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Blüthen der Thorheit

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05.09.2017
 

Peter Schmachthagen
Nicht alles ist falsch, was wie falsch aussieht

Ist die neue Rechtschreibung leichter als die alte? Auch die Reform hat ihre Tücken, aber sie ist systematischer.

Ich will mich nun nicht bis Weihnachten an dem Diktattext festhalten, den ich an dieser Stelle vor 14 Tagen präsentiert habe und der allem Anschein zum Trotz nach amtlichem Regelwerk keinen einzigen Fehler aufwies. Ein Lehrer hätte in einer Klassenarbeit also keine Form und keine Schreibweise anstreichen dürfen, selbst wenn es an manchen Stellen auch noch eine andere (fakultative, der eigenen Wahl überlassene) Möglichkeit gegeben hätte wie so dass statt sodass oder von Seiten statt vonseiten. Doch die meisten Schreibweisen und Flexionen waren obligatorisch (zwingend vorgeschrieben), und viele waren es bereits vor der Rechtschreibreform. Schon damals bekam der Postillion ein "i" nach dem Doppel-l im Gegensatz zu brillant oder Billard, schon damals war das "t" in Zeitläufte kein Tippfehler, und schon damals hieß es wegen Getränken, aber wegen alkoholfreier Getränke.

Ich wollte Sie nicht aufs Glatteis führen, sondern demonstrieren, dass nicht alles falsch ist, was wie falsch aussieht. Das erinnert mich an ein ähnlich hinterhältiges Unternehmen. Zur Einführung der Reformschreibweise in den Medien hatte ich im Juli 1999 im Abendblatt ein Rechtschreibquiz nach alter Norm gebastelt. Es bestand aus 40 einzelnen Ausdrücken und Fügungen, hinter denen zwei Kästchen standen, eins für richtig, eins für falsch. Die Leser sollten also nur jeweils ein Kreuz machen, ob die Schreibweise nach den Regeln des Jahres 1901 richtig oder falsch sei. Das höchste Gebot waren acht Richtige, doch alle 40 Beispiele waren nach damaliger Norm richtig – nur hatte es niemand geglaubt. Der Duden, der seinerzeit die alleinige orthografische Entscheidungsgewalt besaß, hatte sich zwischen den Manierismen des "Spiegels" und den Druckfehlern des "Mannheimer Morgens" derart verlaufen, dass niemand (wirklich niemand!) das Labyrinth des Regelwerks hundertprozentig durchschauen konnte ("in bezug, mit Bezug, den Tip auf den Tippschein schreiben, als toller Tolpatsch herumtollen, am Dienstag abend [an einem bestimmten], am Dienstagabend [an jedem]" etc.).

Eine Rechtschreibreform tat not. Nun könnte man angesichts meines Textes sagen, danach sei es nicht leichter geworden – mag sein, aber systematischer. Die Dudenredaktion hat der 27. Auflage ihres Rechtschreibbandes ein kleines Faltblatt mit dem Titel "Deutsche Rechtschreibung in Kürze" beigelegt, in dem neben "111 Wörtern, die häufig falsch geschrieben werden" alle Regeln kurz angerissen werden. Folgt man ihnen logisch, braucht man den Duden für 26 Euro wirklich nur noch, um die Zeichenfolge von Diphthong oder Portemonnaie nachzuschlagen.

Im Jahre 1901 sorgte das Radfahren für ein Gewimmel auf den Straßen, sodass das Verb "radfahren" zusammengeschrieben werden sollte. Autos gab es kaum, also hieß es "Auto fahren". Das Gleiche betraf "eislaufen", das Verb für eine verbreitete Freizeitbeschäftigung, während "Ski laufen" als das Gerutsche bairischer Bergbauern galt. Heute werden Verbindungen aus Nomen und Verb getrennt geschrieben, wenn das Nomen als eigenständig betrachtet wird: Rad fahren, Auto fahren, Ski laufen.

Leider bekam diese Regel eine Ergänzung: Verbindungen aus Nomen und Verb schreibt man zusammen, wenn das Nomen als verblasst angesehen wird: eislaufen, kopfstehen, teilhaben. Jahrelang plagte mich die Vorstellung, dass bei der Fahrrad-über-alles-Politik des rot-grünen Senats das Verb "radfahren" wieder zusammengeschrieben werden könnte. Zum Glück wird niemand im Rathaus das Fahrrad als "verblasst" ansehen.

