Name Ida ist in leicht modifizierter Form Nida dialektal erhalten. Sachlich würde 'kahl' evtl. zutreffen, ist aber aus sprachlichen Gründen unwahrscheinlicher. Die ngr. Schreibweise ist denn auch Psêloreítês (der höchste Berg des Massivs), d.h. mit Eta, wird also als 'hoch' verstanden.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 30.08.2012 um 11.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#21347

Ach so, danke! Ich hatte mit einer Ableitung aus altgriechisch psilós gerechnet, zumal "kahl" einleuchten würde. Darauf ist offenbar auch der spanische Wikipedia-Verfasser hereingefallen ("ohne Bäume").
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 30.08.2012 um 10.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#21346

Auf ngr. heißt hoch ´psilos´, der Superlativ ist in der Tat nicht so recht einsichtig.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 30.08.2012 um 07.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#21345

Im Wikipedia-Artikel Psiloritis (ein Berg auf Kreta) wird der Name als "der Höchste" übersetzt. In der englischen Wikipedia heißt es "high mountain", in der italienischen "il più alto", in der niederländischen "hoogste". Wie kommen die Leute auf "hoch" oder "höchster"? In der spanischen Version wird mit "sin árboles" übersetzt. Meiner Meinung nach sollte da "Kahler Berg" stehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2012 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#19812

Konrad Adam schreibt in dem genannten Bändchen auch:

(Die griechische Kultur) „nahm bis in die allerjüngste Zeit eine herausragende Stellung im Bildungsprogramm derjenigen Länder ein, die sich zum Westen zählten, und hätte diesen Ehrenplatz wohl nie verloren, wenn nicht einige progressive Bildungsplaner auf den Einfall gekommen wären, den Wert einer Kultur nach der Zeit zu bemessen, die uns von ihr trennt.“ (Konrad Adam: Die alten Griechen. Reinbek 2008:177)

Das ist doch ganz unwahrscheinlich. Der Niedergang der humanistischen Bildung mit den beiden alten Sprachen als Kern ist bestimmt nicht durch einige Bildungsplaner (Adam hackt ja gern auf 1968 herum) verursacht oder auch nur beschleunigt worden.

Orthographisch bemerkenswert:

Damit hatten sie gar nicht so Unrecht. (110)

Beigabe zu einer Hand voll Kühen (83)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 02.01.2012 um 19.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#19803

Nachdenklich macht mich die Tatsache, daß es damals keine zusätzliche Volkssprache in Form eines Vulgärgriechisch gab, aus dem sich irgendwelche Nachfolgesprachen entwickelt haben. Griechisch muß wohl zugleich Volkssprache gewesen sein. Griechisch war der Haupt-Fremdwort-, -Lehnwort und -Lehnübersetzungsgeber für die slawischen Sprachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2012 um 18.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#19802

„Beides, ihr Formenreichtum und ihre Systematik, unterscheidet die griechische von den anderen Sprachen, die damals, vor zweieinhalb Tausend Jahren, im östlichen Mittelmeerraum in Umlauf waren. Und beides begründete das starke Selbstbewusstsein, das die Griechen gegenüber den von ihnen so genannten Barbarenvölkern an den Tag legten. Barbaren, das waren die Leute, die sich nicht nur anders, sondern auch schlechter, ungepflegter, weniger differenziert ausdrückten als die Griechen, die eben „bar-bar“ machten, wo sie selbst sprachen.“ (Konrad Adam in der Welt 18.9.2006, als gekürzter Vorabdruck aus seinem Buch „Die alten Griechen“, dort steht es ausführlicher auf S. 18)

Aber das Persische hatte zu jener Zeit ungefähr denselben Formenbestand wie das Griechische. Die Griechen hätten wohl auch die ausgefeilte Wissenschafts- und Kunstsprache der Inder für "barbarisch" gehalten. Adam stützt sich in diesem Kapitel auf Bruno Snells Deutung der „Überlegenheit“ des Griechischen, auf der dann auch die Entwicklung der Wissenschaften usw. beruht habe – ein windiges Vaticinium ex eventu, das heute wohl kaum noch Beifall findet.

Zum griechischen Medium sagt er: „...das Medium, das den Rückbezug auf das Subjekt des Satzes deutlich macht: 'politeuo' heißt 'Bürger sein', 'politeuomai', das Medium dagegen 'Sich als Bürger betätigen'.“ Zwar kann das Medium manchmal mit Hilfe eines deutschen Reflexivums wiedergegeben werden, aber das ist dann bloß Zufall. Im vorliegenden Fall zum Beispiel kann erstens keine Rede davon sein, daß jemand etwas, nämlich sich selbst, als Bürger betätigt. Und zweites ist die Übersetzung sowieso falsch. politeuomai heißt 'ich betreibe Politik, setze eine bestimmte Politik durch' usw. Also nichts da von Rückbezug.

Ich lasse mich in meiner Liebe zum Griechischen nicht gern übertreffen, aber es ist für mich eine Sprache wie jede andere. Was die überragenden Schriftsteller damit angefangen haben, ist wieder eine andere Sache.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2010 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#17590

In einem damals stark diskutierten Plädoyer für humanistische Schulbildung schrieb Ulrich Greiner (DIE ZEIT 2000):

„In dem Philosophenstreit über das eugenische Potenzial der Biotechnik spielte die Antike eine zentrale Rolle, zweitausend Jahre alte Gedanken wurden wieder aktuell. Nicht allein in der Auseinandersetzung mit Nietzsche, der ein Altphilologe war, sondern vor allem im Rückgriff auf Platon. Möglichst viele sollten den Politikos, auf den sich Sloterdijk bezog, im Original lesen können. Dann könnte man darüber streiten, ob Sloterdijks Interpretation stimmt.“

Aber wen interessiert es, ob Sloterdijks Platoninterpretation stimmt? (Gemeint war sicherlich die „Politeia“ und nicht der „Politikos“.) Sogar der ganze „Philosophenstreit“ ist, wie schon der Name sagt, nicht der allgemeinen Beachtung wert. Über Biotechnik und Eugenik kann und muß man ohne die Kenntnis der Philosophiegeschichte reden.

Platon war übrigens kein Verfechter humanistischer Bildung. Seine Leitwissenschaft war die Mathematik. Die alten Griechen sind nicht gerade als große Nachahmer bekannt, weshalb Winckelmanns „Nachahmung der Griechen“ ja schon immer etwas Paradoxes hatte.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 21.11.2009 um 10.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#15300

Ein ähnlicher Fall ist das Bakterium Helicobacter pylori, das hier und dort als Heliobacter pylori weitergereicht wird. Beispiel:
http://dictionary.reference.com/browse/heliobacter+pylori
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.11.2009 um 17.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#15298

Mit "heterodromoi" sind wohl "unterschiedliche" Marathonläufer gemeint, also Damen und Herren gleichzeitig in einem Rennen, aber vermutlich mit unterschiedlichen Wertungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2009 um 11.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1109#15297

Aus einem Bericht über Marathonläufe:

"die Geschichte des heterodromoi, des Tagesläufers" (SZ 19.11.09) (gemeint ist hemerodromos)
 
 

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