Verbindungen aus Verb und Verb schreibt man getrennt, jedenfalls in der Regel: spazieren gehen, laufen lernen, schreiben üben. Die Reform der Reform 2006 hat uns eine fakultative Überflüssigkeit beschert: Verbindungen mit "bleiben" und "lassen" können (können!) zusammengeschrieben werben, wenn die Verbindung im übertragenen Sinne gebraucht wird: stehen lassen (keinen Stuhl anbieten), aber stehenlassen (nicht beachten). Als Ausnahme soll kennenlernen ein Wort sein, muss aber nicht. Verbindungen mit "sein" schreibt man immer getrennt: da sein, dabei sein, hier sein.

deutschstunde@t-online.de


Quelle: Hamburger Abendblatt
Link: https://www.abendblatt.de/meinung/article211821209/Nicht-alles-ist-falsch-was-wie-falsch-aussieht.html

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Kommentare zu »Nicht alles ist falsch, was wie falsch aussieht«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2018 um 17.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2024

„Früher sagten wir: Eine Apposition steht in Kommas. Dummerweise muss die Apposition heute kein schließendes Komma mehr haben. Sie sollten das Weglassen von Kommas, die den Satz eindeutig gliedern und leichter lesbar machen, allerdings ganz souverän missachten.“ (Schmachthagen 20.11.18)

Kein schließendes Komma mehr? Woher stammt denn das?

„Folgt der Eigenname einem Titel, einer Berufsbezeichnung und dergleichen, so kann man nach § 78(4) das Komma weglassen:
Der Erfinder der Buchdruckerkunst(,) Johannes Gutenberg(,) wurde in Mainz geboren.“ (§ 77 E1)

Dazu:
„§ 78 (4) Eigennamen, die einem Titel, einer Berufsbezeichnung und dergleichen folgen (siehe auch § 77(2)):
Der Erfinder der Buchdruckerkunst(,) Johannes Gutenberg(,) wurde in Mainz geboren. Der Direktor der Kinderklinik(,) Professor Dr. med. Max Müller(,) war der Gesprächspartner. Der Angeklagte(,) Franz Meier(,) verweigerte die Aussage. Die Hebamme des Dorfes(,) Gertrud Patzke(,) wurde 60 Jahre alt.“
-
Das ist offensichtlich von Grund auf verkehrt. Der Erfinder der Buchdruckerkunst, Johannes Gutenberg,... ist grammatisch zweideutig. Erstens kann es als appositive Konstruktion verstanden werden. Dann wird die Person schon durch den ersten Nominalausdruck identifiziert und durch den zweiten erläutert. Oder als etwas, was ich in Ermangelung anderer Begriff „Applikation“ nenne, genau wie der Erfinder Gutenberg. Hier wird durch den ersten Nominalausdruck nichts identifiziert, weshalb auch kein nämlich eingefügt werden kann. Vielmehr rubriziert der erste den zweiten Ausdruck (bzw. dessen Gegenstand) wie Gattung und Art bzw. hier Klasse und Exemplar: der Schädling Borkenkäfer, der Planet Mars; übrigens auch mein Onkel Hans usw. („enge Apoosition“, wie fast alle Grammatiken es fälschlich nennen).

Ich sehe gerade, daß ich mein Kapitel über die Apposition noch nicht eingefügt habe; es folgt in Kürze unter "Grammatische Exerzitien 14".

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.11.2018 um 19.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2023

Das & hat auch einen Namen – kein Wunder, daß Meyer ihn nicht kennt.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2018 um 18.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2022

In seiner gestrigen Deutschstunde beschäftigt sich Schmachthagen wieder mal mit den sogenannten trennbaren Verben, wozu er auch kopfstehen, leidtun usw. zählt. Er spricht dann von "Tmesis", weil er eben Rechtschreibung und Wortbildung nicht auseinanderhalten kann. Leider sagt er kein Wort zu den seinerzeit verordneten Groß- und Getrenntschreibungen, obwohl ihm die Reform von 1996 doch so lieb und teuer ist.- Ich will auf den ganzen Unsinn nicht noch einmal eingehen.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2018 um 06.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2021

Das Zeichen für das kaufmännische Et (&) darf nur in Firmennamen verwendet werden. Eine Überschrift wie „Sonne, Strand & goldener Sommer“ wäre typografisch ein Fauxpas. (Schmachthagen 13.11.18)

Es wird nach amerikanischem Vorbild immer öfter auch in bibliographischen Angaben mehrerer Verfasser verwendet. Überschriften sind aber sowieso kein gutes Beispiel.

 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.11.2018 um 01.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2019

Diesmal muss ich die Beantwortung der Fehlermeldungen fortsetzen […]
Der Mann hat wirklich schwer zu tragen. Als Fehlermelder die Fehler anderer Fehlermelder korrigieren zu müssen ist ein hartes Brot. Aber was tut man nicht alles im Namen der guten Sache!

Ein alter Herr schrieb […]
Er kann es nicht lassen (s. #2004).

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.11.2018 um 03.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2018

A propos Schoebe: Sofort nach Bekanntwerden der Rechtschreibreform 1996 stellten die Schulbuchverlage ihre Produktion um, Fristen hin oder her. So auch Schoebes "Verstehen und Gestalten"; "In neuer Rechtschreibung". Ab 1997 war dann nichts anderes mehr auf dem Markt. So wurden Tatsachen geschaffen, wie es die Reformer ja aus intimer Kenntnis des Schulwesens auch beabsichtigt hatten.

Man kann heute noch für einige Cent diese hastig umgestellten Bücher erwerben. Erst kürzlich habe ich ein paar Regalmeter Schulbücher aus meiner Referendarszeit weggeworfen, auch "Verstehen und Gestalten", natürlich noch unreformiert. Damals sagte mir ein Verlagsvertreter, die Zulassung eines Schulbuchs sei eine Lizenz zum Gelddrucken. Sie erfolgt auf Grund von Gutachten anderer Lehrer, denen man dann auch wieder gefällig ist usw. Auch von einer "rechtlichen Grauzone" war damals oft die Rede. Andererseits galt es als fortschrittlich, gerade nicht mit dem Buch zu arbeiten. Nur angeschafft mußten sie werden.



 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2018 um 18.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2017

Diesmal muss ich die Beantwortung der Fehlermeldungen fortsetzen, die von den Lesern eifrig, manchmal ein wenig zu eifrig aufgesammelt werden, die aber gar keine Fehler sind. Ein alter Herr schrieb, ein Wort werde nicht „großgeschrieben“, sondern „groß geschrieben“. Der Herr irrt – oder sagen wir besser: Er hat die orthografischen Zeitläufte nicht mitbekommen. (6.11.18)

Warum wirkt Schmachthagen so kleingeistig? Gerade weil er die „orthografischen Zeitläufte mitbekommen“ hat und dies immer wieder herausstreicht. Die Einfälle der Kultusminister sind ihm oberstes Gebot. Zwar kennt er sie nur unvollkommen (das Original gar nicht, er hält sich immer an den Duden), aber er ist fest entschlossen, ihnen zu gehorchen, und das seit zwei Jahrzehnten, mit allen Windungen. Mich erinnert das an einen anderen Hamburger Rechtschreibkünstler: „Ich werde der Norm gehorchen, weil sie die Norm ist.“

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2018 um 08.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2016

Schmachthagen 6.11.18:
Jetzt lautet die Regel: Die Wortgruppen Adjektiv (oder Partizip) und Verb werden zusammengeschrieben, wenn das Adjektiv in einer Verbindung weder steigerbar noch erweiterbar ist.
(Daher großschreiben)
Einige Zeilen später:
getrennt schreiben (als Gegenteil von zusammenschreiben)
Aber hier kann man doch auch nicht erweitern oder steigern? Macht nichts!

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2018 um 15.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2015

Schmachthagen 29.10.18:

Schreibt man „70jähriges Jubiläum“ bzw. „70-jähriges Jubiläum“ mit oder ohne Bindestrich?, wollte eine Leserin wissen. Im Prinzip mit Bindestrich, doch der Ausdruck ist falsch. „-jährig“ bedeutet eine ununterbrochene Zeitspanne, „-jährlich“ dagegen ein in bestimmtem Abstand wiederkehrendes Ereignis. Also: die jährliche (zu Johanni wiederkehrende) Pachtzahlung, aber die dreijährige (ununterbrochene) Pachtdauer. Ein „70-jähriges Jubiläum“ müsste demnach als 70 Jahre ohne Pause dauerndes Fest gefeiert werden, was ebenso unwahrscheinlich wie finanziell unerschwinglich wäre. Gefeiert wird das „70-jährige Bestehen“.
Man kann von einem „60-jährigen Mann“ schreiben, denn er lebt von der Geburt bis heute ununterbrochen, aber nicht von einem „60-jährigen Oberstudienrat“, sondern nur von einem „60 Jahre alten Oberstudienrat“, denn es ist kaum anzunehmen, dass ein 60-Jähriger bereits seit 60 Jahren Oberstudienrat ist. Doch man weiß ja nie. Die Hamburger Bildungspolitik wird es noch schaffen, dass die Abiturienten beim Schulabgang gleich das Staatsexamen mitgeliefert bekommen.


Ein 70jährliches Jubiläum wäre also ein Jubiläum, das alle 70 Jahre wiederkehrt. Das ist aber normalerweise nicht gemeint. Belegt ist praktisch nur „50jähriges Jubiläum“, nicht „50jährliches Jubiläum“ (neuerdings alles mit Bindestrich, das ändert aber nichts). Welcher Priester feiert alle 50 Jahre sein 50jährliches Priesterjubiläum? Ihr 50jähriges haben schon tausende gefeiert.
Ein 60jähriger Mann wäre nach Schmachthagen jemand, der seit 60 Jahren ein Mann ist. Biologisch trifft das meistens zu, insofern auch ein Junge von zwei Jahren männlich ist...
Schmachthagen hat sich mal wieder vergaloppiert, weil er glaubte, eine schulmeisterliche Logik anwenden zu müssen, ohne sich mit der Semantik der Adjektivbildungen zu beschäftigen.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2018 um 10.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2014

Ich würde mich zwar eher als Germanist bezeichnen (...) (Schmachthagen 16.10.18)

O weh! Damit verstößt er gegen seine eigene normative Grammatik, die hier den „Germanisten“ verlangt. In der nächsten Deutschstunde wird er auf entsprechende Zuschriften eingehen müssen.

 

Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 05.10.2018 um 21.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2013

"Wahrheiten, die uns nur durch Kunst bewußt werden"

(faz.net, 5.10.2018, http://www.faz.net/-gwz-9era7)

 

Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 05.10.2018 um 21.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2012

"Obwohl Eigentümer des Waldes, hätte RWE mit dessen Rodung unzulässig früh Fakten geschaffen. Im Kern, so eine Münsteraner Richterin gegenüber der F.A.Z., habe man zwischen Naturschutz und Energieversorgung abwägen müssen. Das Letztere ohne Rodung in Gefahr gerate, habe das Unternehmen nicht hinreichend belegen können – auch, weil der Tagebau auf den anderen rund 85 Quadratkilometern Kohlebergbau nordwestlich des Forsts weiter möglich sei."

Das mit dem ss wird nie funktionieren...

(faz.net, 5.10.2018, http://www.faz.net/-gqi-9f5mk)

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2018 um 14.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2005

Schmachthagen kann es nicht verwinden, daß die schöne Reform von 1996 revidiert wurde. Außerdem erfahren wir aber nun, warum der Rat für deutsche Rechtschreibung eingerichtet wurde:

Als die Rechtschreibreform mit einigen Verbesserungen im Juni 2004 von den Kultusministern endgültig in Kraft gesetzt worden war, leistete sich in Berlin das damals größte Zeitungs- und Zeitschriftenhaus eine Rolle rückwärts und beschloss, mithilfe seiner publizistischen Macht am Kiosk und auf dem Boulevard die neue Rechtschreibung zu kippen.
Daraus entstand sowohl der Rat für deutsche Rechtschreibung in Mannheim, der in diesen Tagen gerade über den Gender-Stern grübelt, als auch am 1. August 2006 eine Reform der Reform, die zwar an der ersten Reform nichts änderte, uns aber eine Fülle von fakultativen (der eigenen Wahl überlassenen) Schreibweisen bescherte.
(Abendblatt 7.8.18)

Außerdem:

Ich will trotz unzähliger orthografischer Einsätze und Artikel im Auftrag des oben erwähnten Konzerns nicht überheblich werden, aber mich beschleicht beim Lesen mancher dieser 20-Jahre-Jubiläumsartikel der Verdacht, dass den Autoren/-innen die nötigen Kenntnisse über die Änderungen fehlen. Bei ihnen ist es dann eh egal, ob sie die alte oder die neue Rechtschreibung nicht beherrschen.

Letzteres hat er bekanntlich in den letzten 20 Jahren unzähligemal wiederholt, es muß ihm als besonders gelungen erscheinen.

 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 01.08.2018 um 00.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2004

Es ist gar nicht so leicht, in Würde zu altern. Um ja nicht alt zu wirken, versuchen manche krampfhaft, Verhaltensweisen der Jungen nachzuäffen. Das reicht von unpassender Kleidung bis hin zur Bekundung von Sympathie für Standpunkte, die man eigentlich nicht teilt. Man muß schließlich mit der Zeit gehen, nicht wahr? Wenn das alles nicht reicht, macht man zusätzlich diejenigen Altersgenossen verächtlich, die dieser Versuchung widerstanden und sich ein eigenes Urteil bewahrt haben. Sie müssen dann als Feindbild herhalten. Ich will nicht psychologisieren, und vielleicht liege ich auch falsch, aber das scheint mir in diesem Fall doch eine große Rolle zu spielen.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2018 um 11.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2003

Es gibt eine neue Redewendung, die mir zwar nicht um die Ohren, aber vielfach mit Empörung und Nachdruck ins Postfach fliegt: „In der Schule habe ich früher gelernt, dass …“ Meistens wird die Konjunktion auch noch mit Eszett als „daß“ geschrieben, was gewisse Rückschlüsse auf das Alter und die Aktualität der orthografischen Kenntnisse bei den Einsendern zulässt, aber die heutige Gültigkeit der dargebotenen Regeln und Eselsbrücken nicht erhöht. (Schmachthagen 24.7.18)

Keine Sorge, Herr Schmachthagen, diese Volksschädlinge werden der biologischen Lösung zugeführt, dann können Sie ungestört die Aktualität Ihrer orthographischen Kenntnisse genießen!
(Wenn er die Rechtschreibreform noch hinnähme wie ein vielleicht notwendiges Übel! Aber Schmachthagen hat sich von Anfang an mit der Reform – d. h. mit dem jeweils neuesten Duden – identifiziert, als wäre sie sein eigenes Kind, und aus dieser Position heraus die Reformkritiker mit gehässigen Kommentaren bedacht. Diesen Typus verkörpert er nun mal.)

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.07.2018 um 18.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2002

„Bei Wortpaaren, die als formelhafte Einheit anzusehen sind, bleibt das erste Glied ohne Flexionsendung: die Dichter des Sturm und Drangs; der Wert meines Grund und Bodens; die Verwendung (?) seines Fleisch und Blutes.“ (Schmachthagen)

Aber des Sturms und Drangs kommt sehr oft vor, auch in der Literaturwissenschaft und in Buchtiteln. Auch seines Fleisches und Blutes ist viel häufiger als seines Fleisch und Blutes. „Falsch“ (Schmachthagen) kann man das nicht nennen.


 

Kommentar von R. M., verfaßt am 17.05.2018 um 21.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#2000

Die Duden-Empfehlungen haben natürlich nichts damit zu tun, ob eine Variante »gängiger« ist als die andere.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2018 um 19.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1999

Doch innerhalb Ihres Briefes, bei der Korrespondenz in einer Firma und erst recht in einer Zeitung, deren einzelne Teile an verschiedenen Orten hergestellt werden, sollte man sich nach einer einheitlichen Empfehlung richten, nach einer Quelle, die überall vorhanden ist. Das ist der Rechtschreibduden (aktuell in der 27. Auflage, auch digital erhältlich), der bei fakultativen Schreibweisen und Fügungen die seiner Meinung nach gängigste gelb markiert. An diese Empfehlung müssen wir uns halten, wollen wir eine Publikation oder ein Schriftstück einheitlich gestalten. Selbst Ältere, die wie ich die ersten Wörter noch im Luftschutzkeller gelernt haben, haben sich zähneknirschend damit abzufinden, dass sie "vonseiten, infrage, mithilfe" zusammen-, "zu Hause" aber getrennt schreiben sollen. (Schmachthagen)

Wie komisch, daß dieser gehorsamste Anhänger der Reform ganz gegen die Absicht der Reformer den Duden zur höchsten Instanz erhebt!

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2018 um 17.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1990

Schmachthagens normative Darstellung geht natürlich weit über den wirklichen Kasusgebrauch hinaus. Typischer Sprachmeisterer, wie Eduard Engel sagen würde.

 

Kommentar von MG, verfaßt am 05.04.2018 um 21.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1989

Wenn man nicht alles selber macht ...

... dann setzt einem die Redaktion genau den "Fehler", den man in seiner Kolumne aufspießt, in den Untertitel.

"Trotz des Dudens besten Wollens ..." muß das natürlich heißen. Etwas anderes können wir bei aller Liebe nicht als übliches Norddeutsch akzeptieren, denn der Genitiv ist ja bekanntlich dem Dativ sein Feind.



https://www.abendblatt.de/meinung/article213905277/Wenn-die-Rektion-den-Kasus-strammstehen-laesst.html

Meinung
03.04.18
Deutschstunde
Wenn die Rektion den Kasus strammstehen lässt

Peter Schmachthagen

Der Verfasser ist „Wortschatz“-Autor und früherer Chef vom Dienst des Abendblatts. Seine Sprachkolumne erscheint dienstags

Trotz des Dudens bestem Wollen bleibt die Beugung der Wörter nach Präpositionen häufig ein Rätsel der Grammatik.

"Trotz krassem Auftakt ungewohnt gefühlvoll", so rezensierte eine Fernsehzeitschrift einen Film im Ersten Programm. Die Rezension mag stimmen, die Grammatik aber nicht. Nach heutigem Sprachverständnis steht die Präposition trotz nicht mit dem Dativ, sondern mit dem Genitiv, ja sie "steht" nicht nur mit dem Genitiv, vielmehr fordert sie den Genitiv. Also hätte es "trotz krassen Auftakts" heißen müssen.

Eine solche Forderung lässt sich nicht mit dem Gerichtsvollzieher durchsetzen, scheidet aber die ungefilterte Umgangssprache von der gehobenen Schriftsprache und zeigt an, in welchem Sprachniveau unser Gegenüber sich bewegt. Diese Forderung nach einer bestimmten Form und Eigenschaft eines abhängigen Ausdrucks nennt man die Rektion. Am häufigsten tritt die Fähigkeit, die Flexion (Beugung) eines abhängigen Wortes im Satz zu bestimmen, als Kasusrektion auf. Der Kasus (Fall) des abhängigen Wortes hängt also von dem Wort ab, das es aufgerufen hat. Die Kasusrektion finden wir bei den Präpositionen, Verben, Substantiven sowie Adjektiven und Partizipien. Werfen wir zuerst einen kurzen Blick auf die Rektion der Verben, die wir mit der Muttersprache aufgesogen haben, die für Fremdsprachler aber stets eine Herausforderung darstellt.

Wie Sie wissen, fordert die Rektion des Verbs kosten den Akkusativ: Dieser Schritt kostete ihn das Leben. Und wenn Sie noch so oft nach dem "Wem" fragen – die Rektion von "kosten" zwingt "ihn" in den Akkusativ. Andere Verben können mit dem Dativ verbunden sein: Ich helfe "dich"? Nein, ich helfe dir (Dativ)! Besonders peinlich ist es, wenn die Rektion des Genitivobjekts der Sprachschluderei zum Opfer fällt, zum Beispiel nach den Verben gedenken oder bedürfen: Der Senat gedachte des Falls der Mauer (bitte, bitte nicht "dem Fall") – oder: Es bedurfte nur eines Wortes (wessen?).

Zurück zu den Präpositionen (Verhältniswörtern). Jede Präposition regiert einen oder mehrere Kasus, ist also kasusfordernd, wobei verschiedene Kasus auch zu verschiedenen Aussagen führen: Er liegt auf dem Sofa (wo? Zustand) oder: Er legt sich auf das Sofa (wohin? Tätigkeit). Bei der Präposition trotz sollten wir uns auf den Genitiv konzentrieren: Sie gingen trotz des Regens in den Garten; trotz aller gegenteiligen Behauptungen. In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz ist allerdings noch die Dativ-Rektion üblich, was wir aber bei aller Liebe zu den Bayern nicht als korrektes Hochdeutsch akzeptieren wollen: "Trotz dem Regen" gingen die Münchner viel spazieren.

Die Rektion der Präposition trotz ist im Laufe der Zeit vom Dativ in den Genitiv gewandert. Dass der Dativ die ältere Rektion darstellt, zeigen noch die festen Fügungen trotz allem und trotz alledem sowie das Adverb trotzdem. Korrekt ist der Dativ, wenn trotz vor einem unbegleiteten starken Substantiv im Plural steht (trotz Beweisen, trotz Kindern). Wird das Substantiv im Plural jedoch von einem Artikelwort oder Attribut begleitet, ist wieder der Genitiv angesagt: trotz erdrückender Beweise; trotz der Kinder. Wenn ein stark flektierter Genitiv Singular einem von der Präposition trotz abhängenden stark flektierten Singular vorausgeht, vermeiden wir einen doppelten Genitiv: trotz des Bootes starkem Schwanken (nicht: trotz des Bootes "starken Schwankens").

Die gleichen Regeln der Rektion gelten übrigens für die Präposition wegen, die auch dann in den Dativ rutscht, wenn der Genitiv im Plural nicht zu erkennen ist: wegen des Geschäfts (Gen.), wegen Geschäften (Dat.), wegen dringender Geschäfte (Gen.). Andere Präpositionen wie laut, gegenüber oder nahe fühlen sich mit dem Dativ pudelwohl und haben auch keinen Ortswechsel geplant, werden aber dauernd in den Genitiv geschoben. Es heißt laut dem Grundgesetz und nicht "laut des Grundgesetzes", es heißt gegenüber dem Bahnhof und nicht "gegenüber des Bahnhofs", und es heißt – zum Donnerwetter noch einmal! – nahe dem Tatort und nicht "nahe des Tatorts"! Allerdings: Der Genitiv nagt am Dativ, besonders bei der Präposition laut. Immer häufiger liest man: laut "unseres Schreibens" (richtig: unserem Schreiben), laut "beiliegender Rechnungen" (richtig: beiliegenden Rechnungen).

deutschstunde@t-online.de
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.03.2018 um 18.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1988

Einer Leserin mißfällt "Ich wünsche Ihnen einen schönen guten Morgen" aus dem Munde eines Radiosprechers. Schmachthagen gibt ihr grundsätzlich recht, kann sich die Wendung nur als "einen schönen und guten Morgen" (alternativ mit Komma) erklären.

Das ist meiner Ansicht nach nicht richtig. Vielmehr ist "guten Morgen" so fest verbunden, daß ein davorgesetztes Adjektiv "schön" gar nicht als doppelte Attribuierung empfunden wird, daher auch die Intonation. "Schönen Gutenmorgen" könnte man fast sagen, wie "schönes Wochenende", allerdings weiterhin mit Hauptakzent auf "-morgen".

 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.02.2018 um 00.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1987

Das Wort Säugling wird noch öfter verwendet.
Es scheint mir sogar eher für Menschen als für Tiere benutzt zu werden.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2018 um 10.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1986

Schmachthagen:

"Wenn Sie zum Saugen aber moderne technische Geräte benötigen, wird das Verb ausschließlich schwach flektiert: den Rauch im Treppenhaus abgesaugt (nicht: gesogen)."

Das trifft bei weitem nicht zu, nur in der Tendenz. Gerade bei der Feuerwehr wird viel abgesogen.

"Da hier bereits der Infinitiv umgelautet ist, sind auch sämtliche Flexionsformen umgelautet: Die Mutter säugte ihr Kind. Die Kuh hat das Kalb gesäugt."

Hier sollte man vermerken, daß der sprachliche "Dimorphismus" von Mensch und Tier weit fortgeschritten ist. Man hört praktisch nie Säugen Sie ihr Kind selbst? - Es ist auch bei Google verschwindend selten. Stillen klingt weniger nach Euter.

 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 14.02.2018 um 19.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1984

Neulich habe ich im Radio auch "geschalten" gehört.


 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2018 um 17.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1983


"Eine der wichtigsten Regeln der Rechtschreibreform lautet "Verb und Verb immer getrennt" (obwohl uns die überflüssige Reform der Reform im Jahr 2006 einige Ausnahmen ins Nest gelegt hat). Wenn wir das Verb schwimmen und das Verb gehen zu schwimmen gehen zusammenbringen, wissen wir also, dass wir auch tanzen gehen, spazieren gehen, einkaufen gehen, schlafen gehen oder essen gehen getrennt schreiben müssen."(Schmachthagen 32.1.18)

Schmachthagen sieht nicht, daß spazieren gehen aus der Reihe fällt: man geht nicht, um dann zu spazieren.

„Verb und Verb immer getrennt“ - solche Regeln gefallen ihm, weil sie einfach sind. Ob sie der Sprache angemessen sind und dem Leser dienen, interessiert ihn nicht. Bloß keine Fehler machen!
Er bekennt immer wieder, daß er die Rechtschreibreform von 1996 gut und richtig fand.
Was er über gewinnbringend usw. schreibt, ist ziemlich konfus.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.01.2018 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1982

Mit Sicherheit kein Austriazismus.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.01.2018 um 21.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1981

Zu "gewunken" und andere siehe bei Wikipedia unter "Österreichisches Deutsch", Abteilung "Perfekt".

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.01.2018 um 07.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1980

Immerhin fällt auf, dass das "neue Jahr" immer noch mit kleinem "n" geschrieben wird. Das neue Jahr ist kein Unikat wie die Art der Gemeinen Stubenfliege oder des Fleißigen Lieschens, sondern an jedem Neujahr beginnt ein neues Jahr, und zwar jedes Mal ein anderes. Nur Unikate sind Eigennamen und dürfen großgeschrieben werden. Dieser Ansicht ist auch die Dudenredaktion, allerdings nur unter dem Stichwort "Jahr" ("das neue Jahr"), nicht jedoch unter dem Stichwort "neu" ("das neue od. Neue Jahr"). (Schmachthagen 9.1.18)

Und der Erste Mai, der Heilige Abend? Gibt es doch auch alle Jahre wieder.

Das Gleiche gilt für die unausrottbare, aber falsche Form "gewunken". "Der Linienrichter hat Abseits gewunken" – nein, zum … [Ausdruck gestrichen], der Linienrichter hat gewinkt, wir haben Oma zum Abschied zugewinkt, und das Mädchen hat mit dem Taschentuch gewinkt. Hier handelt es sich nicht um eine akzeptable Sprachentwicklung, sondern um die korrekte Flexion schwacher Verben. Die heißt bei winken nun einmal winken, winkte, gewinkt und nicht "winken, wank, gewunken". Und was finden wir im Duden? winken; gewinkt (häufig auch gewunken). "Häufig auch" treffen wir auf dämliche Eintragungen, die die Häufigkeit bei der Anwendung nicht existenter Formen bestimmt steigern werden. (ebd.)

Das braucht man nicht mehr zu kommentieren. Ich weise nur auf die charakteristische Formulierung hin: "heißt nun einmal". Sprachnormen läßt sich mit einem "basta" nicht beikommen. (Man sollte Schmachthagen einmal fragen, was er unter häufig vorkommenden nichtexistenten Formen versteht.)

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2017 um 13.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1979

Ich habe das Russische auch nicht als Vorbild erwogen, sondern nur erwähnt, um die Logik dahinter begreiflich zu machen.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 24.12.2017 um 12.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1978

Relevant wäre hier nur das Französische als traditionelle Postsprache.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.12.2017 um 18.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1977

Im Russischen steht der Empfänger doch auch im Dativ (oder Nominativ).

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.11.2017 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1976

Ist »Dem Herrn« auf Briefumschlägen belegt?

Sehr eigentümlich ist übrigens die Doppelung »Monsieur Monsieur« oder »Herrn Herrn«, die sich auf Couverts des 18. Jahrhunderts findet.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2017 um 06.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1975


Die männliche Form in der Anrede heißt immer noch „Herrn“. Die Duden-Sprachberatung empfiehlt, das „n“ nicht wegzulassen. Es wird zwar nicht mehr „an“ geschrieben, aber immer noch mitgedacht.
Schmachthagen schrieb vor einiger Zeit: „Die Anschrift steht im Akkusativ. Es heißt also Herrn Max Mustermann (an wen?). Der Dativ ist unüblich und kommt nur noch im diplomatischen Schriftverkehr oder bei Ehrentiteln vor: Seiner Eminenz, dem Hochwürdigsten Herrn Karl Kardinal Lehmann.“
Damit gibt er immerhin zu, daß früher der Dativ üblich war, der nun vom Akkusativ nicht zu unterscheiden ist und daher für einen solchen gehalten wird. Auch an war lange üblich und ist auch heute noch anzutreffen – aber warum sollte man es "weglassen" und "mitdenken", wie viele in Anlehnung an den Duden meinen? Dafür gibt es doch sonst kaum Beispiele (von wegen ist zu wegen geworden).

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.11.2017 um 15.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1973

Hier ein Beispiel für »An Herrn« auf einem Briefumschlag von 1922:
http://philaseiten.wavecdn.net/up/720119/1/2/5d8208a3_h.jpeg

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2017 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1972

Schmachthagen verbreitet die amtliche Regelung über den Doktorgrad, entgegen feministischen Sonderregeln. Außerdem die dudengemäße Regel über „diesen Jahres“ usw. (21.11.17)

In der Anschrift heißt es übrigens Herrn im Akkusativ und nicht "Herr", obwohl dieser Zusatz auf dem Briefumschlag heutzutage nicht mehr erforderlich ist.

Wie gesagt, es ist weder nachgewiesen noch plausibel, daß es sich hier um den Akkusativ handelt (unter unerhörter Weglassung der Präposition „an“).

Als Substantiv wird das Erstere großgeschrieben: "Ich möchte mit dem Ersteren beginnen."

Danach könnte man meinen, es komme auf den Artikel an; das ist jedoch nicht der Fall. Auch pronominaler Gebrauch ist mit Großschreibung verbunden, wie sogar Gallmann in der Dudengrammatik eingesteht.
Schmachthagen übergeht das, sei es aus Unkenntnis oder weil er nicht gern zugibt, wie unzulänglich die Neuregelung ist.


 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.11.2017 um 00.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1971

Hat nichts mit der Reform zu tun, aber wohl mit falschen Vorstellungen von Richtigkeit – weil es ja Kram heißt, darf es nicht Krimskrams heißen.

 

Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 03.11.2017 um 18.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1970

In der aktuellen Ausgabe der DJH-Zeitschrift "extratour" lese ich das Wort "Krimskram". Ist das eine Reform-Verhunzung? Ich kenne nur "Krimskrams".

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.11.2017 um 07.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1969

„Das schwache Verb auseinanderdividieren existiert nur in der Zusammenschreibung.“ (Schmachthagen 1.11.17)

Ja freilich, aber Schmachthagen hätte erwähnen dürfen, daß die von ihm gepriesene Rechtschreibreform jahrelang vorsah, dieselbe Konstruktion dürfe nur getrennt geschrieben werden. Schmachthagen hat ja oft bedauert, daß die Reformer unter dem Druck der Kritiker nicht konsequent bei ihrer ursprünglichen Fassung geblieben sind.

Das Hin und Her selbst ist ein Beweis der Inkompetenz und sollte zu der Überlegung führen, warum man einer solchen Reform folgen zu müssen glaubt. Aber soweit reicht es nicht.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.10.2017 um 11.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1965

"Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode" (Hamlet, 2.Akt, 2.Szene)

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2017 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1964

Schmachthagen HA 12.09.17:

Wissen Sie, was ein Hoodie ist? (...) Als ich meine Tochter fragte, wer oder was das sei, schüttelte sie verständnislos mit dem Kopf und holte gleich drei Exemplare davon aus dem Schrank. Offenbar handelt es sich um einen Kapuzenpullover, den deutsch Kapuzenpullover zu nennen den Verkauf ("Sale") und die Verbreitung ("Marketing") bei der Jugend stark beeinträchtigen würde.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2017 um 06.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1963

Der Verein Deutsche Sprache ehrt Abendblatt-Autor Peter M. Schmachthagen mit dem renommierten "Elbschwanenorden". Diese Bezeichnung geht zurück auf eine anno 1658 von Johann Rist in Wedel gegründete Literatenvereinigung. Gewürdigt werden Einrichtungen und Persönlichkeiten, die sich um die deutsche Sprache in besonderer Weise verdient gemacht haben. Die Ehrung findet am morgigen Dienstag, 12. September, um 18.30 Uhr im Vortragssaal des Gästehauses der Universität Hamburg (Rothenbaumchaussee 34) statt. Gäste sind willkommen, der Eintritt ist kostenlos.

 

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